Atomkatastrophe in Japan – werden wir diesmal besser informiert?

Ich erinnere mich noch gut an den April 1986, wenige Tage vor meinem Abitur, als ich bei der Abivorbereitung für Chemie gerade Kernchemie lernte und von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erfuhr.

Da kann ich mich noch – als wär es gestern gewesen – an die beschwichtigenden Worte des damaligen Innenministers Zimmermann erinnern. Sinngemäß hieß es, für Deutschland bestünde keinerlei Bedrohung durch die freigesetzte Radioaktivität. “Eine Gefährdung bestehe nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern”

Schon damals als kleiner Abiturient wußte ich, dass das nicht stimmen konnte. Wie viele Kranke und Tote hat dieser Minister auf seinem Gewissen? Nie wurde er dafür “verantwortlich” gemacht.

Und heute: wieder heißt es von Seiten der Bundesregierung “keine Gefahr für Deutschland”. Der Unterschied ist nur, dass der “Verantwortliche” nun der Bundesumweltminister Röttgen ist. Dieses Amt ist erst durch Tschernobyl im Juni 1986 entstanden. Sonst hat sich leider durch Tschernobyl, wie vor allem die Japaner nun schmerzlich spüren werden, nichts geändert.

Nervenheinis – alles Psycho oder was? Teil 1: Der Neurologe

Ja, lange ist es her, dass ich Monsterdoc zu Weihnachten 2009 (!) versprochen hatte, ihn in die höheren Weihen der Psycho-Neuro-Heinis einzuführen. Aus verschiedensten Gründen, vor allem Faulheit, habe ich es immer wieder aufgeschoben. Nach erneuter Aufforderung durch Cheffe werde ich nun aber meine Schulden begleichen:

1) Der Neurologe:
Der Neurologe ist einer der sich mit den körperlichen Krankheiten des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven und der Muskulatur beschäftigt. Da diese Krankheiten und vor allem die betroffenen Organe ziemlich kompliziert gebaut sind – zumindest die meisten Gehirne ;-) – ist der Neurologe so ein bisschen der Sherlock-Holmes oder der Wallander unter den Docs. Berühmtester Neurologe der Neuzeit: Dr. House (gleich gefolgt von Dr. Geldgier)

Bis vor wenigen Jahren hatte der Neurologe den Ruf des perfekten Diagnostikers, der nach Diagnosestellung dann aber nix machen kann, da viele neurologische Krankheiten wie Schlaganfall, Epilepsie, Parkinson oder Multiple Sklerose als unbehandelbar und unheilbar galten. In den letzten 10 Jahren konnten erfreulicherweise aber für viele dieser Erkrankungen spezifische und oft hochwirksame Therapien entwickelt werden, so dass der Neurologe nun – zumindest über den Rezeptblock – richtig effektiv behandeln kann. Sehr zum Leidwesen der Krankenkassen, denn die meisten der neuen Neuro-Medis sind schwe….teuer. Da gibt es Infusionen die locker mal eben 2000 Euro und mehr kosten.

Von Doppelnamen und Selbstbeweihräucherung
Neurologen sind eitel
, weshalb sie sich gerne gegenseitig in Krankheitsbezeichnungen verewigen. Hört sich also eine Krankheit wie der Nachname einer grünen Müsli-Karriere-Politikerin oder einer gelb-blauen Justizministerin an, dann ist das meist was Neurologisches:
Morbus Alzheimer, Bourneville-Pringle, Parkinson, Creutzfeld-Jakob, von-Hippel-Lindau, Kleine-Levin-Syndrom, Binswanger, Sturge-Weber-Krabbe,  …
Mittlerweile finden sowas moderne Neurologen schon wieder peinlich, weshalb zum Beispiel die Hallervorden-Spatz-Krankheit nun der Einfachheit halber Pantothenat-Kinase-assoziierte Neurodegeneration (PKAN) heisst.

So jung und schon vom Aussterben bedroht
Neurologen gab es nicht schon immer – früher gab es einfach Ärzte und Chirurgen (wohlgemerkt – Chirurgen galten früher nicht als Ärzte – ja, ja, die gute alte Zeit).

Die Neurologie entwickelte sich einerseits aus der Inneren Medizin, andererseits aber auch aus dem Gebiet der Psychiatrie. Letztere hat ja auch das Gehirn als Ursprungsorgan mit vielen neurologischen Krankheiten gemeinsam. Um heute Neurologe zu werden muss man deshalb mindestens 4 Jahre in einer Neurologischen Abteilung und 1 Jahr in der Psychiatrie gearbeitet haben. In Amerika, wo die Neurologie rein somatisch gesehen wird, bleibt einem die Psychiatrie erspart – oder umgekehrt.

Erstmals spaltete sich die Neurologie 1906 mit Gründung der “Gesellschaft Deutscher Nervenärzte” von der Inneren Medizin ab. 1935 – zu Beginn des tausendjährigen Reiches – wurde diese Gesellschaft jedoch zur Auflösung gezwungen und die Neurologen mussten sich den Psychiatern in der “Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater” angliedern.  

Die “moderne” (kranke) Gesundheitspolitik hat erkannt, dass neurologische Krankheiten wie Demenz, Parkinson und Schlaganfall aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung auf dem Vormarsch sind. Wenn es nun aber viele Neurologen gibt, die sich dieser Kranken annehmen und diese auch noch teuer und effektiv behandeln, dann wird das ziemlich viel Euronen kosten. Da ist es doch schlau, die Neurologen auf der Honorarskala möglichst weit nach unten zu drücken, damit kein halbwegs intelligenter Mensch in Deutschland mehr auf die Idee kommt Neurologe zu werden. Die Patienten selbst, sind ja meistens so krank, dass sie sich gegen ihre Mangelversorgung dann eh nicht wehren können. Oder habt Ihr schon mal was vom Aufstand der Demenzkranken im Altenheim gehört?
Ihr glaubt jetzt sicher, das sei wieder so was Paranoides vom Jammerlappen Dr. Geldgier. Aber warum glaubt Ihr hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologe die “Jungen Neurologen” entdeckt? Das ist der Kuschelzoo zum Erhalt aussterbender Arten! Zu meiner Studentenzeit war es nicht selten so, dass sich mancher kostenlos in einer Uniklinik verdingte, nur um eine Neuro-Ausbildungsstelle zu erhalten. Heute wirst Du überall mit Handkuss genommen.

Was sind denn nun aber Nervenärzte und Psychiater im Gegensatz zu Neurologen? Was machen die und sind das auch aussterbende Arten?

Davon mehr in Teil 2 …

Mitgehört …

… an einem herrlich-sonnigem Sonntagnachmittag auf einer bayerischen Bergalm in 1100m Höhe:

“Na, wie hast Du die Woche rum ‘bracht”

“Ich hab a gemütliche Drei-Tage-Woche gmacht”

Na wie?”

“Na Donnerstag und Freitag bin i nimma ganga. Des is bequem, für zwoa Tag brauchst kein Schein und hast a superlanges Wochenende”

“Ah so geht des, bist schon a Hund!*”

*die zwei kerngesunden Mittdreißiger prosten sich schmunzelnd zu.

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*Anmerkung: der “Hund” gilt im Bayerischen als Metapher für einen besonders schlauen und gerissenen Menschen; Steigerung: “Wia da Hund auf der Schelln-Sau” – ein Hund, der sich auch noch auf einem rasenden Schwein hält ist ein besonders zäher Erfolgsmensch – “Hunde” benötigen in solchem Zustand normalerweise keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung 

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Flotter Zweier
Passend hierzu eine Aussage aus einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Personalabteilung eines größeren mittelständigen Betriebs:
“Es ist schon auffällig, wenn man betrachtet, wie viele Mitarbeiter meist mehrmals im Jahr nacheinander 2 Tage oft im Verbund mit dem Wochenende fehlen. Etwa jeder zweite Mitarbeiter kommt so im Jahr auf mindestens 10 Fehltage. “

Skandallösung
Sinnvolle Lösung - aber nie durchsetzbar, weil politischem Selbstmord gleichkommend:
- keine Lohnfortzahlung in den ersten beiden Tagen einer Erkrankung
- die eingesparte Lohnfortzahlung fließt den Krankenkassen zu, die im Umkehrschluss den Beitragssatz senken müssen
- dauert die Krankheit drei oder mehr Tage: obligator. ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Lohnfortzahlung ab dem 3. Tag an den Erkrankten
- sollte ein Arbeitnehmer mehrmals wegen ein und derselben Erkrankung erkranken wird ihm nur an den ersten beiden Krankheitstagen keine Lohnfortzahlung gewährt – ärztliche AU vorausgesetzt

Es würde zu einem Aufschrei der Bergalmbetreiber, Kneipenwirte, Schwimmbad-Kiosk-Besitzer etc. … kommen.

Fatto!!! Strike!!!

Dr. Geldgier erhielt heute das Recht,

die Facharztbezeichnung

“Facharzt für Nervenheilkunde”

zu führen.

Leute, Leute, das hat mich Nerven gekostet, aber davon später. Jedenfalls werd ich Euch ab jetzt ab und zu wieder nerven.

Aber heute ist Feiern und Abhängen angesagt.

Servus

Euer Dr. G.

Offener Brief an Rösler – Pausenfüller

Ein verfilmter offener Brief von der “Aktionistin” Renate Hartwig an unseren Noch-Minister.

Rhetorisch sicherlich verbesserungswürdig – inhaltlich aber beachtlich. Mal nicht aus der Ärzteecke. (Quelle: www.patient-informiert-sich.de )

Ich konnte es mir im “off” nicht verkneifen.

Abwesenheitsnotiz

Der Autor wird voraussichtlich bis November hier nichts mehr veröffentlichen. Auch Kommentare werden bis dahin nicht mehr moderiert.

75 000 Leser – Zwangspause

75 000 – Klicks, da bekommt man ja Blog-Tinnitus!
Heute werden wohl noch die 75 000 Leser, genauer gesagt “Aufrufe” diese Blogs hier voll. Für ein Nischen-Medi-Blog das sich nicht hauptsächlich der Schilderung von lustigen, peinlichen, erotischen, unerhörten oder blutrünstigen Arzt-Patienten-Geschichten, sondern dem Jammern über die “Gesundheitssystem-Titanic Deutschland” verschrieben hat, ist das doch in knapp 15 Monaten eine ganz passable “Quote” oder?

Honorar wieder im freien Fall
Nachdem ich heute jedoch wieder mal meinen RLV-QZV-Bescheid für das nächste Quartal bekommen habe (da wird einem quasi die Verdienstobergrenze mitgeteilt), muss ich die Reissleine ziehen. Es sind im Vergleich zu diesem Quartal nochmals gut 7% weniger. Der freie Fall der Neurologen nach unten geht weiter, die Nervenärzte bekommen weiterhin pro “Fall” bei gleicher Leistung mehr als 50% (!) mehr Honorar.

Büffeln wie ein Student
Da es nun existentiell wird, muss ich jede Minute meiner spärlichen Abendfreizeit auf meine Prüfungsvorbereitung für die Facharztprüfung “Nervenarzt” nutzen. Das ist meine einzige Chance hier in Deutschland zu bleiben. Das geht ziemlich an die Substanz.

Pause aber nicht Abschied
Ich werde deshalb hier eine komplette Zwangspause einlegen, denn - ich hab es ja probiert - ein bisschen Klappe halten geht nicht bei mir. Ist wohl wie bei anderen Suchten. Nur die komplette Abstinenz bringts.
Nun denn, dies ist auf unbestimmte Zeit mein letzter Artikel. Ich werden ab 03.09. auch die Kommentarfunktion schließen (wenn ich es schaffe ;-) ).

Wer mich also noch beglückwünschen, bemitleiden oder wüst beschimpfen will, sollte sich beeilen.

Für Eure Treue danke ich ganz herzlich, ebenso für Euer Verständnis und haltet die Daumen steif und drückt mir die Ohren – oder so ähnlich!

Servus Euer Dr. Geldgier 

P.S.: Vielleicht mache ich es ähnlich wie Kollege Dr. Proll, der am 01.10.2010 seine Praxis schließt, um sich in London auf der BMJ Careers Fair nach einem neuen Job umzusehen.

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