Fassungslos… (Teil 4)


Auch für die Patienten kommt es „dicke“
Für die Patienten muss es auch seltsam anmuten, dass sie nun plötzlich auch von bestimmten, ‘erlesenen’ Fachärzten immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die AOK die tollste Kasse sei.

Gerechtigkeit und Transparenz als Ziel – Vielklassenmedizin als Ergebnis
Eigentlich sollte ja durch die letzte Gesundheitsreform erreicht, werden, dass die Honorierung ärztlicher Leistung in Deutschland gerechter und transparenter werde. Das Gegenteil ist der Fall. Nicht nur die Abrechnungsergebnisse der Kassenärztlichen Vereinigungen haben eine Verzögerung von fast einem Jahr seit der Reform, sondern die Patienten finden sich in einer Vielklassenmedizin wieder:

Die neuen Patientenklassen im System (frei nach Dr. Geldgier):

1. Klasse: Privatpatient

2. Klasse: AOK-Patient, eingeschrieben bei Hausarzt und Facharzt -

3. Klasse: AOK-Patient,  eingeschrieben bei Hausarzt-Vertrag, aber kein Facharzt mit “AOK-Bonus”; da dieser Facharzt in baldiger Zukunft dicht machen wird: lange Wege zur Facharztuntersuchung

4. Klasse: AOK-Patient, eingeschrieben bei Facharzt-Vertrag, nicht im Hausarzt-Vertrag; es gibt zwar tolle Facharztnähe, aber der Hausarzt wird nicht gerne dorthin überweisen (Stichwort: Futterneid)

5. Klasse: AOK-Patient ohne Eintragung in Vertrag (zum Beispiel weil einfach nicht in Bayern lebend und kein Facharztnetz mit AOK-Vertrag greifbar)  oder gesetzlich Versicherte aller anderen Kassen
–> gaaaaanz schlechte Karten; Hausarzt hat keinen Bock mehr, Facharzt wird es bald nicht mehr geben; Wartezeiten ohne Ende

6. Klasse: Der Widerspenstige AOK-Patient, der in einer Region lebt, wo Haus- und Fachärzte ihn gerne in einen Vertrag “schieben möchten”, der Patient möchte sich aber nicht in diese Verträge einschreiben: das “ärmste Schwein”: die behandelnden Ärzte werden ihn bei jedem Besuch darauf ansprechen, warum er denn nicht einwillige in diese tolle Versorgung, wird zur Rache evtl. ewig auf Termine warten, in eigenen Wartezimmern ohne Stühle und Heizung warten, …

Alle Menschen sind gleich – nur manche gleicher als gleich
Grundsätzlich muss sich jeder AOK-Patient fragen: warum ist ein AOK-Patient der AOK in München mehr wert, als der AOK in Hintertupfing oder Bad Dingenskirchen? Warum bin ich mehr wert, als andere Patienten, anderen Kassen. Warum bekommt der Neurologe in München fast doppelt so viel wie der in Bad Dingenskirchen?

Ihr merkt schon: das Zig-Klassen-System-Chaos ist ausgebrochen. Überleben werden die Medizinunternehmer unter den Ärzten, die Ärzte, die diesen Beruf aus Berufung gewählt haben, die werden aussterben.

Schlimm ist auch, dass die neue Biene-Maja-Koalition offensichtlich … (Fortsetzung folgt)

8 Antworten auf diesen Artikel.

  1. Das mit der Vielklassenmedizin mag richig sein. Bei uns kriegen die Privatpatienten schließlich auch immer zum Frühstück eine Tageszeitung (wenn sie nicht vorher von Kalle geklaut worden ist, die Zeitung meine ich).

    Was hält einen Menschen denn davon ab, aus der BKK XYZ in die AOK zu wechseln, wenn diese einen besseren Service bietet?
    Und was spricht dagegen, sich ins Hausarztmodell einzuschreiben, wenn man dann besser versorgt wird?
    Wenn die Abstimmung mit den Füßen erfolgt, denken die anderen Kassen vielleicht auch irgendwann einmal daran, entsprechende Verträge abzuschließen…

    Antwort

    • Veröffentlicht von Benedicta am 17. Januar 2010 um 11:23 nachmittags

      DAS dürfte das Ansinnen der AOK sein. Aber: wer sagt denn, dass die AOK mit diesen Erpresser-Methoden wirklich den besseren Service für die Patienten bietet?

      Antwort

      • Veröffentlicht von drgeldgier am 18. Januar 2010 um 6:36 vormittags

        Korrekt Benedicta: beim Hausarztvertrag in Bayern ist beispielsweise nicht wirklich zu erkennen, was daran die bessere Versorgung sein soll.

        Antwort

  2. Veröffentlicht von Su-Mu am 18. Januar 2010 um 6:59 vormittags

    hier in der Gegend hat mich noch niemand “überreden” wollen oder auch nur darauf hingewiesen, dass die AOK und so ein Hausarztvertrag ja so toll sei. Darüber bin ich auch ehrlich gesagt, sehr froh!

    Antwort

  3. Veröffentlicht von Anna am 18. Januar 2010 um 9:45 vormittags

    Bin auch schon öfter von der Sprechstundenhilfe meiner HÄ genötigt worden, mich in ein bestimmtes Modell zu integrieren. Als ich dann sagte, dass ich das aus Gründen xy nicht will, hörte ich, wie sie aufgebracht der HÄ berichtete, ich würde mich weigern. HÄ hat’s gelassen aufgenommen, ich fühlte mich natürlich relexartig schlecht.

    Antwort

  4. [...] passend auch die Einstufung der neuen Lieblingspatienten des niedergelassenen [...]

    Antwort

  5. [...] Fassungslos (Teil 4) oder die neuen Patientenklassen [...]

    Antwort

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