… das Ultraschallgerät ist defekt!!!
Reparatur unter Umständen nicht mehr rentabel. Neuanschaffung: 20 000 € !!!
Das ist eine kleine Katastrophe am Dienstagmorgen.
Das Verrückte:
ich mache jetzt die Untersuchungen behelfsmäßig mit einem anderen Gerät, bei dem man nur den Puls- und Blutfluss hört, aber keine Bilder von den Gefäßen erhält.
Gegenwärtig vergütet die Kassenärztliche Vereinigung diesen Ultraschall unterm Strich mit derselben Pauschale (ca. 40€), wie den Hochleistungs-Ultraschall mit dem jetzt defekten Gerät.
Ist das nicht ein Schwachsinn???
Der Unternehmer in mir sagt: prima, kein Gerät kaufen, Billigmedizin machen.
Der Arzt in mir sagt: es gibt nichts zu überlegen, das Gerät muss ersetzt werden, auch wenn es die Kassen nicht honorieren. Es ist eine – vor allem auch präventiv – höchst wichtige Untersuchung die beginnende Arteriosklerose der hirnversorgenden Gefäße zu erkennen.
Mal sehen, wer siegt.


Veröffentlicht von hajo am 24. August 2010 um 6:22 nachmittags
Alternative: Überweisung zum Kardiologen
.. auch Sch..
Veröffentlicht von Hermione am 24. August 2010 um 6:24 nachmittags
Shit…
20.000€ ist nun wirklich nicht wenig, und bis Du DIESE Summe wieder raushast (bei der geringen Vergütung)… Wow.
Veröffentlicht von Sebastian am 24. August 2010 um 9:40 nachmittags
Bei meiner Hausärztin steht ein Ultraschallgerät ungenutzt rum.
Jedenfalls wollte mich ihr Ehemann, der Vertretung für Sie gemacht hat, zum CT schicken, weil ich Oberbauchbeschwerden hatte.
Ihm kam gar nicht in den Sinn, eine Sono zu machen.
Vielleicht könnte Sie dir ja ihr Gerät abtreten.
Veröffentlicht von drgeldgier am 25. August 2010 um 6:40 vormittags
sorry Sebastian, aber es gibt mehr als 2 verschiedene Arten von Ultraschallgeräten und -sonden
Und bei entsprechender Fragestellung kann ein CT sehr wohl sinnvoller sein, als ein Sono.
Natürlich stellt sich mittlerweile immer die Frage, ob man als Arzt wirtschaftlich oder medizinisch sinnvoll handeln soll (was in der heutigen Zeit dummerweise oft ein Widerspruch ist).
Veröffentlicht von Sebastian am 25. August 2010 um 7:27 vormittags
Natürlich gibt es diese Fragestellungen.
Aber ich glaube behaupten zu können, dass bei einem 23 jährigen, ohne Grunderkrankungen und normalem Körpergewicht eine CT vorzuschlagen grober Unfug ist.
Ihr Gerät hat übrigens noch einiges mehr gekostet, hatte bei ihr einen Tag famuliert und sie mal darauf angesprochen. Nur leider war das Gerät nie im Einsatz.
Veröffentlicht von drgeldgier am 25. August 2010 um 8:40 vormittags
Ich mache pro Quartal bis zu 160 Untersuchungen – und oft mit erheblicher therapeut. Konsequenz. Also wenn ich auf eine Neurologen-Insel nur ein Ding mitnehmen könnte, dann wär es …
… der Reflexhammer – und dann dieses Gerät
Veröffentlicht von der Landarsch am 25. August 2010 um 10:40 vormittags
@Sebastian, bei (noch unbekannten) Beschwerden muss der Arzt immer erst eine Verdachts-Diagnose aufstellen und diese dann mit der entsprechend geeigneten Untersuchung beweisen oder widerlegen. Also: welche Untersuchung (Sono oder CT) ich auswähle, hängt davon ab, welche Untersuchung meinen Verdacht klären kann. Mit Sono sieht man grundsätzlich was andere als mit einem CT. Den “Diagnosestecker” (wie bei teuern Autos) hat der liebe Gott beim Menschen noch nicht gehabt.
@Dr.Geldgier, die Politik fordert ganz eindeutig und unmißverständlich, dass der Kassenarzt sich wirtschaftlich verhält. Nur dieses wird honoriert! Wir haben folglich die – schizophrene – Situation, dass der (wirtschafliche) Kassenarzt die medizinisch sinnvollen Leistungen nicht vergütet bekommt und sie – wie weiland die hohen Damen im Mittelalter – den Armen und Bedürftigen aus seinem Reichtum “spenden” muss. Dummerweise verbietet aber das staatliche Wirtschaftlichkeitsgebot, dass Ärzte reich werden. Sie müssen es also schon sein, bevor sie Arzt werden. Das lässt mich wieder an die alte Frage denken: Wie wird man am schnellsten Millionär? Antwort: Indem man vorher 2 Millionen hat.
Veröffentlicht von Sebastian am 25. August 2010 um 2:24 nachmittags
Möchte hier keine Diskussion auslösen, bin ja leider noch nicht fertig mit dem Studium und somit habt ihr mehr Ahnung von der Materie.
Aber: Die Anamnese und körperliche Untersuchung liefert mir doch schon wichtige Hinweise für meine Verdachtsdiagnose. Und die Sono kann diese Diagnose evtl. untermauern (mit damit verbundenen weiteren Untersuchungen) oder ich kann meine Diagnose verwerfen.
Eine Sono-Untersuchung tut nicht weh, man kann damit aber schon eine Menge anfangen.
Die CT wird doch heute übereilt angeordnet! Das ist meine Meinung.
Veröffentlicht von der Landarsch am 26. August 2010 um 8:29 vormittags
@ Sebastian: Nochmal:
Röntgen sieht “röntgendichte” Strukturen (also Knochen oder kompaktere Weichteile)
CT (genaugenommen eine 3-D-Variante des Röntgens) sieht nix anderes als Röntgen, allerdings zeigt es auch röntgendurchsichtige Strukturen an, damit kann man dann Organe gegenüber dem röntgendurchdringlichen Gewebe (z.B.Fett) – besser abgegrenzt – erkennen
Sono (diagnostischer Ultraschall – nicht zu verwechseln mit therapeutischem Ultraschall = andere Frequenz und Intensität) sieht Organgrenzen (auch “innere Grenzen”, z.B.durch Blutgefäße in einem Organ) und kann sich nur in wasserhaltigen Strukturen ausbreiten. Luft ist dagegen für Ultraschall undurchdringlich. (3-D-Ultraschall gibts m.W.noch nicht)
MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) “sieht die Veränderungen eines (künstlich erzeugten) Magnetfeldes und funktioniert nur mit Dipolen (z.B. Wasser). Aber wegen der 3-D-Situation werden dann auch undurchdringliche Bereiche dargestellt.
EKG, EEG messen elektrische Ströme (indirekt über die Ausbreitung ihrer Magnetfelder)
Veröffentlicht von Sebastian am 26. August 2010 um 9:13 vormittags
@Landarsch:
Nochmal:
Um diese “Radiologie für Dummies”-Aufstellung habe ich dich nicht gebeten.
Du gehst nicht auf vorherige Beiträge ein.
Diskussion ist für mich beendet.
Veröffentlicht von drgeldgier am 26. August 2010 um 10:48 vormittags
Lieber Sebastian – ein bisschen Netiquette bitte. Leider provozierst Du mit solchen Pauschalbehauptungen wie “Das CT wird doch heute übereilt angeordnet!” geradezu, dass man Dich etwas aufklärt, denn solche Behauptungen werden gerade von Laien sehr gerne ins Feld geführt, um uns Ärzte als Deppen hinzustellen. Wenn 90% der angeordneten MRTs oder CCTs unauffällig sind, dann heisst das nicht, dass 90% deshalb unnötig gewesen wären. So wird es aber immer hingestellt. Wenn ich vorher schon wüßte, welche 90% unauffällig sind, würde ich auch keine Bildgebung veranlassen. In Deinem speziellen Fall mag Deine Kritik zutreffen – liegt aber vielleicht auch daran, dass die Indikation bei einem angehenden Kollegen auch forensischer Art war – aber daraus allen Kollegen einen Strick zu drehen, ist zu einfach.
Veröffentlicht von der Landarsch am 26. August 2010 um 4:05 nachmittags
@ Dr.Geldgier: Danke!
@Sebastian: es lesen hier ja auch noch Andere mit, denen Dein Fachchinesisch, gepaart mit undurchsichtigen Insider-Unterstellungen im Dunkeln bleiben würde! Und außerdem schreibst Du selbst, dass Du noch nicht so viel Anhnung von der Materie hast.
Veröffentlicht von Sebastian am 26. August 2010 um 11:10 vormittags
Ich wollte ganz und gar nicht, allen Kollegen einen Strick daraus drehen.
Ich habe die Erfahrung gemacht (auch wenn diese noch nicht groß ist), dass einige (!), nicht alle, Kollegen ohne einen Patienten richtig untersucht zu haben und erstmal mit einfacher Diagnostik anzufangen, sofort mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Das mag mit der Vergütung zusammenhängen.
Veröffentlicht von Kreativarzt am 29. August 2010 um 3:57 nachmittags
Ein Neurologe braucht ein Duplexsono, ein Allgemeinarzt braucht (eigentlich) ein Abdosono und Ruhe EKG und ein Chirurg in Niederlassung braucht eigentlich einen keimarmen Operationsraum zum Arbeiten. Diese Dinge wären in einer schnickschnackfreien Basisvariante sehr preiswert zu bekommen. Vorausgesetzt es liefe über einen Zentraleinkauf. Mein Vorschlag: Die Bundesregierung in Gestalt des BM für Gesundheit stellt diese Dinge zur Verfügung. Damit wäre der Einstieg in eine vernuftorientierte Medizin geschaffen. Kein unnützer Pseudowettbewerb in einem “Markt” der gar keinen Wettbewerb ertragen kann ( weil der billigste Patient, der tote erwerbslose Patient wäre). Und kein unnützer Schnickschnack in der Medizintechnik, der bei unbeeinflussbarem Einkommen nie armortisiert werden kann.
An dem Beispiel einer solchen Mammutinvestition von 20 000.- erkennt man die Erpressung im System. Für gute Medizin wird der verantwortungsbewuste Arzt in Ausgaben getrieben, die er nie hereinarbeiten kann.
Ein weltfremder Herr Rösler darf sich hemdsärmlig in eine treudoofe Hausraztpraxis stellen und brav, der sich selbst ausbeutenden Kollegin in den neuen Bundesländern eine Belobigung aussprechen. Erstens ist er vollkommen unqualifiziert reale Medizin zu beurteilen (angelernter Halbophthalmologe der er ist) zweitens war es jammervoll, diese 6-Tagewoche einer überforderten Kollegin zu erleben. Sorry, jetzt ging es etwas mit mir durch, ich wollte ja nur sagen, dass die realitätsferne Vorstellung die Herr Rösler von Medizin hat, überhaupt keinen Lösungsansatz für dieses reale 20 000.- Euro Problem bietet, sondern uns nur immer weiter in den Dreck fährt.
Veröffentlicht von ralph am 3. Juli 2011 um 8:34 vormittags
da kann ich nur zustimmen. Ein Allgemeinarzt kommt in der Regel mit der
abdominellen Sonographie aus. Jedoch wäre er sicherlich schön, mit Duplex präventive Maßnahmen durchzführen oder auch mal am Fr. Nachmittag oder Samstag die Tiefe Beinvenenthrombose auszuschließen.
Wirtschaftlich macht ein Farb-Duplex-fähiges Sono in der Hausarztpraxis derzeitig keinen Sinn.
Und zum Schluss: in meiner Ausbildung erklärte unser Prof. für Allgemeinmedizin: Ultraschall braucht kein Hausarzt, eine Gallenblasenentzündung wäre ja schließlich sicher klinisch zu diagnostizieren…