Ich erinnere mich noch gut an den April 1986, wenige Tage vor meinem Abitur, als ich bei der Abivorbereitung für Chemie gerade Kernchemie lernte und von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erfuhr.
Da kann ich mich noch – als wär es gestern gewesen – an die beschwichtigenden Worte des damaligen Innenministers Zimmermann erinnern. Sinngemäß hieß es, für Deutschland bestünde keinerlei Bedrohung durch die freigesetzte Radioaktivität. “Eine Gefährdung bestehe nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern”
Schon damals als kleiner Abiturient wußte ich, dass das nicht stimmen konnte. Wie viele Kranke und Tote hat dieser Minister auf seinem Gewissen? Nie wurde er dafür “verantwortlich” gemacht.
Und heute: wieder heißt es von Seiten der Bundesregierung “keine Gefahr für Deutschland”. Der Unterschied ist nur, dass der “Verantwortliche” nun der Bundesumweltminister Röttgen ist. Dieses Amt ist erst durch Tschernobyl im Juni 1986 entstanden. Sonst hat sich leider durch Tschernobyl, wie vor allem die Japaner nun schmerzlich spüren werden, nichts geändert.


Veröffentlicht von anna am 13. März 2011 um 10:01 pm
Wahre Worte!
Veröffentlicht von Wolfgang-2 am 13. März 2011 um 10:47 pm
Im Augenblick ist noch nicht viel passiert. Der englische Begriff für Kernschmelze ist der meltdown und die offizielle Seite für entsprechende Meldungen ist http://www.iaea.org/ resp. hier http://www.iaea.org/newscenter/news/tsunamiupdate01.html.
Und das iaea weiß noch nichts von einem meltdown während die Presse teilweise bei uns schon drei Systeme in diesem Zustand sieht. Der Störfalllevel der japanische Systeme ist auf 4 festgelegt und der von Tschernobyl hatte den höchsten mit 7. Dazu habe ich aber bislang noch keinen Link gefunden/gesehen.
Nach meinem dafürhalten haben die Systeme korrekt abgeschaltet und nur für die Nachkühlung war nicht genug Energie verfügbar. Also haben die die Kühlflüssigkeit abdampfen lassen und mit Meerwasser nachgefüllt. Da nun Kühlwasser verdampft, das direkt mit den Brennstäben Kontakt hat, entweicht in geringen Mengen Radioaktivität.
Wenn das stimmt dann wird in den nächsten Tagen die entweichende Radioaktivität abnehmen – wenn die Stäbe entsprechend herunter gekühlt sind.
Veröffentlicht von drgeldgier am 14. März 2011 um 3:05 pm
Laut aktuellen Informationen liegen die Brennstäbe in einem Reaktor nun mittlerweile zumindest teilweise trocken, also ohne jegliche Kühlung. Dann wäre dort das “nicht viel passiert” schon sehr blauäugig.
Veröffentlicht von Wolfgang-2 am 14. März 2011 um 7:54 pm
So wie ich die Meldung verstehe ist denen nur das Wasser knapp geworden aber das konnten die wohl beheben.
http://www.iaea.org/newscenter/news/tsunamiupdate01.html
Veröffentlicht von drgeldgier am 15. März 2011 um 11:31 am
Ich wünschte mir ja so sehr, dass Du Recht hast. Aber die IAEA sitzt in Wien (!) und bekommt die Informationen aus zweiter Hand. Nämlich von der japanischen Regierung, die wiederum auch nur von der Betreibergesellschaft informiert wird. Dein Gottvertrauen scheint grenzenlos.
Veröffentlicht von Wolfgang-2 am 15. März 2011 um 9:53 pm
Nun eine realistische Zusammenfassung gibt es hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/jetzt_auf_deutsch_warum_ich_ueber_die_kernkraftwerke_in_japan_nicht_beunruh/
Veröffentlicht von drgeldgier am 16. März 2011 um 7:58 pm
… leider scheinen die letzten Meldungen selbst der IAEO Deinem Autor nicht wirklich Recht zu geben
Veröffentlicht von Noga am 13. März 2011 um 11:56 pm
Ich habe auch immer wieder deja-vu-Erlebnisse an Tschernobyl und bin skeptisch, wenn immer wieder darauf Bezug gemacht, daß die japanischen Reaktoren nicht mit dem von Tschernobyl sondern mit dem von Harrisburg vergleichbar seien. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Veröffentlicht von der Landarsch am 14. März 2011 um 1:10 pm
Aus Hans Scheibner: “Das mach doch nix”
Im Kernkraftwerk, wie ärgerlich, ging gestern etwa schief,
so daß ein bischen Oho! entwich, und der Direktor rief:
Hauptsache, es quatscht hier nicht einer:
Das macht doch nichts, das merkt doch keiner.
Ein Englein kam zu Gott dem Herrn, und rang vor Schreck nach Luft:
“Die Erde, Herr, dein schöner Stern, hat sich grad selbst verpufft.”
Da lächelte Gott. “Ach, mein kleiner:
Das macht doch nichts, das merkt doch keiner
Veröffentlicht von drkall am 20. März 2011 um 1:22 am
Ich denke, man kann, so schwer es auch fällt, nur abwarten, dass sich die Situation klärt. Die Informationslage scheint ausgesprochen dürftig, die Situation selbst scheint allerdings auch sehr verworren. Ebenfalls sehr verworren, teilweise grob fahrlässig, ist die Berichterstattung. Solange Dosis und Dosileistung munter durcheinandergeschmssen werden und aus Millisievert Sievert und umgekehrt gemacht werden, ist alles nur pure Spekulation. An ERNSTHAFTEN nuklearen Folgen steht bisher offenbar fest, dass 5 (mittlerweile wohl 6) Männer mehr als 250 Millisievert abbekommen haben, und sich damit deren Erkrankungsrisiko wohl deutlich erhöht hat. Alles andere ist wohl mehr oder weniger Kaffesatzleserei. Es wird wohl noch Wochen dauern, bis halbwegs feststeht, was, wo und wieviel freigesetzt wurde, und wo das gelandet ist. DANN kann man auch Risikoabschätzungen machen.
Ich glaube die Bevölkerung ist im Moment mehr durch die unmittelbaren Auswirkungen des Bebens und des Tsunamis gebeutelt als durch die havarierten Reaktoren, was nicht heißen soll, dass das dicke Ende nicht noch kommen kann.
Ich hab meine 3,3GBq Iod131 bisher ganz gut vertragen, ich wollte sie ja auch haben. Ich weiß, damit sollte man nicht scherzen.
Veröffentlicht von Christof Bieker am 1. April 2011 um 5:51 pm
Hallo
ist es nicht so das Menschen die die Atommeiler eingesetz und aktiviert haben selber den “Dreck”um und in den Meilern wegschaffrn
müssten anstelle der “Helden” von Japan und zwar vertragsmässig
gebunden!
ChBieker
Veröffentlicht von Klabauterdoc am 7. April 2011 um 10:22 pm
“… sinngemäß hieß es, für Deutschland bestünde keinerlei Bedrohung durch die freigesetzte Radioaktivität (…) Schon damals als kleiner Abiturient wußte ich, dass das nicht stimmen konnte. Wie viele Kranke und Tote hat dieser Minister auf seinem Gewissen? Nie wurde er dafür „verantwortlich“ gemacht …”
Hüstel … sonst alles klar?
Ich denke, dass wir gut ohne Atomenergie auskommen könnten, wegen der Risiken, wegen der ungelösten Endlagerfrage usw. Aber dieses derzeit allerorten anzutreffende indolente Gewimmer, jenseits aller Tatsachen, aber die Katastrophe anderer für die eigenen Ziele ausnutzend finde ich absolut abstossend. Darüber ist es dem Ausstieg absolut nicht dienlich.
Veröffentlicht von Melissa am 19. April 2011 um 5:53 pm
“Atomkatastrophe in Japan – werden wir diesmal besser informiert?” also zumindest wusten wir von anfang an über die Havarie bescheid (die Schwere sei dahin gestellt)
Veröffentlicht von Kreativarzt am 24. Juni 2011 um 12:42 am
Lieber Kollege Geldgier,
wenn ich mir Ihre Bogfrequenz ansehe, dann komme ich zu dem Schluss, der Mann hat die Faxen dicke und wandert aus! Ich glaube, Sie haben vor lauter Planungsarbeit kaum noch Zeit für Ihr Bloghobby. Bald werden Sie uns aus der Schweiz was schreiben. Hab ich recht?