Über mich und den Blog

Ich bin 42 J., seit einigen Jahren als Neurologe in Deutschland in einer Einzelpraxis auf dem Land niedergelassen.

Ich bin auf der Abschussliste von Ulla Schmidt und Co. denn meine Praxis soll möglichst in den nächsten 2 Jahren durch Umsatzeinbußen so in den Ruin getrieben werden, dass ich diese möglichst billig an einen der 6 großen Privatklinik-Konzerne verkaufe und diese damit dann große Zentren zur billigen Massenabfertigung der Patienten mit angestellten Ärzten anbieten.

Ich bin verheiratet und habe 2 Kinder – wie es weiter geht, weiß ich seit 6 Monaten (Einführung des Gesundheitsfonds) definitiv nicht mehr. Alle Planungen (vielleicht irgendwann mal ein Haus bauen, Urlaub, Schuldenfreiheit der Praxis) sind völlig unmöglich geworden.

Ich will hier den ganz normalen Wahnsinn unseres Alltags schildern, denn in den von der Regierung gesteuerten Medien werden wir immer wieder gerne als geldgeiles, porschefahrendes Ärztepack dargestellt, dem es nur um den eigenen Reichtum geht.

Natürlich geht es hier auch um die wirtschaftliche Existenz von mir und meiner Familie, aber wenn die ambulanten Facharztpraxen vernichtet werden und der freie Arzt vor Ort nicht mehr zur Verfügung steht, dann geht es um viel mehr: es geht um die Zukunt der medizinischen Versorgung in diesem Land, um weitere Rationierung der Medizin (wir haben sie schon) und Sterben auf Wartelisten….

Nachtrag 17.10.09:
Nun ist Ulla Schmidt zumindest für mich Vergangenheit. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich nun was ändert oder ob die vorprogrammierte Aldisierung der Medizin in diesem Land weitergeht.

Ich werde weiter berichten, über die Auswirkungen auf mich, mein Leben und das Leben und die Versorgung der mir anvertrauten Menschen. Vielleicht wird es irgendwann auch ein Auswandererblog. Mal sehen.

11 Antworten to this post.

  1. Veröffentlicht von Heike am 24. Juni 2009 um 10:04

    Ich denke, das Problem mit den derzeit postulierten „geldgierigen Ärzten“ liegt darin, dass wir in Deutschland dazu neigen, alle über einen Kamm zu scheren. In der Realität gibt es „so’ne und so’ne“ (wie man bei uns sagt).

    Es gibt ohne Zweifel hochengagierte Ärzte, die um ihr Überleben kämpfen müssen. Mein Hausarzt gehört dazu! Wie es sich gehört, liegt seine Praxis in der Nachbarschaft zu meiner Wohnung und ich sehe zu Zeiten Licht in dieser Praxis, wo ich denke „Wann macht der denn Feierabend?“ Ich habe noch nie erlebt, dass er einen Patienten weggeschickt hätte, da bestellt er diesen doch eher in seiner Pause ein… Dass das vom Grundsatz her unbezahlbar ist, steht für mich ausserhalb jeder Diskussion.

    Aber es gibt auch – wie in jedem Bereich – diese anderen, die sich tatsächlich am System bereichern – notfalls mit Betrug. Ich denke, dass solche Ärzte das Ansehen der gesamten Berufsgruppe versauen. Und sie sind es auch, die dafür sorgen, dass
    eine durchaus negative Stimmung aufkommt bzw. geschürt werden kann. Und diese Stimmung wird dann eben genutzt, auch um Geld einzusparen.

    Ich habe inzwischen den Eindruck, dass in unserem Land – gerade im Gesundheitswesen – immer die bestraft werden, die engagiert sind und ihren Beruf aus Berufung ausüben.

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  2. Veröffentlicht von florencenightingale am 27. Juni 2009 um 5:27

    Wie gerne möchte ich mit Ihnen etwas Rütteln, auf die Beine stellen, der Gesellschaft aufzeigen, wie es wirklich um die Not und die Aufopferung bestellt ist.
    Und wie man hier an der Küste: alle, die das in Talkshows lächelnd verursacht haben: alle innen Sack und zumachen!
    Diese Dreistigkeit und Gelassenheit, die Mißstände nicht zu ändern oder wenigstens zuzugeben macht sprachlos und verführt dazu, innerlich Steinwerfer zu werden und den Politikern zu wünschen, in die Lage zu kommen, es selbst zu erleben: einerseits als Patient und dann als BehandlerIn unter Zwängen.

    Lassen Sie uns kraftvoll Alarm schlagen, sei es mit Blogs oder anderen Aktionen im Internet. Zählen Sie gerne auf mich!

    Schön, dass es SIE noch gibt

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  3. Veröffentlicht von Diana am 2. Juli 2009 um 8:47

    Hallo Dr.Geldgier,
    ich finde es wichtig das ein Arzt direkt und ungeschöhnt schreibt wie es nun zugeht.
    Selbst bin ich auch im med. Bereich tätig und sehe das neue Elend jeden Tag.

    Weiter so!
    Grüße innerhalb von Bayern;)

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  4. Veröffentlicht von der Landarsch am 8. Juli 2009 um 11:38

    auch von mir viele Grüße in die alte Heimat – und bitte, bitte weitermachen. Ich bin „zwar“ Hausarzt, aber was ist ein Hausarzt ohne fachärztlichen Background? Gerade wenn immer mehr Rosinenpicker von Röhn, Sana, etc. sich um die „lukrativen“ Dinge des Lebens kümmern, wo bleiben dann die Patienten? In meinem derzeitigen Umfeld ist die Facharztversorgung inzwischen derart ausgedünnt, dass eine verantwortbare, selbst „nur“ ausreichende hausärztliche Versorgung schon fast nicht mehr möglich ist *.
    Und als Friedhofsverwalter möchte ich genauso wenig tätig sein wie als Gesundbeter oder Klageweib (das waren die, die nach einem Todesfall mit den Hinterbliebenen zusammen geklagt und lamentiert haben)!

    * Als Beispiel: für die Diabetes-DMP’s sind jährliche Untersuchungen beim Augenarzt zwingender Bestandtei. Nach der Berentung einer alten Kollegin ohne Praxis-Nachfolger haben sich die anderen beiden Kollegen wegen Überlastung geweigert, deren Patienten zu übernehmen. Alte kranke Menschen (= Diabetiker) müssen jetzt – auf eigene Kosten – über 40 km bis in die nächste größer Stadt fahren!

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  5. Veröffentlicht von Alzheimerblog am 12. Juli 2009 um 5:18

    Lieder funktioniert das mit dem Trackback nicht. Habe gerade auf Ihr Weblog hingewiesen und verlinkt. Ich hoffe, es ist Ihnen recht.

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  6. Veröffentlicht von Sven Hennig am 20. Juli 2009 um 3:41

    Hallo,

    zu dem…

    „P.S.: Ich habe der Süddeutschen Zeitzung schon vor Monaten meine persönlichen Zahlen genannt – nicht einmal eine Antwort habe ich erhalten, geschweige denn, dass sie veröffentlicht wurden. Es hat wohl nicht so in den “mainstream” vom geldgeilen, porschefahrenden Yacht- und Villenbesitzer gepasst.“

    ich würde da mal detailliert drüber sprechen und im meinem Blig mal was dazu machen. Melden Sie sich doch einfach mal

    Gruß Sven Hennig

    online-PKV.de/PKV-bu-Blog

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  7. Veröffentlicht von ramonschack am 28. Juli 2009 um 11:25

    Eine sehr gelungene Seite, zu einem eher traurigen Anlass!

    Gruß
    Ramon Schack
    http://www.ramon-schack.de

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  8. Hallo Dr. Geldgier!

    Ihr Blog gefällt mir sehr gut. Machen Sie sich nicht zuviel unnötige Gedanken, denn schließlich gibt es in jeder Berufsgruppe schwarze Schafe. Ich bin selbst Beamter und muß mich desöfteren als Faulenzer bezeichnen lassen. ;-)

    Viele Grüße

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  9. Veröffentlicht von Sophie am 29. November 2009 um 1:01

    Ein wunderbarer Blog! Ich begrüße es, als Patientin einmal die andere Seite kennenzulernen. Die Fragwürdigkeit unseres Systems wird mir ebenso wie Ihnen jeden Tag aufs Neue ersichtlich.

    Schön, dass Sie sich trotz dessen Ihren Humor bewahren. Wenn selbst dieser abwirtschaftet, hat das Gesundheitssystem gesiegt – und das wollen wir doch nicht. Deshalb lächle ich ohne schlechtes Gewissen bei Ihren Erzählungen.

    Herzlichst,
    Sophie

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    • Veröffentlicht von drgeldgier am 29. November 2009 um 11:32

      Vielen Dank für das Kompliment – Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten freuen mich immer besonders, da es mir gerade darum geht, hier zu zeigen, dass deren vernünftige medizinische Versorgung und damit deren Wohl akut in Gefahr ist.

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