Protesttag in Bayern – wen juckts?


Heute ist eigentlich offiziell der 5. Protesttag der Fachärzte in Bayern, um gegen die aktuell ablaufende Vernichtung der niedergelassenen Fachärzte in freier Praxis zu protestieren.
Hat einer von Euch davon was wahrgenommen ??? Bitte dann sofort rückmelden!!! Ihr könntet was für mein Seelenheil tun.


Meine Praxis ist zu – mein Nachbar (auch Facharzt) hat offen. Typischer Kommentar: das bringt doch eh nix! Klar, wenn alle so denken und immer die anderen machen lassen, dann stimmt das. Widerstand bringt nur was, wenn man ihn leistet und zwar geschlossen!

Ich war heute nicht auf der Demo in München, weil ich ja immer noch Notdienst habe und da ist man dazu verdonnert, 158 Stunden am Stück in seinem Dienstbereich zu verweilen, wie es so schön heisst. Schöne Umschreibung für Hausarrest.

Die Medien nutzen unsere Proteste mit Praxisschließungen immer dazu aus, uns zu beschimpfen, da wir unsere Interessen auf dem Rücken der Patienten austragen würden.

Die haben nix kapiert. Wenn wir uns JETZT NICHT WEHREN, dann wird die Profitgier der Politiker (mit Aufsichtsratssitzen in Großklinikkonzernen), der Kassen und ausländ. Finanzinvestoren so richtig auf dem Rücken der Patienten ausgetragen.

Wenn ich meine Praxis gezwungenermaßen gegen Ende des Jahres an einen solchen Konzern verkaufen muss und dieser dann in der nächsten Großstadt ein Riesenzentrum aufmacht, wer versorgt dann meine alten, schwerkranken, chronischen Patienten mit Parkinson, Demenz, Epilepsie oder MS??? Die haben schon Mühe die kurze Strecke zu mir in die Praxis zu kommen. Die haben oft niemanden, der sie in ein 50km entferntes „Versorgungszentrum“ fahren würde.
Wer versorgt meine Patienten in den Altenheimen hier am Ort? Leute, das sind die Ärmsten der Armen, die haben oft nicht mal mehr Angehörige, die sich kümmern! Trotz engagierter Pflege (die auch immer wieder von den Medien zerrissen wird) sind sie einsam und siechen oft langsam dahin. Da kann man wirklich Gutes tun, Schmerzen lindern, qualvolle Halluzinationen und Wahnzustände bei Demenzpatienten behandeln. Das ist Arztsein. Aber das ist nicht mehr gewollt. Denn das ist zu teuer. Diese Heimbewohner werden nichts von einem tollen Zentrum in der Großstadt haben, mit Internet im Wartezimmer und Empfangslounge. Die brauchen menschliche Wärme, persönliche Zuwendung, Menschen die sich kümmern, …

Die werden schlichtweg nicht mehr versorgt werden!!! Das ist dann aber billig und sehr wirtschaftlich.

Deshalb: wacht auf Patienten Deutschlands und wehrt Euch gegen die Schweinerei die da gerade abläuft !!! 

Ach ja: ich habe heute meinen Arztausweis aus der Schweiz gekommen. Ich kann jetzt offiziell auch dort arbeiten. Ich will nicht weg, meine Patienten sagen mir tagtäglich, dass ich nicht aufgeben soll und ich hab hier zwei Kinder in der Schule – aber ich muss die auch ernähren. Man muss sich auf alles vorbereiten, leider.

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3 responses to this post.

  1. Wenn alle, die mit Herzblut dabei sind, in die Schweiz (oder wie bei uns in die Niederlande) gehen, dann wird’s aber echt dunkel in Deutschland.
    Es gibt aber auch Ärzte, da fände ich es nicht wirklich schade…. 😉
    Vielleicht sollte man ein System einführen, das ärztliche Leistungen nach Qualität der Behandlung – im Sinne der ganzheitlichen Sichtweise des Menschen / Patienten – vergütet. Dann würde der Zeiteinsatz für Patienten, die Gespräch und (auch ärztliche) Zuwendung benötigen auch mitbezahlt.

    Manchmal habe ich meinem Hausarzt gegenüber ein schlechtes Gewissen. Er nimmt sich für jeden Patienten Zeit. Es gibt keine „Schnellverfahren“. Wenn ich dann weiß, dass er genau das nicht bezahlt bekommt…

    Es gibt allerdings einen Orthopäden und weitere Kandidaten, wenn Du denen Deinen schweizerischen Arztausweis schicken würdest…. – Bitte!

    Antwort

  2. Posted by specialagentgibbs on 24. Juni 2009 at 12:55 pm

    Zur Zeit wird ja recht viel gestreikt. Die Bauern streiken für mehr Geld, die Mitarbeiter einer Warenhauskette eines großen Konzerns für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, die Erzieherinnen für bessere Arbeitsbedingungen. Über all das hört man tagtäglich in den Medien. Meinungen der einen, Meinungen der anderen Seite werden eingeholt, und es wird fieberhaft nach Lösungen gesucht.
    Bei alle dem habe ich nichts von dem Ärzteprotest in Bayern mitbekommen. Und warum? Weil es die Medien anscheinend schlichtweg nicht interessiert, da Ärzte ja auf „hohem“ Niveau streiken, die anderen hier genannten Protestler dagegen arme Leute sind…

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 24. Juni 2009 at 3:46 pm

      Das stimmt schon. Den Ärzten ist es leider bisher nicht genug gelungen, darzustellen, dass es nur vordergründig um deren Gehalt geht. Es geht um die gezielte Vernichtung der wohnortnahen Versorung durch selbständige Fachärzte. Es stehen miliardenschwere, z.T. ausländische Investoren bereit, die den Markt a là Aldisierung übernehmen wollen. Dann ist der Arzt, der den „Kunden“ Mensch versorgt für die Manager das Gleiche, wie für den Opelkonzern der Fließbandarbeiter, der das Auto zusammenbaut. Die Gewinne sollen ganz oben abgesahnt werden und die, die den Job machen, sollen möglichst billig sein. Dabei geht es Leuten wie Ulla Schmidt, Lauterbach und Co. überhaupt nicht um den Patienten und die Verbesserung der Patientenversorgung.
      Deshalb protestieren die Ärzte und deshalb sollten sich Patienten und Ärzte verbünden. Aber leider sind viele der „öffentlich-rechtlichen“ Medien offensichtlich so im Griff der Machthaber dieses Landes, dass immer wieder Videos von Ärzten im Porsche etc… gezeigt werden. Bevor ich mich zwangsweise mit diesem Thema auseinandersetzen musste, hätte ich nie gedacht, dass wir in diesem Land so eine Gleichschaltung der Medien haben (angefangen von Anne Will bis zur Süddeutschen). Sie bringen bei der SZ so gut wie nie einen kritischen Leserbrief unter. Das ist Zensur pur.

      Antwort

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