Gleichschaltung der Medien – oder jetzt schlagen Sie wieder los


Nach 7 Tagen und Nächten und insgesamt 162 Stunden im Dienst nun endlich Wochenende. Sollte nun eigentlich euphorisch sein, denn ein freies Wochenende steht nach 12 Arbeitstagen am Stück an. Aber leider hat mich heut früh ein Hexenschuss gepackt. Ja, sowas erwischt auch Ärzte. In der Praxis gings noch, aber jetzt ist es heftig und strahlt leider auch ins Bein.

Als Selbständiger ist das doppelt blöd, denn Krankmachen ist der Ruin.

Was aber zusätzlich frustet ist, dass die Süddeutsche wieder ihren Ärztehasser auf uns losgeschickt hat.
(http://www.sueddeutsche.de/wissen/780/473297/text/)
Werner Bartens (der als Arzt eingesehen hat, dass er für das nicht taugt) hat sich ja selbst im reisserischen yellow-press-Stil seines „Ärztehasserbuches“ verewigt und schiebt in Pseudowissenschaftlichen Artikeln der SZ (wahrscheinlich auch auf Druck der SPD-freundlichen Redaktion) immer wieder zur rechten Zeit einen nach, um ja das Klische vom geldgeilen Arzt (also Dr. Geldgier) am Köcheln zu halten.

Es heisst dort:

 „…die Arztpraxis verkommt zum Verkaufsstand. Immer mehr gesetzlich Krankenversicherte bekommen IGeL angeboten. Mehr als die Hälfte der Menschen hat bereits Erfahrung mit den meist unnötigen und medizinisch fragwürdigen Leistungen, die von Patienten selbst bezahlt werden müssen…“ und
„…Mehr als 40 Prozent derjenigen, die darüber klagten, wurde die verwehrte Leistung später als IGeL angeboten.“

Da sind sie wieder, die bösen, skrupellosen Abzocker im weißen Kittel!!! Nehmt bitte kein Geld zum Arzt mit – vielleicht haben Sie auch noch ne Taschendieb-Ausbildung gemacht!

Mit keinem Wort wird zumindest in der online-Version des Artikels (http://www.sueddeutsche.de/wissen/780/473297/text/) erwähnt, dass es tatsächlich so ist, dass die Kassen gerade in der Vorsorge sinnvolle Untersuchungen zur Prävention nicht bezahlen. Denn nach dem geltenden Recht (Sozialgesetzbuch V) hat die Behandlung „wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig zu sein“ was bei Ärzten kurz als „WANZ“-Medizin bezeichnet wird. AUSREICHEND ist in der Schule Note 4 und nicht mehr.

Wenn ein Arzt aber seinen Patienten GUT oder gar SEHR GUT behandeln will, dann muss er es entweder kostenlos tun (was ihn langfristig finanziell ruinieren wird) oder aber dem Patienten offen erklären, dass nur noch eben ausreichend und notwendig bezahlt wird und nicht gut.

Nach soviel Theorie das konkrete Beispiel:
Ein Patient (61J.)  kommt mit anfallsartigem Schwindel und Gangunsicherheit in die Praxis und beklagt dabei auch noch Kopfschmerzen (dahinter können Krankheiten wie Vorboten eines Schlaganfalls, Epilepsie, Störung des Gleichgewichtsorgans,…stecken) 
Medizinisch sinnvolle wären folgende diagnostische Schritte:
1. Befragung und körperl. neurologische Untersuchung   31,33€
2. Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße am Hals 46,74€
3. Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße im Kopf 24,86€
4. EEG („Gehirnstrommessung“) 24.86€
SUMME der Leistungen bei 1. Untersuchung:  127,89 €
Das klingt ja ganz vernünftig (aber ist auch nicht übermäßig viel, wenn man bedenkt, dass die dafür benötigten Geräte ca. 50 000 € kosten und abbezahlt werden müssen).

Jetzt kommt aber der dicke Pferdefuß: ein Neurologe in Bayern bekommt für die Betreuuung eines Patienten für komplette 3 Monaten eine Durchschnittspauschale von knapp 44 €. D.h. von den kanpp 128 € bekommt er 84 Euro nicht bezahlt, oder anders ausgedrückt. Er müsste dann 2 andere Patienten im selben Quartal kostenlos behandeln.
Und es kommt noch dicker: wenn der oben genannte Patient dann noch einmal kommt, um beispielsweise den Befund des Kernspintomogramms und eine Therapie zu besprechen, dann bekommt der Arzt dafür genau noch 0,00€, ebenso für jeden weiteren Besuch, wenn der Patient beispielsweise die verordneten Medikamente nicht so verträgt, oder noch eine Frage zur Reha etc. hat. 
Ist Ihnen aufgefallen, dass nicht einmal der Ultraschall der Halsgefässe (46,74€) kostendeckend in der 44€-Flatrate enthalten ist?  

Gehen Sie mal zum Schuhbeck ins Restaurant, bei dem es sicher kein Essen unter 15€ gibt und sagen Sie: ich hab ne 3-Monateflatrate! Ich zahle ihnen 12 € und dafür esse ich heute ein 5-Gänge-Menü und wenn ich nächste Woche auch noch mal Bock habe, dann komme ich wieder, aber dann natürlich auf Kosten des Hauses, ich hab doch noch flatrate, gell!!!!
Sie können sich denken, wie das ausgeht….

Für den Arzt gibt es nun aber nur 3 Möglichkeiten:
1) Der Arzt behandelt trotzdem gründlich und leitliniengerecht und runiert sich dabei wirtschaftlich und gesundheitlich, da es keinem mehr Spaß macht in diesem System so verarscht zu werden.
2) Der Arzt macht nur noch WANZ-Medizin und versucht keine Leistnung mehr über die „flatrate“ zu erbringen, bietem dem Pat. jedoch an, dass er – falls er eine gründliche Untersuchung wünscht – diese auch privatärztlich verlangen kann – das führt dann wieder zur großen Empörung der Scheinheiligen wie Bartens und Co.
3) Der Arzt weist den Patienten ins Krankenhaus ein, da er die Untersuchungen für nicht nur sinnvoll, sondern auch dringend notwendig hält. Die Folge: die Patienten würden sich auf den Klinikgängen stapeln, da es zu einer Einweisungsschwemme kommen würde. Billiger wird es damit nicht.

Ich würde ja gerne Herrn Bartens mal persönlich fragen, was man da denn machen soll? Aber die SZ antwortete grundsätzlich nicht auf meine letzten Leserbriefe und eine seriöse, die oben genannten komplizierten Sachverhalte darstellende Berichterstattung ist offensichtlich auch gar nicht erwünscht.

Hautpsache das Bild der geldgeilen Abzocker wird am Leben erhalten, damit die Patienten ja nicht auf die Idee kommen, dass sie es sind, die von der Politik abgezockt werden mit horrenden Kassenbeiträgen, für die sie nichts mehr erhalten.

Abschließend möchte ich nicht abstreiten, dass es auch in unseren Reihen „schwarze Schafe“ gibt – wie in jedem Berufsstand – aber die Mehrzahl von uns, die mittlerweile solche Selbstzahlerleistungen anbieten, tut diese aus betriebswirtschlaftlicher Notwendigkeit.

Wer es nicht macht, muss hinschmeissen und in ein Land gehen, wo das angeblich höchste Gut „Gesundheit“ auch noch wirklich was wert ist.

Sorry für das lange Posting, aber manchmal muss man etwas ausführlicher Einsteigen, damit auch der Laie versteht wie Patienten und Ärzte derzeit von Politikern und Kassen für dumm verkauft werden.

P.S.: eine gewisse Obergrenze der Quartalvergütung pro Patient gab es auch in den vergangen Jahren, nur lag die beispielsweise bei mir 2007 bei durchschnittlich 64€, 2008 bei ca. 60€, im ersten Quartal 2009  bei 54€ und nun im aktuellen Quartal bei 44€. Verstehen Sie jetzt ein bisserl den Frust und Aufschrei der Ärzte. Sie können mit diesem Umsatzrückgang von 30% nicht mehr tatenlos zusehen!

Liebe Patientinnen und Patienten! Wehren Sie sich gegen diese Verarschung, unterstützen Sie Patientenvertreterorganisationen wie:

 – die deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) (http://www.dgvp.de/)

– die Organisation um Frau Renate Hartwig  (http://www.patient-informiert-sich.de/)

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One response to this post.

  1. Posted by Special Agent Gibbs on 29. Juni 2009 at 12:11 pm

    Da fällt mir nur ein Wort ein: Unfassbar!

    Antwort

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