Stunde der Abrechnung – Dr. Geldgier in seinem Element!


Neues Quartal. Endlich wieder das Gefühl, dass das was man arbeitet auch „etwas“ wert ist, wenn auch nicht viel.

Aber gleichzeitig die Last der Abrechnung. Wir Ärzte müssen ja innerhalb von 10 Tagen die Abrechnung für die Kassenpatienten bei der KV (Kassenärztlichen Vereinigung) einreichen.
Das heisst jedes Mal einige Abende (oder eine Nacht durch) nochmal sämtliche Patientenakten durchsehen und daraufhin prüfen, ob alle Untersuchungen, die erbracht wurden, auch wirklich dokumentiert sind, nix zuviel „geziffert“ ist etc… Bisher war das auch sinnvoll, denn 10 vergessene Ultraschalluntersuchungen machten dann schnell mal um die 500€ aus.
Im Eifer des Alltagsgefechts geht da schon gern mal was unter.

Aber seit 01.01.09 ist das ziemlich sinnlos. Wir habe ja unser „RLV“ (also Regelleistungsvolumen), quasi die all-inclusive-flatrate fürs Quartal. Ich habe es mir gerade angesehen: schon jetzt bin ich 528 402 Punkte über dem RLV. Das heißt konkret: bei einem Punktwert von 3,5Cent wären das 18494€ Einkommen, wenn man nach unserer neuen Euro-Gebührenordnung rechnet, die Ulla Schmidt so angepriesen hat!

Aber da ich böser Kassenarzt diese 528 402 Punke gar nicht hätte erbringen dürfen, das ist nämlich übermäßige Ausdehnung meiner Tätigkeit (ich würde es Gründlichkeit nennen), bekomme ich ca. 90% Abschlag, d.h. anstatt ca. 18 500 €, wahrscheinlich nunr 1850€. Definitiv wissen werde ich dies allerdings erst Ende November, wenn die Abrechnung vorliegt (soviel zur Planungssicherheit).

Umgerechnet habe ich also ca. 270 Patienten für 4,36€ pro Patient behandelt. Also sämtliche Patienten die ich im Juni behandelt habe !!! (für die anderen bekam ich 43,60€ pro Patient)
Glaubt Ihr wirklich, dafür kann man auf Dauer Qualität bieten?

Ich geh‘ jetzt mal Joggen und werde mir überlegen, ob ich diesen Blog noch weiterschreibe. Wenn ich mir nämlich bei der Vorbereitung für meine Artikel die Fakten so deutlich vor Augen führe, dann wird der Frust nur noch schlimmer.

Schlimmer als dieser Witzlohn, den man von der Kasse erhält ist aber die Tatsache, dass sich dies hunderttausende von Ärzten und vor allem Patienten immer noch relativ stillschweigend und tatenlos bieten lassen. Und wenn sich mal eine Gruppe von Ärzten zusammenschließt und durch Protestaktionen auf die Misere aufmerksam macht, dann heisst es gleich wieder:

„Dr. Nimmersatt nimmt die Patienten in Geiselhaft“

Advertisements

8 responses to this post.

  1. Posted by specialagentgibbs on 1. Juli 2009 at 10:28 pm

    Nein, Sie dürfen nicht aufhören zu bloggen 😦 . Wer soll denn dann auf die Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam machen?

    Antwort

  2. Interessantes Blog… auch wenn es manchmal sehr verwirrend klingt. Da bin ich froh, dass ich als Krankenhausarzt mit der ganzen Krankenkassenbürokratie doch eher wenig zu tun habe..
    Nein halt uns unbedingt weiter auf dem Laufenden und lass Dich nicht unterkriegen!

    Antwort

  3. […] Der Herr Dr. Geldgier ist niedergelassener Neurologe und schreibt über seinen alltäglichen Kampf mit der deutschen Gesundheitsbürokratie. Manchmal klingt das alles nicht nur sehr verwirrend, sondern auch sehr frustriert. […]

    Antwort

  4. Hallo,

    ich finde auch das Sie nicht aufhören sollten. Schreiben Sie weiter… 🙂

    Antwort

  5. Hallo lieber DrGeldgier, bitte nicht aufhören zu bloggen! Endlich gibt es mal eine Stimme, die was anderes schreibt als die ganzen Mainstream-Medien – ich möchte noch mehr von Ihnen lesen!!!

    Antwort

  6. Posted by alivenkickn on 3. Juli 2009 at 5:41 pm

    Klingt jetzt hart aber so is nun mal so. Solange weiterhin der unmündige Patient wie ein Lamm zur Schlachtbank trottelt wird sich nichts ändern.

    Fakt ist auch das es viele Ärzte gibt die keinen Dingens in der Hose haben und in vorauseilendem Gehorsam sich alles gefallen lassen was unsere äh Frau Ministerin aus Aachen da vor sich hin brabbelt.

    Zivilcourage ist eben nicht en vogue. Und solange es im übertragenen Ärzten und Patienten nicht weh tut wird sich nichts ändern.

    Antwort

  7. Posted by florencenightingale on 3. Juli 2009 at 9:48 pm

    Ich möchte mit dabei sein, wenn wir uns wehren. Als Patientin habe ich sehr oft angeregt, sich gemeinsam aufzustellen. Wann fangen wir an!!! Und als betroffene pflegende Angehörige, die in Pflegestufe 3 gesetzlich gefordert 24 Stunden am Tag bereit und heftig gefordert sein muss, erhalte ich insges. 670 Euro für diese Leistung. Ich kann meinen Beruf nicht ausüben, kann also dieses Einkommen nicht vergrößern. Und die „Harzt4-Annehmlichkeiten“ gibt es nicht dabei.
    Ca. 20 Euro am Tag für mind. 18 Stunden Wache, Pflege, Betreuung, Seelenpein, emotionelles Verenden. EIn Stundenlohn von??? etwas über einem Euro für diese Verantwortung und Last. Ärzten muss es ähnlich gehen mit Ihrem Wissen und Einsatz, den sie in die ärztliche Kunst legen. EIn Staat, der diese wichtigsten Aufgaben nicht nur im Image runterprügelt sondern auch in der finanziellen Belohnung, gehört beendet zu werden!

    Antwort

  8. […] Was ist ärztliche Geldgier, las ich im Gesundheitsminister blog, den es ja eigentlich nicht gibt, spätestens seitdem Ulla Schmidt Dienstwagen hick-hack. […]

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: