Alternativen II – Multiple Sklerose – das gefundene Fressen der Strohhalmmediziner


Frau H.* wird im Rollstuhl von ihrem fürsorglichen Ehemann in mein Sprechzimmer geschoben. Sie ist eine meiner vielen MS-Patientinnen und ich betreue sie noch nicht so lange. Sie hat es schwer erwischt, sitzt durch die Lähmungen seit Jahren im Rollstuhl, kann kaum noch sprechen, hat oft Schmerzen. In der Akte sehe ich schnell, dass sie seit fast neun Monaten nicht mehr da war.

 „Frau H., sie waren aber lange nicht mehr hier“
– betretenes Schweigen –
 „Es scheint ja dann einigermaßen gut gegangen zu sein, in den letzten Monaten…“ versuche ich das Schweigen zu brechen

 „Wissen Sie Herr Doktor“ … hilft dann der rührige Ehemann wir haben es doch versucht mit der Akupunktur. Wir waren beim Doktor B.* und der hat uns beim ersten Gespräch versprochen, dass meine Frau Ende Juni wieder gehen kann und da haben wir dann die Akupunktursitzungen gemacht, wo er doch so ein Spezialist ist“.

 – Doktor B., kenne ich gut. Er hat mit mir dieselbe Akupunkturausbildung gemacht und sich als „Privatarzt“ niedergelassen. Frau H. hatte mich, nachdem ich auch seit Jahren Akupunktur in meiner Praxis anbiete gefragt, ob die Aussicht bestünde, dass sie wieder gehen könne durch die Behandlung. Ich hatte ehrlicherweise geantwortet, dass mit der Akupunktur oft Schmerzen gelindert und vielleicht auch die Spastik verbessert werden könne, das mit dem Gehen sei aber unrealistisch. –

 „So, so, da kann ich verstehen, dass man sich da Hoffnungen macht.“ pflichte ich bei und versuche die Verlegenheit zu zerstreuen.
„ Und hat es was gebracht für Sie?“

 „Leider nein Herr Doktor, deshalb sind wir ja wieder da. Gar nichts hat’s gebracht, aber der Herr Doktor B. hat immer gesagt, es sei ja eine sanfte Behandlung und deshalb brauche das Zeit und Geduld… und am Ende hat es dann fast 6500 € gekostet.“

 Ich merke wie sich die Wut in meinem Bauch wie eine Faust zusammenballt. Da sitzt eine seit 15 Jahren frühberentete, schwerkranke Frau vor mir, die all ihre Hoffnungen in die leeren und offensichtlich unseriösen Versprechungen eines „Kollegen“ setzte. Und leider ist dies kein Einzelfall, sondern – wenn auch nicht mit diesen horrenden Summen – die Regel.

 Gerade Patienten mit multipler Sklerose sind ein gefundenes Fressen für die „Kollegen“ von der „Ganzheitsmedizin“.
Warum? Weil die Krankheit auch die Krankheit der tausend Gesichter und Verläufe genannt wird. Es gibt Patienten, die haben erst Mal drei Schübe und dann jahrelang – egal ob sie behandelt werden oder nicht – keinen mehr. Und das ist oft so.

Genau da setzen die Wunderheiler an: egal ob es die Amalgamentgifter, die Halswirbelsäuleneinrenker, die Handaufleger oder die Damrpilzentferner sind. Wenn sie mit der Behandlung beginnen und ein Patient bleibt monate- oder gar jahrelang schubfrei, brüsten sie sich mit ihrem Behandlungserfolg. Wenn dann doch mal ein Schub kommt, hat man schnell die Ausrede parat, dass alternative Medizin ja was Sanftes sei und nicht komplett heilen könne.

Die Patienten, die in ihrer Not jeden Strohhalm, der Rettung verspricht, ergreifen, zeigen sich schwer beeindruckt. Dabei wäre es wohl meist der Spontanverlauf ihrer Krankheit.

Es ist bei der MS nämlich schier unmöglich zu beweisen oder zu widerlegen, ob im Einzelfall diese Methode hilft oder nicht hilft.

Für den Wirksamkeitsnachweis der heute auf dem Markt befindlichen MS-Medikamente benötigte es deshalb extrem aufwändige Studien mit vielen Patienten und langjährigen Beobachtungszeiträumen, da eben die Verläufe so unvorhersehbar und verschieden sind.

 Und genau das nutzen viele dieser „Ganzheitsmediziner“ gnadenlos aus. Bei vielen anderen Krankheiten, vor allem bei Krebspatienten, ist es ganz ähnlich.

 Ich will damit nicht alternative Heilmethoden grundsätzlich verteufeln, aber leider tummeln sich in diesem Gebiet mehr geschäftstüchtige Verkäufer, die besser einen anderen Beruf erwählt hätten, als einen Medizinischen.

 Ich selbst habe für mich den eigentlich selbstverständlichen Weg gewählt, Akupunktur nur dann zu raten, wenn ich es wirklich für aussichtsreich halte. Deshalb wollte ich mich auch nie als Privatarzt davon abhängig machen, quasi jedem Patienten vorzugaukeln, diese Methode sei das Allheilmittel.

 Aber wie so oft im Leben, ist der Ehrliche der Dumme. Denn Frau H. darf ich jetzt ca. 30 Jahre behandeln, um diese 6500 € zu verdienen, die „Dr. Wundersam“ in gut 6 Monaten abgezockt hat….

 Das ist Zweiklassenmedizin von der übelsten Sorte und ich verstehe nicht, warum die Medien hier so still halten. Im Gegenteil: die aktuelle Gesundheitspolitik fördert dies noch, aber davon ein andermal mehr…

*Name von der Redaktion geändert

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21 responses to this post.

  1. Posted by gr3if on 18. Juli 2009 at 8:09 pm

    Pfui Spinne… Sowas ist wirklich für den Popo. Aber bitte ist das Gezenker in Richtung Gesundheitspolitik nicht manchmal ein bisschen viel? Ich meine Akkunpunktur und Leute die darauf hereinfallen gibt es doch öfters… Wie soll ich sagen: Ich finde die Gesundheitspolitik unter aller Sau und wenn ich von verschwendeten Milliarden höre für die Einführung der Gesundheitskarte, dann platze ich fast. Aber manchmal ist es vllt. etwas too much?

    Oder ist es im wirklichen Leben so schlimm, dass es das beherschende Thema ist?

    Lg

    Antwort

  2. Posted by drgeldgier on 18. Juli 2009 at 9:48 pm

    Hallo,
    leider ist es für mich und meine Familie spätestens seit Anfang Dezember 08 wirklich das beherrschende Thema, da die Situation ohne Übertreibung existenzbedrohend ist. Ich habe inzwischen leider gezwungenermaßen auch schon Personal entlassen – was nicht wirklich Spaß macht. Noch nie war ich so unmittelbar von politischen Entscheidungen und Veränderungen betroffen wie durch diese Gesundheits-„Reform“.
    Sorry, dass ich mit meinem Kram vielleicht dem ein oder anderen auf die Nerven gehe, aber irgendwie hat dieser Blog letztlich auch Ventilfunktion für mich und meinen Frust.
    Man muss ihn ja auch nicht lesen.

    Antwort

  3. Ich bin fassungslos, wenn ich diese Akupunkturgeschichte lese. Das ist doch jenseits jeder medizinischen Ethik.

    Antwort

  4. in der kurzform wird sowas als betrug bezeichnet.

    leider führen derartige erlebnisse dazu, dass dann alternative behandlungen generell abgelehnt werden, was wiederum auch sehr sch…ade ist.

    anständigerweise – aber von anständigem verhalten kann man wohl nicht so gut leben – sollte wohl eine zusammenarbeit unter den ärzten angestrebt werden. das wäre optimal für die patienten, und alle behandelnden ärzte könnten verdienen, und keiner würde über den tisch gezogen.

    so etwas gibt es sogar live: mein hausarzt schlägt durchaus vor (in manchen fällen), ob man es denn nicht mit z.b. akupunktur, osteopath etc. versuchen wolle, und nennt auch verschiedene ärzte die das anbieten, immer mit blick auf diagnose und die entsprechende möglichkeit, einen teil der behandlungskosten dann auch (noch) von der krankenkasse refundiert zu bekommen. allerdings will er immer genau wissen wie das mit der behandlung so anschlägt, und spricht auch mit den anderen ärzten, um ggfls. eine anpassung der medikationen vornehmen zu können – die patienten sind einverstanden (müssen nicht selber denken, hat ja auch was), und der erfolg spricht für sich.

    so geht das nämlich auch. aber eben nur sehr, sehr selten.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 19. Juli 2009 at 7:06 am

      Gratuliere Ihnen zu Ihrem Hausarzt – so soll es nämlich sein.
      Aber er fährt bestimmt keinen Porsche und hat ein Haus am See, dafür kann er sich abends noch ruhigen Gewissens im Spiegel ansehen.
      Es ist leider so, dass die wenigen schwarzen Schafe den Ruf aller zerstören. Das perfide hier ist, dass in der allgemeinen Meinung der Bevölkerung die alternativen Mediziner ein höheres ansehen genießen und „Schulmedizin“ und „Kassenarzt“ schon fast Schimpfwörter sind.

      Antwort

      • mein hausarzt fährt einen alten volvo, und nächtens und am wochenende gerne mit dem notarztwagen mit. ausserdem fehlt ihm ein fuss (nach einem unfall). wohnen tut er in einer zwei-zimmer-wohnung in der stadt. urlaub macht er selten und immer nur maximal zwei wochen, weil, er muss an seine patienten denken.

        im übrigen ist er ein grober klotz, der den patienten schon einmal unverblümt seine meinung sagt. merkwürdigerweise – obwohl in einer grossstadt wie wien die auswahl ja eher gross ist – hat er ein stammklientel das ihm seit jahrzehnten die treue hält und sich schon jetzt davor fürchtet, dass er in ein paar jahren in die wohlverdiente pension gehen wird.

        zitate wären zum beispiel: „pulverl für/gegen … gibt’s erst, wenn wir genau wissen wo … her kommt. zuerst will ich einen labor/röntgen/…befund sehen.“ – unvergessen und typisch, in das überfüllte wartezimmer gerufen: „ich bin ein doktor für die kranken. die gesunden krankenstandschinder können gleich nach hause gehen!“

        danke für die gratulation – wir wissen ihn zu schätzen.

        Antwort

  5. Posted by Benedicta on 19. Juli 2009 at 12:47 am

    „Ich will damit nicht alternative Heilmethoden grundsätzlich verteufeln, aber leider tummeln sich in diesem Gebiet mehr geschäftstüchtige Verkäufer, die besser einen anderen Beruf erwählt hätten, als einen Medizinischen.“
    Genau.
    Und diese Scharlatane sorgen dann auch dafür, dass bei vielen Schulmedizinern sämtliche Naturheilverfahren in Verruf kommen.

    Ich wundere mich schon lang, wieso es so schwer zu sein scheint, Schulmedizin, Naturheilverfahren und Homöopathie zu verschränken – wenn aber Stories wie diese an der Tagesordnung sind, erklärt das so einiges.

    Übrigens: genau die Sorte Scharlatane ist es auch, die die Politik mit den ganzen Reformen im Visier hat. Und – wie so oft – trifft es dann genau die falschen.

    Antwort

  6. Posted by Solo on 19. Juli 2009 at 8:29 pm

    Wobei nun gerade die Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinaus erhaben ist.

    Antwort

  7. @Benedicta:
    Wie sollte man offensichtlichen Blödsinn, wie die Homöopathie, denn mit der wissenschaftlichen Medizin verschränken?

    Die normale Medizin ist Naturheilkunde. Die hält sich nämlich an die Naturgesetze. Die glaubensbasierten Methoden sind beliebig gegeneinander austauschbar.
    Alternativmedizinische Methoden haben eines gemeinsam- fehlende Wirksamkeit jenseits des Plazeboeffektes. Man kann eventuell nach dem Grad der Absurdität oder nach der Gefährlichkeit gewichten, aber sinnlos sind sie samt und sonders. Wenn etwas aus der Volksmedizin funktioniert, wird es einfach in die Medizin übernommen und ist nicht mehr alternativ. Die schmerzlindernde Wirkung des Schlafmohnsaftes ist ja nicht gerade erst seit gestern bekannt. Und Morphin ist ein moderner und wirkungsvoller Wirkstoff. Funktionierende Phytopharmaka sind auch keine Alternativmedizin.
    Hier gibt es eine ziemlich umfangreiche Liste von Quackverfahren:
    http://esowatch.com/index.php?title=Kategorie:Pseudomedizin

    Wenn ein Arzt versuchen würde, mir so etwas aufzuschwatzen, hat er ziemlich schnell einen Patienten weniger.

    Ein prima Tipp ist immer diese Liste:

    ZEHN INDIZIEN FÜR QUACKSALBEREI

    Verdacht auf Scharlatanerie bzw. Quacksalberei* wird umso wahrscheinlicher, je mehr der folgenden Beschreibungen zutreffen. Die Methode bzw. ein Produkt
    wird durch Hinweis auf exotische Herkunft (Regenwald, Himalaya u.a.) interessant gemacht,
    soll Heilung bringen, wenn Schulmedizin in auswegloser Situation versagt,
    soll durch umfangreiche Erfahrungen „untermauert“ sein, ohne dass nachvollziehbare Daten aus kontrollierten klinischen Studien zugänglich gemacht werden,
    soll gegen eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen, die nichts miteinander zu tun haben, universell wirksam sein,
    soll regelmäßig zum Erfolg führen, wobei Misserfolge der Schulmedizin angelastet werden,
    ist an einzelne Personen beziehungsweise Institutionen gebunden, die die Therapie entwickelt haben und daran verdienen (extrem hohe Preise),
    soll keine Nebenwirkungen haben oder die Nebenwirkung von Verfahren der Schulmedizin reduzieren oder aufheben,
    ist kompliziert (strenge Diätvorschriften, komplizierte Anwendungsrichtlinien u.a.), sodass Misserfolge auf Anwendungsfehler zurückgeführt werden,
    soll schon seit Jahren/Jahrzehnten verwendet werden, ohne offiziell anerkannt zu sein,
    ist den Behauptungen zufolge so gut, dass unverständlich bleibt, warum keine Zulassung als Arzneimittel existiert.

    http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0310_b.php3

    Ob die allerdings etwas nützt, wenn ein richtiger Arzt mit Kittel und Stetoskop in seiner Praxis den Schrott anbietet, sei dahingestellt.

    @ Dr. Geldgier:
    Ein schöner Blog. Strohalmverkäufer, die unheilbar Kranke abzocken, mag ich auch nicht (höflich ausgedrückt).

    Antwort

  8. Posted by drgeldgier on 22. Juli 2009 at 1:33 pm

    Es ist nicht ganz so extrem und schwarz-weiß, wie Cohen beschreibt, aber vieles ist wahr.
    Es gibt „alternative“ oder „komplementäre“ Verfahren, deren Wirksamkeit zwar belegt ist, die aber dennoch nicht von den Krankenkassen erstattet werden.
    Beispiel:

    Biofeedbacktherapie zur Behandlung der Migräne und sonstiger Schmerzerkrankungen

    Wenn ein Patient nicht bereit ist diese im Rahmen einer Psychotherapei durchzuführen, bleibt er auf seinen Kosten sitzen, obwohl die Wirksamkeit wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist.

    Andererseits werden und wurden in der „Schulmedizin“ oft jahrelang Behandlungsmethoden durchgeführt, obwohl deren Wirksamkeit auch nicht definitiv belegt ist.
    Beispiel: vor ca. 15 J. wurde bei vielen Schlaganfallpatienten im Frühstadium eine „Blutverdünnung“ mit Heparin über die Vene durchgeführt. Das galt geradezu als „Standard“. Heute wird dies nur noch in ganz seltenen, speziellen Fällen getan, weil viele Patienten mehr Schaden (v.a. Gehirnblutungen), als Nutzen davon hatten.

    Bei anderen Krankheiten ist der Nutzen von gewissen Therapien überhaupt nicht wissenschaftlich nachzuweisen, weil die Krankheiten so selten sind, dass größere, aussagekräftige Studien letztlich nicht möglich sind. In der Neurologie gibt es sehr viele solcher Krankheiten, die man letztlich dann auch „empirisch“ behandelt. Für viele Tremorformen („Zittern“) gilt dies.

    Die „Alternativen Heiler“ haben vor allem deshalb soviel Zulauf und z.T. auch Erfolge, weil sie sich dem Patienten noch widmen, zuwenden und oft auch „Hand anlegen“. Viele Schulmedizinier berühren den Patienten doch überhaupt nicht mehr. Es ist aber mittlerweile auch Gegenstand der Forschung, dass intensive Zuwendung in der Medizin wesentlich zum Behandlungserfolg mit beiträgt. Das sollten auch die „Schulmedizin“ wieder mehr nutzen. Leider geht es oft nicht, weil im Hamsterrad Zeitdruck bei Billigflatrate Zeit und Zuwendung nicht bezahlt werden.

    Womit wir wieder beim Thema wären: was ist Gesundheit noch wert?

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 22. Juli 2009 at 5:27 pm

      Ich glaub, du triffst den Nagel da genau auf den Kopf.
      Mein Verdacht ist nämlich, dass der Erfolg der Homöopathie hauptsächlich über die psychologische Schiene läuft – sprich, Hinwendung, Suggestion, blabla. Das ist natürlich nicht „medizinisch“ im naturwissenschaftlichen Sinne – aber es funktioniert (übrigens auch in der Schulmedizin, man gucke sich hier die Placebos an)!

      Ich frage mich, ob das eigentlich irgendjemand mal systematisch untersucht hat. Mir bekannt sind nur Studien (aus der Psycho-Ecke und wohl auch schon älter), in denen die Wirkung von Valium und Koffein vertauscht wurde, ich meine aber auch schon von Studien gehört zu haben (Konjunktiv^2), wo die Überzeugung des Arztes einen definitiven Einfluss auf die Heilungschancen hatte.

      Nebenbei bemerkt: Die Physik konnte die Existenz der „feinstofflichen Schwingungen“, die die Homöopathie für sich in Anspruch nimmt, noch nicht widerlegen. Die Quarks- und Quanten-Forschung steckt ja eher noch in den Kinderschuhen. Und die Genetik entdeckt gerade erst DNA-Modifikatoren (hab das Fachwort vergessen) und kippt damit den ganzen Krempel von „genetischer Veranlagung“ um. Von daher – vielleicht findet man in 100 Jahren heraus, dass (und wie) Homöopathie doch wirkt?

      Antwort

  9. Ich weiß nicht, was Neurofeedback ist und wie es von den Kassen bezahlt wird.

    Das Heparinbeispiel zeigt doch wunderbar, wie wichtig Studien sind und wie sich die Medizin weiterentwickelt.
    Die alte und falsche Logik meinte anscheinend: ein Schlaganfall ist meistens ein Thrombus, Heparin hilft gegen Thrombenneubildung, deswegen kriegt jeder Schlaganfallpatient Heparin.
    Es ist doch gut, dass da genauer hingeschaut wurde und der heutige Standard besser ist.

    Ich habe bloß keinen Bock drauf, mit irgendwelchem Voodoo betrogen zu werden und da gibt es unzählige Spielarten, die ziemlich hoffähig geworden sind.
    Natürlich darf ein Arzt auch Plazebo- und Konditionierungseffekt nutzen. Ich habe nichts gegen Gummibärchen beim Kinderarzt und Empathie im Umgang mit Kranken.

    Wahrscheinlich sollte man sich seine Ärzte nach der Größe des Autos raussuchen. Die mit den Klapperkisten sind die besseren. :-\

    Antwort

  10. Posted by drgeldgier on 22. Juli 2009 at 7:33 pm

    Dein letzter Satz bringt es vielleicht wirklich auf den Punkt – etwas satirisch überspitzt, aber durchaus praktikabel.
    Leider ist es aber oft genau umgekehrt:
    Die Leute denken sich oft: „Schau mal, der muss toll behandeln, dass er sich solch einen Schlitten leisten kann.“
    Geld mach sexy!

    Wir Ärzte haben in der Bevölkerung immer noch ein relativ hohes Ansehen und zwar nicht, weil wir so tolle, wichtige Sachen machen – das machen Krankenschwestern, Rettungssanitäter, … auch, sondern weil alle der Überzeugung sind, wir verdienen noch ein „Schweinegeld“.

    Antwort


  11. („Alternative Notaufnahme“)

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 23. Juli 2009 at 2:57 pm

      Alles in Maßen, und unter Anwendung des gesunden Menschenverstandes.
      Selbstverständlich ist das hier gezeigte Beispiel Blödsinn. Und das gilt genauso für „NUR-Homöopathiker“ die jedwede Schulmedizin ablehnen (inklusive Zahnmedizin).
      Es spricht aber nichts dagegen, sich die psychologischen Aspekte der Homöopathie in der Schulmedizin auch dienstbar zu machen.

      Antwort

  12. Hier ist der Grundkurs „Verdünnen“ für Leute mit funktionierendem Menschenverstand:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Verd%C3%BCnnung

    Viel mehr muss man über die Homöopathie nicht wissen.

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 23. Juli 2009 at 10:09 pm

      Wie ich oben schon schrieb – es ist physikalisch bisher *nicht* widerlegt, dass sich Schwingungsmuster auch auf subatomarer Ebene übertragen.

      Und die psychologischen Aspekte gibts bei schulmedizinischen Placebos ja auch, die sind nämlich Wirkstoff-unabhängig. Ein Mensch ist kein Auto, an dem man solang rumschraubt bis es wieder läuft. ein Mensch hat Gefühle, Gedanken, Glauben – und das alles wechselwirkt mit der reinen Physis, und selbst die ist ja noch nicht komplett entschlüsselt. Letztlich ist das System Mensch viel zu komplex, als dass man es vollständig überblicken könnte.

      Antwort

  13. 1. Dass die Gesetze der Chemie (z.B.Loschmid’sch Konstante) nix mit Homöopathie zu tun haben ist klar. Aber auch schon vor der Entdeckung der Elektrizität gab es Blitze! Wenn hier also – faszinierenderweise bei Tieren, Kindern und bei Menschen mit niedrigem IQ besser wirksam als bei höher intelligenten Menschen – eine Wirkung beobachtet werden kann, dann ist das so. Alles andere wäre nämlich die selbe „wissenschaftliche“ Überheblichkeit die uns bis ins 18.Jahrhundert den Fortschritt so erschwert hat.

    2. Akupunktur versuche ich meinen Patienten folgendermaßen zu erklären (@ benedicta möge mir verzeihen) : was wäre, wenn ein Computer keine Tastatur und Maus hätte und man stattdessen mit einem batteriebetriebenen Metallstift auf dem Motherboard herumstochern würde (es gab früher derartige Spiele): auch so könnt man erreichen, dass auf dem Bildschirm was kommt. Und wenn man ganz großes Glück und viel Erfahrung mitbringt, könnte man vielleicht auch einen Text erzeugen. Akupunktur steuert Programme im Körper, es verändert nicht die Hardware!

    3. Der Mensch ist keine Maschine (denn die ist nur unidirektional Ergebnis-orientiert konstruiert). Der menschliche Organismus ist vielmehr eine sich selbst steuernde und selbst erhaltende Gesellschaft. Und natürlich kann ich hier mit sehr wenig Auslöser eine große Wirkung entfachen oder mit einem Ereignis an einem Ort eine Reaktion an einem ganz anderen Ort erzielen. Beispiel: die Angst nach einer Kindsentführung kann – wegen der als nötig erachteten Rasterfahndung – zum Verkehrszusammenbruch führen, was wiederum bei einer bestimmten Firma zu Produktionsverzögerung führt, die nun an dritter Stelle zu Entlassung einiger Arbeiter führt, was dann zur Insolvenz und zur Zwangsversteigerung des Hauses eines Arbeiters führt ….. man kann die Idee beliebig weiterspinnen.
    Im menschlichen Körper ist es nicht anders: soeben war ein Patient bei mir, dessen rechte Hüfte kaputt ist. Jetzt hatte er Knieschmerzen links: warum, weil er jetzt vermehrt mit der linken Hüfte läuft und dabei das linke Knie falsch belastet = überlastet).

    Naturheilverfahren versuchen bei solchen Abläufen an der funktionell besten Stelle einzugreifen, nicht einfach – wie meist in der Schulmedizin – nur am Symptom herumzudoktern. Dass dazu ein viel längeres und aufmerksameres Gespräch notwenig ist, versteht sich von selbst. Und dass sich der Patient dabei besser versorgt fühlt, wenn man sich seiner mehr annimmt, ist auch klar. Wenn daraus dann auch noch ein psychischer Effekt entsteht, ist das gut – aber nicht der eigentliche Grund der Heilung/Besserung, allenfalls ein Trigger!

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 24. Juli 2009 at 4:20 pm

      zu Punkt 2: Das Beispiel ist gar nicht so schlecht. Früher (noch vor den Lochkarten-Zeiten) hat man Computer tatsächlich so programmiert. Heute hat man bessere Methoden – wenn die aber versagen, sind auch wieder die Assembler-Gurus und Chip-Flüsterer gefragt.
      Und klar, Programme verändern nicht die Hardware an sich, sie beeinflussen aber das Verhalten der Hardware.

      Antwort

  14. p.s. : dass mir solche „Kollegen“, die alles können, alles versprechen, und – wenn Zahltag ist – nur meinen „jetzt könnten sie nix mehr machen, jetzt solle der Patient wieder zum Hausarzt gehen“, außerst zuwider sind, versteht sich. Aber mich stört es nicht mehr .

    In meiner Anfangszeit habe ich mir auch noch Vorwürfe gemacht, dass ich einen Patienten wohl nicht „richtig“ aufgeklärt habe (und er daran mit 32 Jahren verstorben ist). Heute sage ich mir: Ich mach meine Arbeit. Wenn der Patient damit zufrieden ist, solls mir recht sein. Wenn er nicht zufrieden ist, hat er jederzeit das Recht, sich etwas „besseres“ zu suchen. Wenn er dabei verarscht wird, ist das sein Risiko, warum hat er nicht auf mich gehör! Und wenn diese Verarsche 6.000 € kostet, dann juckt mich das auch nicht. Ich arbeite seriös und stelle mich – auch was das Einkommen anbelangt – nicht auf die Stufe von Betrügern und Scharlatanen!

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 24. Juli 2009 at 4:25 pm

      Ich misstraue prinzipiell jedem, der mir „alleinseligmachende Weisheit“ verspricht – egal, ob das nun die Kirche ist, die Schulmedizin oder die Homöopathie (bzw. bestimmte Vertreter davon).
      Ich traue aber Leuten, die mir sagen können „meine Methode funktioniert bis hierhin, unter Umständen a-n und wird beeinflusst von m-z“.

      Wenn man es sich als Schichten einer Sahnetorte vorstellt – eine Schicht Schulmedizin, eine Schicht Naturheilverfahren, eine Schicht Homöopathie, eine Schicht Glaube etc.pp – dann würde man von der Torte ja auch nicht nur den Boden oder nur die Füllung essen, sondern ein Stück abschneiden, das von allem etwas hat – in einer ausgewogenen Mischung. So in etwa kann man sich meine Haltung zu dem Thema vorstellen *gg*

      Antwort

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