Endlich das Schweigegeld – Achterbahn der Gefühle


Heute also das Schreiben der KV (Kassenärztlichen Vereinigung):
Aufgrund der 5%-Regelung (die ja Minister Söder für 2009 erzwungen hat, wobei keiner weiß, wer das eigentlich bezahlen soll) werde mein im Februar für das 2. Quartal veranschlagte Regelleistungsvolumen (= quasi Summe aller Flat-rates) um 19,5% angehoben, damit ich dann also 95% des Vorjahresumsatzes habe.

Hmmm. Also erst einmal ein gewisses Aufatmen. Der drohende Liquiditätsengpass, der mir die letzten 5 Monate viele Stunden und Nächte Schlaf geraubt hatte, der mich veranlasste eine Mitarbeiterin zu entlassen, …
… vorerst erst einmal aufgeschoben (leider nicht aufgehoben, denn diese Regelung ist auf 2009 begrenzt).

Man ertappt sich dabei, wie man sich ein bißchen freut, dass aus Minus 30% „nur“ minus 5% Umsatz geworden sind. Das entspricht ja etwa einem Netto-Gehaltsverlust von 10%. Aber damit kann man überleben. Die Minus-30%-Variante wär der sichere Tod meiner Praxis.

Obwohl ich froh bin, wenigstens Zeit gewonnen zu haben, ist mir voll und ganz bewußt, dass sich am grundsätzlichen Ziel dieser Gesundheitsreform leider nichts geändert hat.

Ich werde mich von diesem Schweigegeld nicht mundtot machen lassen, denn es geht nicht um mein Gehalt. Es geht um die Vernichtung der Patientenversorgung in der heutigen Form. Leider werden die Bürger dies erst dann verstehen, wenn es zu spät ist. Da tut es gut, dass es so Kämpfer wie Frau Hartwig gibt. Die hat anscheinend für den 13.09. das Olympiastadion für eine große Patienten-Arzt-Demo gegen diesen Wahnsinn gemietet.

Wenn ich mehr weiß, werde ich Euch informieren. Vielleicht treffen wir uns dann? Werde einen Hut mit Geldscheinen tragen, oder?

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14 responses to this post.

  1. Haast Du Dich da nicht kapital verrechnet? 5% Umsatzverlust soll nur 10% Netto-Gehaltsverlust sein?
    Beispiel: Wenn die Betriebskosten z.B. 70% ausmachen schlägt ein 5%iger Umsatzverlust mit 16,5% auf die restlichen 30% durch! Und wenn Du von diesen 30% auch noch die Lohnnebenkosten (= 100% vom Bruttoverdienst, also 50% vom Praxisertrag, bzw 15 % vom Praxisumsatz) als fixe Kosten betrachtest, dann sind 5% Umsatz schon 33% Bruttoverlust! Davon dann auch noch die Lebens-Fixkosten (Wohnung, Strom, Heizung, Telefon….) weg, dann bleibt vom Rest zum Leben ……wieviel???

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 4. August 2009 at 11:56 pm

      *lichtaufgeht* Mir ist grade klar geworden, warum mir bei euren Prozentangaben immer der Kopf schwimmt… die beziehen sich ständig auf andere Bezugswerte (die meistens nicht angegeben sind).

      Ich versuch das mal zu fassen:
      Als Basiswert nehmt ihr den Umsatz
      Die Betriebskosten sind 70% vom Umsatz – Betriebskosten beinhalten Praxismiete, Angestellte, Geräte-Versicherungen (gibts sowas?) und sind (halbwegs) fix.
      Soweit klar.
      Was aus den übrigen 30% wird, hab ich noch nicht durchschaut.
      Diese sind der Praxisertrag, richtig? Was davon ist denn jetzt der Verdienst?
      (Unter Lohnnebenkosten verstehe ich Versicherungsbeiträge wie Krankenversicherung, Rentenversicherung, Sozialversicherung und so weiter. Bei meiner Mutter – die selbständig ist – wir das soweit ich weiß nach der Steuer abgebucht. Ist das bei euch anders?)

      Antwort

      • Posted by drgeldgier on 5. August 2009 at 6:11 am

        So einfach ist das eben nicht – deshalb ist es ja fast unmöglich Einkommen von Selbständigen mit dem von Angestellten zu vergleichen (ganz abgesehen von der anderen Risikokonstellation – s. mein Beispiel mit Influenza bei Dir und bei mir).

        Vom Gesamtumsatz müssen zunächst die kompletten Betriebsausgaben abgezogen werden. Das ist dann der GEWINN (Umsatz und Gewinn werden gerne von der Politik genannt, weil das natürlich so schön große Zahlen sind).

        Vom Gewinn müssen aber noch die Praxisinvestitionen abbezahlt werden (allerdings können die ja auch abgeschrieben werden, wenn auch über Jahre).

        Dann kommen noch die Vorsorgeaufwendungen (eben Kranken- und sonstige Versicherungsbeiträge). Da diese nicht voll steuerabzugsfähig sind, sind sie nur zum Teil vor der Steuer abzuziehen, zum Teil eben danach. D.h. eben auch, dass man selbst das zu vesteuernde Einkommen eines Selbständigen nicht mit dem eines Angestellten vergleichen kann. Kommt noch hinzu, dass der Beitragssatz der Ärzteversorgung (Rentenversorgungswerk der Ärzte) dtl. niedriger ist, als der gesetzlichen Rentenversicherung, weshalb hier dringend eine private Zusatzrente nötig ist.

        Ob bei Dir jetzt wirklch mehr Klarheit herrscht weiß ich nicht, ab klar ist: die ständig in Film, Funk und Fernsehen herumgereichten Zahlen von „Gewinn“, „Einkommen“ der Ärzte etc. sind unseriöses Propagandawerk. Und die vom bayerischen Gesundheitsminister erzwungene 5%-Regelung heißt für uns eben nicht „nur“ ein Minus von 5% im Geldbeutel, sondern je nach individueller Situation dtl. mehr Einkommensrückgang. Aber das ist scheinbar schwer zu vermitteln, denn eigentlich (*sorry) ging ich davon aus, dass Deine Birne, die ja deutlich heller zu leuchten scheint, als Durchschnittsglühlampen, da mehr Durchblick hat.

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      • Posted by Benedicta on 5. August 2009 at 10:44 pm

        Genau darum frag ich ja nach. Du hast schon oft geschrieben, dass die öffentlich verkauften Zahlen Lug und Trug sind – nur deine waren eben auch nicht nachvollziehbarer… (verständlich, weil da wirklich viele Aspekte mit reinspielen).
        Ich kann den Kram zwar nachrechnen, bin aber eben auch kein Buchhalter oder Steuerberater, so dass mir nicht auf den ersten Blick klar ist was was ist. Darum muss ich mir eure Zahlen erstmal auseinandersortieren.

        Und klar – mehrstöckige Abhängigkeiten sind IMMER schwer zu vermitteln. Alles über Stufe 1 ist komplex 🙂 und hier haben wir ja mindestens 3 Stufen…

        Antwort

  2. Posted by drgeldgier on 4. August 2009 at 7:24 pm

    Ich habe der Einfachheit halber mit 50% Nebenkosten gerechnet, was bei mir nicht ganz stimmt (leider).

    Antwort

  3. @ hallo benedicta, ich bin zwar ebenfalls kein Steuerberater, aber vielleicht bring ich’s Dir noch etwas verständlicher hin:

    Die Einnahmen einer Praxis aus Kassenpatienten (¼ des Vorjahresquartals pro Monat als Abschlag und den Rest ca. 5 Monate nach Abgabe der Abrechnung – nach Abzug der KV-Gebühren, eventueller Kürzungen und Regresse – als unkalkulierbare Restzahlung), aus Privatpatienten (manche zahlen sofort, ca die Hälfte zahlt nach 6 bis 12 Monaten) und ggf (nach Steuerrecht) „geldwertige Leistungen“ (= Einnahmen aus Studien, teurere „Werbegeschenke“) bilden den Praxis-Umsatz.

    Davon werden die Betriebskosten abgerechnet: Miete, Strom, Heizung, Telefon, Reinigung, Personalkosten, Kfz-Kosten (soweit der Praxis zuzurechnen, 1%-Regelung oder Fahrtenbuch), Fortbildungskosten (aber nicht Aufenhalt im Luxushotel für die ganze Familie, das Finanzamt ist hier inzwischen sehr knickerig), Praxis-Verbrauchsmaterial (Verbandsmaterial, Elektroden-Gel f. EKG oder Sono, Desinfektionsmittel u.v.m), die Zinsen für die Praxisbetriebskonten und für die Investitionskosten-Konten plus die Abschreibungskosten. Diese Betriebskosten sind meist so um die 40 bis 50% des Praxisumsatzes.

    Es verbleibt der Praxis-Gewinn oder „Gewinn vor Steuer. Dieser wird dann Einkommens-versteuert (zum Glück nicht auch noch Gewerbestuer, das wurde bisher noch verhindert)

    Vom verbliebenen Rest werden die Investitions-Tilgungskosten beglichen (Achtung: im Gegensatz zu einer normalen Firma (GmbH, KG, AG etc.) sind die Firmenausstattung beim Selbständigen (Arzt) im Privat-Besitz und müssen daher aus versteuertem Einkommen finanziert werden). Diese belaufen sich – je nach Fachrichtung – auf ca. 10% bis 50% (z.B.Radiologen und Nuklearmediziner) des Praxisumsatzes, in Zahlen ausgedrückt: Anfangsinvestition für Allgemeinpraxis ca 150.000 €, für Internist ca 300.000.- € und für Nuklearmedizin ca 4-5 Mio €, dazu die Abschreibung, je nach Abschreibungsobjekt 3 Jahre ( z.B. Computer), 5.Jahre (z.B. med.-technische Geräte wieEKG, Röntgen oder CT) oder 10 Jahre (z.B. für Mobiliar), sehr selten 25 Jahre (Immobilien).

    Der Rest ist das „Einkommen“. Dieses „Einkommen“ ist aber – verglichen mit einem Angestellten – Brutto-Gehalt plus Lohnnebenkosten!

    Beim Angestellten sind in den Lohn-Nebenkosten enthalten: der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung und der Rentenversicherung, die Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die ersten 6 Wochen (und indirekt über die Krankenversicherungsbeiträge für die Zeit > 6 Wochen), die Unfallversicherung, eventuelle Kosten für Schulungen und Weiterbildung, das Urlaubsgeld und das 13.Monatsgehalt, Präsente für Geburtstag o.ä.. Diese Lohnnebenkosten machen in der Wirtschaft/Industrie/Banken zwischen 70% und 120% des Bruttogehaltes aus!

    Der Selbständige (Arzt) muß dies über Versicherungen abdecken, wobei die dazu nötigen Versicherungen (abgesehen von der Rentenversicherung = „Ärzteversorgung“) nicht einkommensabhängig sind, sondern vertraglich fix. Wenn sich ein Selbständiger vergleichbar der Sicherheit eines Angestellten versichert (Unfallversicherung mindestens 400.000.-€, Krankentagegeld ab 1.Tag) und sich auch – wie im Angestelltenbereich üblich – ein Urlaubsgeld und ein 13.Monatsgehalt „gönnt“, dann sind diese Quasi-Lohnnebenkosten ebenso bei ca.100% des Bruttogehalts anzusetzen. Wenn er natürlich ein höhers Risiko eingeht (als junger gesunder kann er das, besonders wenn die Bankschulden wegen der Anfangsinvestitionen drücken) dann bleibt ihm die Ersparnis der Versicherungsbeiträge zum Leben, aber als höheres Einkommen kann man das dann nicht ansehen, da er ein höheres Risiko trägt und im schlimmsten Fall total abstürzt.

    Vom restlichen Brutto-Einkommen – jetzt aber ohne Steuern, die wurden ja vorher schon gezahlt, wobei hier natürlich auch der „Arbeitgeberanteil“ an der Lohnsteuer mit enthalten ist – gehen dann – rechnerisch – noch die Arbeitnehmeranteile für die Krankenversicherung und Rentenversicherung, sowie die – hypothetische – „Arbeitslosenversicherung“ (in Form einer – fixen – Unfallversicherung) ab. Damit ist aber nur die krankheitsbedingte Arbeitslosigkeit (bei noch unzureichender Altersversorgung über Rente) abgesichert – und auch hier wird oft – unter Hinnahme eines erhöhten Risikos – „gespart“.

    Die Arbeitslosigkeit durch unzureichende Praxisentwicklung (am Anfang) oder durch Praxisniedergang (z.B. wegen zu langer Krankheit oder wegen neu in der Nachbarschaft niedergelassenem Kollegen oder – jetzt kommts – auf Druck der Bank durch Kündigung der Kredite bei zu geringem Einkommen) ist dann das „unternehmerische Risiko“. Dieses ist nicht versicherbar!

    Wie Du siehst, die Zahlen sind nicht deckungsgleich und die Begriffe verwirrend. Wenn also die Politik in der Öffentlichkeit immer mit Zahlen und Begriffen („Honorar“ ist nicht deckungsgleich mit „Umsatz“, oder „Praxisgewinn“ nicht mit „Arzteinkommen“)“rumschmeißt,so ist das so ähnlich, wie wenn der Arzt gegenüber dem Patienten von „Tumor“ spricht und dabei – ganz allgemein – „Gewächs“ meint, der Patient darunter aber – umgangssprachlich – „Krebs“ versteht und Angst bekommt!

    Die gängigen Zahlen, die eine Mischung aus der o.g.Differenzierung darstellen sind im ärztlichen Sprachgebrauch
    a) „Betriebskosten“ beinhaltet eigentliche Betriebskosten (s.o.) plus Investitionskosten (sind dann ca. 50 bis 90% des Umsatzes)
    b) „Arzt-Einkommen“ ist dann der Rest, beinhaltet aber alle Lohnnebenkosten und die gesamte Steuer. (ist der Rest, aber nicht identisch mit Netto-Gehalt!

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 6. August 2009 at 6:48 pm

      Weia. So ganz hab ichs immer noch nicht gepeilt *args* (nur mal gut, dass ich nicht in die Finanzwelt gegangen bin…)
      – Brutto ist bei dir *nach* Steuern, der Unterschied zwischen Brutto und Netto sind nur die Versicherungen?
      – Urlaubsgeld und 13. Monatsgehalt (so es sie überhaupt noch gibt) zählen zum zu versteuernden Einkommen, die muss man m.E. zum Bruttogehalt zählen, nicht zu den Lohnnebenkosten.
      – Du rechnest Versicherungen doppelt an, einmal in den Lohnnebenkosten und einmal im Einkommen. Ich bin nicht sicher, ob das so funktioniert – bei einem Angestellten ist das so (Arbeitgeberanteil und Arbeitnehmeranteil), da wird das ja aber Einkommens-abhängig bestimmt. Bei euch sind diese Versicherungen, wie du schreibst, fix – und das ist u.U. sogar günstiger als Einkommens-abhängige Sätze.

      Antwort

  4. ja, es ist kompliziert und es ist genau so!.

    Zu den einzelnen Anmerkungen:

    – Es geht hier um die Zahlen, die zur Verfügung stehen. Buchhalterisch-steuerrechtlich gesehen ist Brutto natürlich incl. Arbeitnehmeranteil der Steuern. Aber der Arbeitnehmeranteil bezogen auf das was als Brutto rauskommt ist hat weniger als die Hälfte der gezahlten Steuern, da die Praxisinvestitionen auch noch versteuert werden müssen! Die Ärzte wollen halt nicht akzeptieren , dass sie ihr Werkzeug selbst mitbringen müssen, während alle andern dieses Werkzeug von der Firma gestellt kriegen.Und als „Firmanchefs akzeptieren wirs nicht, weil das Ganze nur bedingt kapitalisierbar ist : inzwischen ist das Praxisinventar nur in wenigen Fällen bei altersbedingter Abgabe veräußerbar, ansonsten ist es praktisch wertlos. Ich war mal Mitglied in einer pleite gegangenen Laborgemeinschaft. Dabei wurden Gerätewerte von ca 2 Mio DM und Reagentien im Einkaufswert von 3,5 Mio DM schlagartig wertlos, weil kein Kaufinteressent da war!

    – Urlaubsgeld und 13.Monatsgehalt sind natürlich steuerpflichtig – und sie werden ja auch versteuert. Nur bezogen auf das eigentliche Monats-Brutto wirken sie natürlich mindernd. Wenn wir dagegen vom Jahresbrutto sprechen, dann wäre das dasselbe. Aber die Politik zieht in diesen Vergleichen immer das Monats-Brutto heran!

    – ich habe die Versicherungen natürlich nicht doppelt berechnet sondern 2x ½ (wie’s in der übrigen Wirtschaft üblich ist, genauso wie die Steuern). Dass die Versicherungen, insbes. die Kankenversicherung, günstiger ist, hat nix mit Ärzten, sondern mit der privaten Risikoberechnung zu tun und damit, dass etliche Leistungen der GKV nicht enthalten sind (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kuren und Reha im Alter. Übrigens, auch unsere „Rentenversicherung“ („Ärzteversorgung“) zahlt keine Reha, die private Krankenversicherung ebenfalls nicht: hier haben Selbständige ein tiefes Loch in der Absicherung!)

    Das Ganze war der Versuch , die komplizierte Materie in Textform darzustellen, die man eigentlich nur in zwei Säulendiagrammen verdeutlichen könnte. Aber das gibt halt der Blog nicht her. Vielleicht schaf ichs irgendwann mal.

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 7. August 2009 at 12:25 pm

      Danke, so langsam hab ichs geschnallt, glaub ich 🙂

      (All das ist übrigens bei anderen Selbständigen auch nicht anders, möchte ich anmerken – eine selbständige Schneiderin z.B. kauft ihre Maschinen auch nicht vor Steuer. Und sie muss erstmal Bedarf schaffen, während Ärzte den Vorteil haben, dass doch jeder in irgendeiner Art Gesundheitsvorsorge braucht. Eine Firma ist m.W. ein anderes Konstrukt und hat dann auch nochmal andere rechtliche Rahmenbedingungen – kann man daher nicht unbedingt mit Selbständigen in einen Topf werfen.)

      Soweit ich es überschaue, resultieren die Hauptprobleme (unternehmerisches Risiko, Unkalkulierbarkeit, Investitionen) aus der Selbständigkeit der niedergelassenen Ärzte. Da stellt sich mir die Frage (mal nur so als Gedankenexperiment) – sollte man diese Selbständigkeit einfach abschaffen?
      Das müsste ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich die Strukturen ändern und Praxen dicht gemacht werden, sondern erstmal nur, dass eine übergeordnete Firma (oder der Staat) die Geräte übernimmt. Die Ärzte wären Angestellte dieser Firma, von der Organisation her sowas wie „Gruppenleiter“, könnten also weiterhin ihre Helfer selbst auswählen (auch wenn die dann von der Firma bezahlt würden).
      Letztlich wäre das eine Art Filial-System, mit zentraler Verwaltung und lokalen Büros (aka Praxen).
      Ihr kennt euch besser aus – was spricht dagegen?

      Antwort

  5. Posted by reni on 9. August 2009 at 7:53 am

    Nun habe ich fast alle Beiträge gelesen, meine Anmerkung betrifft eigentlich alle.
    Für mich zeigt sich auch hier, daß die uralte Masche der Herrschenden – teile und herrsche – nach wie vor hervorragend funktioniert. Hausärzte gegen Fachärzte, Klinikärzte gegen Niedergelassene, Ärzte aus den alten Bundesländer gegen die aus den neuen, Patienten gegen Ärzte, usw.
    Ich möchte als Patient eigentlich nur einen Arzt, zu dem ich Vertrauen haben kann, einen, der mit mir redet und nicht nur an seine Apparate anschließt, der mich nicht arrogant abblitzen läßt, nur weil ich mich informiert habe (es gibt auch Patienten die denken können).
    Einen Arzt, der sich auf die Patienten konzentriert, konzentrieren kann, der nicht gezwungen ist, ständig „unternehmerisch“ zu denken.
    Ich will keine Gesundheitskarte, keine MVZ und, und.
    Ich habe mir mal die Mühe gemacht, das Vergütungssystem der Ärzte zu verstehen, habe mir mal das alles mit dem Regelleistungsvolumen usw. durchgelesen.
    Ich frage mich, warum man sich diesen Schwachsinn seit Jahren gefallen läßt.
    Ich war jahrelang selbständig, aber das bei den Ärzten ist doch gar keine Selbständigkeit.
    In meinen Augen sind Sie doch abhängige Selbständige, die gnadenlos ausgenutzt werden, an denen Unzählige mitverdienen.
    Ich wage zu behaupten, da wäre es Ihnen zu DDR-Zeiten an einer Poliklinik besser gegangen, die waren nämlich besser als der Ruf, der ihnen heute hinterher hinkt.
    Ich wollte Ihnen nur sagen, Ärzte und Patienten sollten sich zusammenschließen, nur weiß ich nicht wie. Aber das wäre in Ihrem und meinem Interesse.
    Ich habe aber wenig Hoffnung, daß das eines Tages passieren könnte.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 10. August 2009 at 1:18 pm

      Danke für den offenen und treffenden Kommentar. Niedergelassene Ärzte sind selbständig, was das Risiko anbelangt, aber alles andere als selbständig, was die Einnahmenseite und Preisgestaltung angelangt. Sehr sehr richtig erkannt. Vor allem das mit der Tatsache, dass im Gesundheitssystem „Unzählige mitverdienen“, die mit der eigentlichen Patientenversorgung höchstens noch indirekt was zu tun haben traf den Nagel auf den Kopf.
      Hier ein Tipp zum Zusammenschluss von Ärzten und Patienten:
      http://patient-informiert-sich.de/olympiastadion/

      Ich hoffe, wir sehen uns am 13.09. im Olympiastadion !?

      Antwort

  6. Posted by drgeldgier on 9. August 2009 at 10:03 pm

    Gute Idee Benedicta,
    dann wären wir bei einem System wie in der DDR. Das Problem ist nur, dass man keine Angestellten finden wird, die 60-70 Stunden ohne Murren arbeiten werden. Die Motivation dazu wird einfach fehlen. Die angestellten Ärzte sind doch jetzt schon nicht mehr zu finden. Schau Dich mal um! Das aktuelle Ärzteblatt hat einen Stellenanzeigenteil von 140 Seiten !!!
    In manchen Krankenhäusern sind mehr als die Hälfte der Ärztestellen nicht mehr zu besetzen!
    Warum frag ich Dich! Und da willst Du noch mehr Angestellte Ärzte.
    Prinzipiell ist Dein Ansatz nicht verwerflich. Aber beim Arztberuf handelt es sich halt doch um einen besonderen Beruf, mit extrem hohem Aufkommen von unvorhergesehen Ereignissen (sprich Notfällen etc.) und einem Rund-um-die-Uhr-Bedarf.
    Wenn es denn nur so leicht wäre.

    Antwort

  7. Allmählich macht diese Diskussion richtig Spass.

    Grundsätzlich ist Benedicta’s Idee mit der Anstellung nicht schlecht, es würde die Ärzte aus einem gewissen Druck herausbringen (und immer mehr junge wie ältere Kollegen gehen auch diesen Weg in MVZ’s). Aber warum hat das die Politik nicht schon lange so gemacht: richtig, weil ein System, das die Patienten dann noch zufrieden stellt, viel teurer wäre, als wenn sich die dummen „Selbständigen“ selbst ausbeuten in der Meinung damit etwas besser dran zu sein als der Rest (aber genaugenommen ist die niedergelassene Ärzteschaft inzwischen nur noch schein-selbständig, wobei ein Bekannter aus der Baubranche – also nicht nur bei den Ärzten – meint, selbständig heißt, daß man „ständig arbeitet und sich selbst ausbeutet“) ).

    Zugegeben, warum lassen sich Ärzte überhaupt nieder? Weil irgendwann in der Klinik mal der Punkt kommt, wo der Assistenz- oder Oberarzt meint, er könne das besser, und er darf nicht, weil der Chef es verbietet. Mehrere derartiger Frust-Erlebnisse, und der junge Arzt ist reif für die Selbständigkeit . Und warum lässt der Chef es nicht zu: weil der Verwaltungschef meint, das kostet zu viel, oder er meint, das müssen wir machen, das bringt Geld… usw., mit anderen Worten, auch im KH ist der schnöde Mammon die Triebfeder allen Übels.

    Daraus ergibt sich das nächste Problem mit der Anstellung: Inzwischen haben die Privaten Klinikträger (Rhönkliniken, Sanakliniken …) das Sagen und verdienen Millionen! Aber sicher nicht nur durch effektivere Arbeit (neben der Rosinenpickerei) und Großeinkauf, sondern durch eine ähnlich knallharte Ausbeutung ihrer Angestellten, wie in der übrigen Wirtschaft auch. Aber der Patient ist halt kein beliebiges Plastikteil, sondern braucht individuelle Betreuung.

    Inzwischen klagen die Schwestern in diesen Häusern über nahezu unzumutbare Arbeitsbedingungen, die nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem Schwesternbild zu tun haben, das sie einstmals zu diesem Beruf geführt hat (was wird mit dem Nachwuchs? ich kann mir nicht vorstellen, dass junge Menschen ihren Lebensinhalt darin zu sehen eine Fließband-satt-sauber-Pflege im Dauerlauf über 8 Stunden in Wechselschicht zu erbringen!). Das selbe gilt auch für Ärzte! Diese Art der Medizin bei dieser Höhe der Bezahlung und diesen (physikalischen und ethischen) Arbeitsbedingungen animiert niemand mehr. Folge: schon heute gehen ¼ aller Medizinabsolventen nicht mehr in die Deutsche Patientenversorgung sondern zu Firmen, Ämtern oder gleich ins Ausland! Dabei ist das Geld schon lange nicht mehr das, was die Ärzte aufregt (natürlich kommt das dazu!), nein, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind’s, in Verbindung mit dem mißbrauchten und daher unerfüllbaren Verantwortungsgefühl für die jetztigen Patienten und für die nächste Generation.

    Quintessenz: unser Gesundheitssystem kann überhaupt nur noch durch die Selbstausbeutung der Ärzte am Leben erhalten werden. Würden sich die Ärzte (angestellt oder selbstänig in eigener Praxis) auf die Hinterfüße stellen, ihre Patienten nur noch als „Kunden“ ansehen, auf ihr Gehalt. ihren Feierabend und ihren Urlaub pochen und ansonsten die Verantwortungen der Politik und den Krankenkassen überlassen (z. B. den Sicherstellungsauftrag, deshalb wollen die Kassen ihn auch nicht und sind gar nicht wirklich gegen die Abschaffung der KVen), das deutsche Gesundheitswesen wäre von jetzt auf gleich weg vom Fenster!

    Antwort

  8. Posted by drgeldgier on 10. August 2009 at 5:50 pm

    Chapeau @ landarsch!

    Antwort

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