Einigkeit unter den Ärzten – die Sache mit dem Nadelöhr


Von interessierten und differenzierten außenstehenden Beobachtern des Gesundheitswesens hört man immer wieder die Frage:
warum lassen die Ärzte, aber auch andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen, das seit Jahren mit sich machen?
Warum wehrt Ihr Euch nicht
, wenn von Reform zu Reform immer wieder an den „Leistungserbringern“ gespart wird, um die Mißwirtschaft andernorts und auch die demographische Entwicklung auszugleichen?

Die Antwort ist ganz einfach: divide et impera!
Für die Nicht-Bayern unter Euch: Teile und regiere! 

Das Divide-et-impera-Prinzip:
Unter diesem Motto schaffen es Politik, Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen, dass immer nur ein Teil der Ärzte gerade erbost ist und aufschreit und der andere Teil der Ärzte gerade durch ein Zuckerl wieder zum Schweigen gebracht wurde. So geht das seit Jahren.

Aktuell sind die Hausärzte die gebauchpinselten Zufriedenen. Die Ulla S. betont immer wieder dass die Hausärzte ganz doll wichtig seien und der Beruf wieder attraktiver werden soll. Daher wurde auch eine Gesundheitsreform gezimmert, die einen der Lauterbach-schen „Megaströme“ weg von den Fachärzten und hin zu den Hausärzten einleitete.

Der Oberhausarzt von Bayern hat mit ganz, ganz schlauen Tricks einen direkten Vertrag mit der größten kranken Kasse des Planeten (zumindest benimmt sie sich manchmal so) verhandelt. Er hatte sich vorher mit den „Kollegen“ von der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern verkracht und lebt seither in einer Art Fehde mit diesen Fürsten, die auch noch zu allem übel fast alle böse, böse Fachärzte sind.

Für eine ganze Menge Silberlinge oder soll ich Hoppen-Taler sagen (?) hat der Oberhausarzt aus Bayern für die bayerischen Hausärzte eine Sonderregelung erreicht. Ein bayerischer Hausarzt bekommt nun ganz doll mehr Geld – auch wenn er den Patienten, sobalds kompliziert wird  zum Facharzt schickt. Da kann es schon mal sein, dass man als Hausarzt bis zum Fünffachen dessen für den Patienten bekommt, als der Facharzt, der die Diagnose stellt und die Behandlung einleitet. Momentan gilt das aber nur für die Patienten, die bei dieser intergalaktischen Großkasse versichert sind. Bayerns Hausärzte finden die deshalb nun ganz ganz empfehlenswert. Böse Zungen behaupten, dass nun Hausärzte manchmal mehr Zeit aufwenden, um dem Patienten den Kassenwechsel zu dieser Großkasse zu empfehlen, als dafür, die richtige Diagnose zu finden, ach so, das kann ja dann der Facharzt machen, so lange es ihn noch gibt.

Ob das Sinn macht?

Ja klar doch, denn der Facharzt ist sauer und schreit, der Hausarzt ist zufrieden und schweigt. Und schon hat man die Ärzteschaft wieder geteilt. Und wenn die bösen Fachärzte dann erst mal von der Platte geputzt sind, ja dann erst merkt auch der letzte Hausarztindianer, dass die ach so geliebte Großkasse ja eigentlich die Alles-Ohne-Kohle – Kasse ist. Da er nun aber fast alle seine Schäfchen (Patienten) bei dieser Kasse hat, ist er nun von ihr abhängig und muss erstaunt zusehen, wie in der nächsten Runde des Divide-et-impera-Karussells sein Kopf rollen wird. Dafür wird dann wieder ein anderes Trüppchen von Ärzten Schweigesilberlinge erhalten.

Und auf diese Weise bringt die Politik seit Jahren Orthopäden gegen Chirurgen, Neurologen gegen Psychotherapeuten, Hausärzte gegen Fachärzte, Frauenärzte gegen Urologen, … usw. gegeneinander auf. Und die schlagen sich munter zumindest verbal gegenseitig die Köpfe ein, während die Politik sich ins Fäustchen lacht.

Wenn es dann doch einmal gelingt, dass sich einige Arzthäuptlinge zusammenraufen und einen Aufstand proben, wie dies Anfang des Jahres war, ja dann kommt der nächste Trick:

Die Verräter in den eigenen Reihen-Legende:
Politik und Kasssen schieben alles auf die kassenärztliche Vereinigung und sagen: ja die Ärzte haben den Schlamassel doch selbst so gewollt. Dabei sagen sie natürlich nicht, dass die Meister von der Kassenärztlichen Vereinigung nur Angestellte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts sind und damit direkt den Weisungen des Bundesgesundheitsministeriums unterstellt sind.

Kurz gesagt: der große Chef der KV ist nichts anderes als ein Vollstrecker der S-Klassen-Alicante-Dame. Bayerns KV-Häuptling hat sich sogar selbst einmal als „Kettenhund Berlins“ bezeichnet.

Fazit: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass…
… die Ärzte sich in Einigkeit gegen ihre Verarschung wehren.
(Jesus möge mir das Plagiat und die unfeine Ausdrucksweise verzeihen)

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14 responses to this post.

  1. Posted by reni on 11. August 2009 at 7:19 am

    Sehr schön, die Übersetzung für Nicht-Bayern. Und hier kann ich endlich ansetzen – die bayrische Übersetzung aus dem lateinischen ist nämlich nicht korrekt.

    aus dem Brockhaus: Divide et impera (lat.), trenne und herrsche, d.h. schaffe Zwiespalt, um zu herrschen.

    Also herrschen, und nicht regieren, worin doch ein großer Unterschied besteht.
    Das mußte sein.
    Weil ich nämlich ein gestörtes Verhältnis zu Ärzten habe, mit derlei im Hinterkopf dann u.a. auf Ihren Blog stieß und meine Störung sich langsam relativiert.

    Danke für den Link, da arbeite ich mich gerade durch, sehr gut. Nur kommen werde ich nicht können, außer meinem Kopf funktioniert nicht mehr viel bei mir.

    Zun dem „Nadelöhr“. Wenn die Ärzteschaft sich nicht mal einigen kann, wie will man dann die Patienten bewegen?

    Mir hat die Krankenkasse vor einiger Zeit kostenloses Gesundheitscoaching angeboten, wow, das hat sich ganz toll angehört.
    Dann habe ich mich gefragt, wieso laufen die Ärzte nicht dagegen Sturm? Wieso lassen sie zu, daß sich Hinz und Kunz in Ihre Arbeit einmischen? Ich habe den Schwachsinn abgelehnt und mir damit bei der Krankenlasse mit Sicherheit Minuspunkte eingehandelt.

    Gut, ich hör jetzt auf damit, gehört wohl auch nicht so hierher.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 11. August 2009 at 8:38 am

      Lieber Reni,
      mein kleiner Übersetzungsfehler ist wirklich Bayern-bedingt. Denn wer bis Herbst 2008 in Bayern an der Regierung war, der war auch gleichzeitig Alleinherrscher. Der Unterschied zwischen Ministerpräsident und König war manchem Bayern nicht so ganz klar. Man erinnere sich an die Zeiten, als Franz-Josef-Strauß nicht selten mit Krone, Zepter und Mantel abgebildet war.
      Allerdings ist es bei genauerer Betrachtung auch heute noch so, dass die Unterschiede dem Volk wenig klar sind bzw. nicht zu spüren sind.

      Antwort

      • Posted by Benedicta on 11. August 2009 at 9:08 am

        …der Regierung auch nicht…
        (Ich denke da an den Spruch eines Herrn Beckstein über „wenn die CSU unter 50% bleibt ist das das Ende der Demokratie in Bayern“ (sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert). Da möchte man die werten Herrn und Damen Politiker gerne nochmal nachsitzen schicken – Politische Bildung: setzen, 6.)

        Antwort

  2. Warum können sich Ärzte nicht einigen – eine gute Frage! Die Ursache liegt in zwei wesentlichen Aspekten der Medizin:

    1. Vor dem Patienten ist jeder alleine (auch der Hausarzt) und muß helfen. Da aber bekanntlich viele Wege nach Rom führen, wird der, der den Brenner gewohnt ist, den Weg über den Reschenpass oder den Tauerntunnel als Nonsens abtun, und damit deren Verfechter, na ja, müde belächeln bis hin zu frontal angreifen.

    2. a. Chirurgen Internisten: die einen schneiden selbst, die andern „lassen schneiden“ (durch Chemie) . Die Chirurgen sind die Nachfahren der Bader und Wundscher (noch im 19.Hahrhundert wurde das vom heutigen Friseur gemacht), die Internisten wähnen sehen sich als die legitimen Nachfahren der Studiosi des Mittelalters. Die haben dabei nicht selbst geforscht, sondern sich „Vorlesungen“ aus Schriften der Antike angehört (die Verfasser dieser Schriften waren aber wiederum Militärchirurgen!). [Anm.: Chirurgen und Internisten stehen hier nur stellvertretend für die anderen Fachrichtungen, die auch üblicherweise entweder eher „schneiden“ oder eher mit Medikamenten arbeiten]

    2.b. Hausärzte Fachärzte: bis in die späten siebziger Jahre hat ein Herr Prof. Sewering (Gynäkologe aus Dachau bei München mit obskurer NS-Vergangenheit), der langjährig als Vorsitzender der Bayerischen und der Bundes-Ärztekammer und der KV Bayern (alles in Personalunion mit seiner Praxis) und als Vorsitzender des Weiterbildungsasschusses der BÄK die Devise vertreten, der approbierte („praktische“) Arzt ist nicht weitergebildet, der Facharzt müsse darauf zusätzlich noch eine Weiterbildung machen und sei deshalb „besser“. Erst der langjährige Kampf qualifizierter „praktischer“ (Haus-)Ärzte hat dann in den 80er Jahren zu der Erkenntnis geführt, dass auch der Hausarzt, der die Patienten langfristig betreuen und in ihrer Krankheit steueren soll, einer qualifizierten Weiterbildung (heute 5 Jahren ) bedarf. [Anm.: einige kleinere Fachgebiete kommen schon mit 3-jähriger Weiterbildung aus]. Was Hausarzt und Facharzt aber grundsätzlich unterscheidet: der Facharzt kennt sich in einen -„kleinen“ – Fachgebiet bis in die Tiefe aus (als vertikal), während der Hausarzt sich in allen Fachgebieten – also quer, dafür aber nicht tief – auskennen muss. Dabei erlebt man es immer wieder, dass der Orthopäde Schmerzmittel für den Rücken verschreibt, weil sonst nichts mehr geht und der Urologe dem Patienten die Schmerzmittel wieder wegnimmt, weil sonst auch noch die Nieren kaputt gehen können. Oder dass der Urologe dem Patienten Prostata-Mittel verschreibt, die dem Internisten die Haare zu Berge stehen lassen, weil diese Mittel – so ganz nebenbei – die stärksten und problematischten Blutdrucksenker sind. Dieses alles zu Steuern und – wenn wir uns hier schon in humanistischer Bildung austoben – zwischen Skylla und Charybdis hindurch zu manövrieren, das ist Aufgabe des Hausarztes! Die wird aber von vielen Fachärzten (ich will hier nicht verallgemeinern) nicht akzeptiert: Typischer Spruch der Fachärzte: „Der Hausarzt weiß von allem nix“.

    Warum jetzt die Hausärzte auf die Fachärzte keine Rücksicht nehmen ist auch klar. Über Jahrzehnte hinweg haben die Fachärzte den gemeinsamen Honorartopf mit immer mehr – zwar medizinisch nicht unbedingt notwendigen, dafür aber juristisch sehr hilfreichen (á la Reinhard Mey, „Ich bin Klempner von Beruf“: „dann sagt mir auch kein Kunde nach, dass ich bei der Arbeit halbe Arbeit mach‘ „) – technischen, delegierbaren Untersuchungen leergeplündert (dr.geldgier, ich meine hier nicht Dein Sono!), während die Hausärzte ihr Leistungsangebot nicht steigern konnten. Hintergrund sind mehrere Bundessozialgerichts-Urteile, die festgelegt haben, dass als „wirtschaftlich“ zu gelten hat, was der Durchschnitt der Fachgruppe tut (wenn alle gleichermaßen plündern steigern gilt das – juristisch gesehen – als wirtschaftlich, wenn aber nur wenige mehr tun als der Durschnitt ist es unwirtschaftlich). Jetzt leiden die Fachärzte unter ihrem gigantischen Gerätepark .

    Ein kleines, ganz aktuelles Schlaglicht, das mir kürzlich ein Kollege berichtete: Das Ingolstädter Ärztenetz GoIn, eins der größten Deutschlands, hatte einen Netzvertrag, der mit Einführung der Einheitsbeiträge gekündigt wurde. Im Hinblick auf die vom Gesetz geforderten Hausarztverträge hat die BKK Audi dem Netz einen guten Hausarztvertrag angeboten. Die Fachärzte haben dagegen gewettert (weil sie dabei leer ausgegangen wären). Also haben auch die Hausärzte beschlossen, diesen Vertrag aus Kollegialität nicht anzunehmen. Achtung, jetzt kommts: Inzwischen haben die Fachärzte in Ingolstadt einen Facharztvertrag mit der BKK Audi – und die Hausärzte haben nix. Genau das ist es, was die Hausärzte an den Fachärzten so stört und was dann zu solchen Auswüchsen führt wie den bayerischen Oberhausarzt.

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 11. August 2009 at 9:31 pm

      „dass als “wirtschaftlich” zu gelten hat, was der Durchschnitt der Fachgruppe tut“
      Waaaah! Im Ernst? Bitte, sag dass dass nicht wahr ist *kopf->tisch* Ich dachte immer, da säßen irgendwelche Fachgremien, die das entscheiden… (gut, nenn mich naiv. Ich glaube tatsächlich noch an Intelligenz…)

      Ansonsten: Schweinezyklen gibt es überall – und die Ärzte sind nicht die einzigen, die das nicht merken. Politiker und Industrie sind da auch immer ganz heiße Kandidaten, z.B. wenn der komplette Mittelbau an den Unis abgeschafft wird, weil wichtige Professoren ja viel höherwertige Forschung machen als doofe Privatdozenten (grundsätzlich auch richtig, funktioniert aber nur, solange so ein doofer PD dem Prof. Wichtig die Studenten vom Hals hält), oder wenn die Industrie die systematische Modellierung entdeckt und als der Weisheit letzten Schluss verkauft (was in der Forschung schon seit 20 Jahren bekannt ist), oder – mein Highlight – wenn die Industrie mal wieder nach „mehr Informatik schon in der Unterstufe“ schreit, weil die Absolventen sich nicht auskennen (und dabei großzügig die Tatsache ignorieren, dass die jetzigen Unterstüfler frühestens in 10 (eher 15) Jahren den Arbeitsmarkt stürmen und sich der Stand der Informatik bis dahin grundlegend geändert haben kann…).
      Ich rätsle immer wieder, warum die Menschheit ganz allgemein über so wenig Weitblick verfügt – aber bislang hab ich den Stein der Weisen nicht finden können 😉

      Antwort

  3. Posted by reni on 11. August 2009 at 9:20 pm

    Wie soll man als Nichtbayer und auch noch gelernter DDR-Bürger das alles verstehen.
    O.K., Bayern ist eben Bayern.
    Wissen Sie, was mir an Bayern am besten gefällt?
    Daß es die „Biermösl Blosn“ gibt.

    Ansonsten, ich weiß, ich mach mich jetzt äußerst unbeliebt, und als Patient steht mir das sicher auch nicht zu – es ist mir zuviel Gejammere, man sucht die Schuld an der Misere zu oft und zuviel bei den Anderen.

    Zwei Gesichtspunkte bewegen mich.

    Nicht diesem oder jenem Gesundheitsminister kann man das alles anlasten. Die haben doch nur ihren Namen unter die Gesetze gesetzt, für den Inhalt sorgten doch die Lobbyisten, da sitzt die Macht, da muß man ansetzen.
    Auf der verlinkten Webseite von Frau Hartwig sind gute Ansätze.

    Den Bürgern klar machen, was da läuft, das ist ja noch schwieriger. Die wollen nur ihren Doktor, haben Angst, daß man das Medikament nicht mehr verschrieben bekommt, wollen Zusammenhänge und Hintergründe gar nicht wissen, haben regelrecht Angst davor.

    In A. Huyleys Roman „Schöne neue Welt“ erklärt auf S.19 der Brut- und Normdirektor Studenten die einzelnen Abteilungen.

    „Nur damit sie eine Vorstellung vom Ganzen bekommen“, erklärte er in solchen Fällen. Irgendeine Vorstellung mußten sie schließlich haben, wenn sie ihre Arbeit mit Verstand verrichten sollten, andererseits aber auch keine zu genaue Vorstellung, wenn sie brauchbare und zufriedene Mitglieder der Gesellschaft werden sollten.. Die kleinen Einzelheiten sind es bekanntlich, die tüchtig und glücklich machen. Gesamtüberblicke sind für den Geist nur von Übel. Nicht Philosophen, sondern Hobbybastler und Briefmarkensammler bilden das Rückgrat der Menschheit.“

    Ich habe immer öfter das beklemmende Gefühl, daß wir in dieser schönen Neuen Welt schon angekommen sein könnten.

    Antwort

  4. Hoppenthaller (BHÄV-Chef) ist doch ein Spezi von Hartwig. Das nur mal so am Rande. (Einfach mal Google besuchen!)

    Und irgendwo muss das Geld für die Miete vom Olympiastadion doch her kommen…

    Antwort

  5. Das wäre doch schonmal was für den Kafka-Award, oder?

    Antwort

  6. Posted by reni on 13. August 2009 at 10:49 pm

    Habe soeben die Sendung „monitor“ im TV gesehen. Was da mal wieder über
    d i e Ärzte berichtet wurde, das paßt.
    Herr Drgeldgier, glauben Sie echt, daß nach dieser Sendung der Bürger/Patient Ihr Engagement noch zu schätzen weiß?
    Wenn er folgendes hört, bzw. auf der Webseite lesen kann:

    „Ziel von Ärzten und FDP: Noch höhere Honorare für niedergelassene Ärzte – und das, obwohl die Ärzte mit fast 10 % Honorarzuwachs zu den großen Gewinnern der Gesundheitsreform gehören.“
    Bericht: Lutz Polanz, Jan Schmitt
    http://www.wdr.de/tv/monitor//index.php5

    Aus Diskussionen in meinem Freundes-und Bekanntenkreis weiß ich, daß das Fernsehen Recht hat, da können Sie reden was sie wollen.
    Die Verdummung ist sehr weit fortgeschritten, da kann ich beten soviel ich will –
    Herr, laß Hirn vom Himmel regnen!

    Bin mal wieder sehr frustriert.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 14. August 2009 at 8:29 am

      Lieber Reni,
      ich kann Dich gut verstehen, denn das soeben bei Monitor Gesendete passt ja viel besser ins Klischee was Ärzte und auch FDP betrifft. Aber nach all dem was Du bisher hier gepostet hast, war ich überzeugt, dass Du Dir schon ein differenziertes Bild vom Gesundheitssystem im Allgemeinen und der aktuellen Situation hier in Deutschland gemacht hast.
      Da überrascht es mich schon, dass Dich ein knapp 7-minütiger Propagandabeitrag (Monitor ist doch für derartige Hetzbeiträge gegen wen auch immer bekannt) so naiv begeistert und du schreibst „weiß ich, dass das Fernsehen Recht hat“.
      Halbe Wahrheiten sind leider schlimmer als Lügen, denn sie kommen verkappt daher. Die Zahlen von den Reingewinnen der Ärzte wurden auch gestern bei meiner geliebten Süddeutschen schon aufgeführt (haben wohl dieselbe Propagandaquelle). Ich werde in meinem nächsten Artikel darauf eingehen. Nur soviel: wer so stümpferhaft Äpfel mit Birnen vergleicht, sollte kritischer betrachtet werden. Die Zahlen berücksichtigen beispielsweise nicht, dass ein Arzt davon noch seine komplette Praxisinvestition abbezahlen muss. Die gut 240 000€ pro Jahr bei einem Radiologen klingen ja nach Reichtum und Überfluss. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass er davon über Jahre sein Kernspin etc. abbezahlen muss (das sind Investitionen im Bereich von 2-4 Millionen!!! Und das Ding ist nach 8-10 Jahren alt und erneuerungsbedürftig).
      Es ist einfach traurig, wenn man spürt, wie übermächtig und – was noch schlimmer ist – wie gleichgeschaltet die Medien hier in unserem ach so freien Deutschland sind.
      Wie gesagt – später hier noch mehr in einem Artikel – aber heute hab ich frei und möchte auch mal einfach nur leben.
      P.S.: Meinst Du ich schreib mir hier seit Wochen die Finger wund, wenn ich so im Geld schwimmen würde, wie es ständig suggeriert wird? Glaub mir, dann hätt ich anderes zu tun.

      Antwort

      • Posted by reni on 14. August 2009 at 9:30 am

        Lieber Herr Drgeldgier, wow, da habe ich mich gestern abend in meiner Wut wirklich blöd ausgedrückt. Und ich war wütend über diesen Beitrag.Das muß ich gerade rücken.

        Aus Diskussionen in meinem Freundes-und Bekanntenkreis weiß ich, daß das Fernsehen Recht hat, da können Sie reden was sie wollen.

        Der Satz muß besser formuliert so lauten:
        Aus Diskussionen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis weiß ich, daß nach deren Meinung das Fernsehen immer Recht hat, da kann man reden was man will.

        Das zeigt mir aber mal wieder, daß man so in Wut und Rage, lieber nicht gleich alles niederschreibt. Da passiert dann so was.
        Bitte entschuldigen Sie, schreiben Sie sich bitte weiter die Finger wund und lassen Sie mich weiter an der Diskussion teilhaben, mit sorgfältiger formulierten Beiträgen.

        Ich hoffe, ich konnte den Beitrag relativieren und wünsche Ihnen einen wunderbaren freien Tag.

        Antwort

  7. Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt von 2007 und wurden hier mit den letzten Zahlen von 2003 verglichen. Dass die Süddeutsche aus diesen Zahlen versucht hat, eigene Zahlengruppierungen herauszudestillieren, ist bekannt – und natürlich wiederum mit Vorsicht zu genießen (siehe diverse frühere Blockbeiträge und Kommentare). Wenn sich dann Sensations- und Enthüllungsjournaille darauf stürzt, dann gehts wie mit dem alten Kinderspiel „Stille Post“: am Ende kommt was ganz anders heraus, als zu Anfang gesagt wurde!

    Ich habe während meiner Studienzeit einmal einen Medizinischen Artikel im Spiegel gelesen . Dieser Artikel bezog sich auf einen Sekundärartikel im Bild der Wissenschaft und der wiederum auf den Originalartikel im New England Journal of Medizin. Zufälligerweise kannte ich alle drei Artikel. Und siehe da: der Artikel im Bild der Wissenschaft war zwar etwas laien-vereinfachend, aber im Grundsatz richtig wiedergegeben. Der Artikel im Spiegel (sollte man meinen, dass ein Dr.med. als Medizinredakteuer was davon versteht) dagegen schrieb genau das Gegenteil von dem was im Originalaufsatz stand! Daraufhin habe ich vor der studentischen (Un-)Sitte Abstand genommen, den Spiegel weiter zu abonnomieren.

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  8. […] Krankenkassen Bayerns plötzlich fast das Doppelte an die Hausärzte pro Patient bezahlt (wir berichteten), wurde in Rom selig […]

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