Schweinegrippe – die Rettung (für Schreiner)


Heute in der Post:

„Schweingrippe“ beherrscht die Tagespresse. Deswegen bietet mir eine Schreinerei ein speziell für Arztpraxen entwickeltes „Dispensermobil“ an. Sieht aus wie ein rollendes Nachtkästchen mit erhöhter Rückwand, an der dann ein Desinfektionsmittelspender (der „Dispenser“) angebracht werden kann.

So kann das Dispensermobil mit Desinfektionsmittel überall zur Verfügung stehen, „wo großer Publikumsverkehr herrscht“, so der Werbeprospekt.

Kostenpunkt:
– Dispensermobil ohne Wandspender (sehr sinnvoll): 420€
– Wandspender: 70€
SUMME 490€ plus MWSt. = 583,10€ !

Das ist ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wie viel Mehrumsatz einem Arzt durch die bevorstehende Grippewelle ins Haus steht: 0,00€ (denn ist ja alles drin im Budget)

Leider hab ich in jedem Sprechzimmer einen Desinfektionsmittelspender. Wenn ich aber demnächst mal wieder in die Allianz-Arena zum Fußball gehe, hmm, …  ob ich für das Dispensermobil ne extra Eintrittskarte brauche? Und wie ist es damit in der U-Bahn?

Sinnvoll wäre es schon, aber dann bitte mit Gesichtsmasken- und Einmalkittelhalterung sowie Einmalhandschuhreservoir möglichst in Praxisfarbe.

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13 responses to this post.

  1. Posted by Benedicta on 26. August 2009 at 12:05 pm

    Ich schätze mal, 70 Euro sind ein Standard-Preis für derartige Dispenser. Den wird der Schreiner wohl kaum selber schnitzen.

    Für das Möbel muss man Material und Arbeit rechnen, je nachdem (Vollholz, Furnier oder Spanplatte) kostet das Material zwischen 20 und 100 Euro.
    Bleiben ca. 400 Euro Arbeitskosten, bei einem Wert von ca. 40 Euro pro Meisterstunde sind das 10 Stunden Arbeit, die man für ein handgefertigtes Möbel auch braucht.
    Entwicklungskosten / Pläne / Idee / Gebrauchsmusterschutz / Maschinennutzung / Werkstattmiete / Angestelltenlohn hab ich jetzt alles mal unter den Tisch fallen lassen…
    Letzlich ist das also ein reeller Preis.

    Sie fordern ständig die faire Anerkennung IHRER Arbeitsleistung – bitte erkennen Sie endlich auch mal die Arbeitsleistung ANDERER an.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 26. August 2009 at 12:23 pm

      Hallo nix kapiert?
      Das Möbel ist in einer standardmäßig eingerichteten Praxis: SCHWACHSINN !!!
      Und die Art und Weise auf die künstlich erzeugte Schweinegrippenhysterie aufzuspringen widerlich.
      Werde demnächst meine Botschaft schlichter ausdrücken.

      Antwort

      • Posted by Benedicta on 26. August 2009 at 5:13 pm

        Sorry, diese Botschaft ist tatsächlich an mir vorbeigegangen.

        Allerdings: auch wenn das Möbel für eine Praxis überflüssig ist (sein sollte), könnte ich mir z.B. für öffentliche Gebäude mit viel Publikumsverkehr oder Flughäfen durchaus einen Nutzen vorstellen. Am besten dann noch mit einer Halterung für den Wegweiser zur nächsten Toilette, wo man sich die Hände „ganz normal“ waschen kann 😉

        Antwort

      • @benedicta, das Angebot stammt von einem Schreiner, nicht vom Hersteller der Desinfektionsmittelspender! Der Preis wäre natürlich gerechtfertigt und versuchen kann man’s ja mal.

        Ich tät dem Schreiner ein Gegenangebot machen: „Schweinegrippeimpfung mit chirurgischer Hautdesinfektion“ : Preis „nur“ 50.-€ (10.72 € für die Impfung und 39.28 € für die chirurgische Hautdesinfektion. Die Zahnärzte bieten ihren Patienten ja auch eine „professionelle Zahnreinigung“ an!).

        Antwort

  2. Sie schreiben: wenn man bedenkt, wie viel Mehrumsatz einem Arzt durch die bevorstehende Grippewelle ins Haus steht: 0,00€

    Es gibt sehr wohl Mehrumsatz, den Sie verschwiegen haben: die Privatpatienten.

    Bei Kassenpatienten sehr beliebt um Geld zu verdienen: die Grippeschutzimpfung als IGEL-Leistung abrechnen, oder die Praxisgebühr zu verlangen. Ist zwar beides verboten; wenn es auffliegt, dann war es eben ein „Irrtum“.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 27. August 2009 at 9:02 am

      Mein Gott müssen Sie ein kriminalisiertes Bild von Ärzten haben.

      Und als Gegenargument dazu, dass die flatrate bei Kassenpatienten damit verbunden ist, dass in Zeiten von Epidemien ein Arzt trotz erheblich erhöhten Arbeitsanfalls praktisch nichts dazu verdient (d.h. das Kostenrisiko der Erkrankung nicht bei der Versicherung sondern beim Arzt liegt), führen Sie ins Feld, dass der böse Doktor dafür ja bei einem Privatpatienten verdient. Wie pervers ist das denn?

      Wenn Sie sich gegen Hagelschaden, Unwetter und Blitzschlag VERSICHERN, wer trägt dann das Kostenrisiko, wenn es mal einschlägt? Die Versicherung oder der Hagelschaden-Reparateur (beim Auto) bzw. Elektroinstallateur etc. … ??? Merken Sie an diesem Beispiel denn nicht, wie schief das System ist?
      Die Krankenversicherung ist keine wirkliche Versicherung mehr, denn im „Schadensfall“ Krankheit, weiß Sie, dass die „Leistungserbringer“ (Ärzte, Krankenhäuser, …) zum flatrate-Preis alles quasi auf eigene Kosten erledigen.
      Da kann die AOK leicht mit einem erneuten Gewinn von hunderten von Millionen Euro protzen wie zuletzt.

      Antwort

      • Mein Gott müssen Sie ein kriminalisiertes Bild von Ärzten haben
        Meinen eigenen Ärzte waren meistens anständig. Es gibt aber auch andere Fälle, und die sind das Problem.

        Mir geht es hier darum, dass hier Propaganda mit gezielter Desinformation gemacht wird, indem Fakten verschwiegen werden. In diesem Fall die zusätzlichen Einkünfte von Privatpatienten.

        Was die Flatrate bei Kassenpatienten betrifft: es steht den Ärzten frei, aus dem KV-System auszusteigen. Das hatte der BHÄV damals zusammen mit seiner „Patienteninitiative“ angekündigt. Es wurde ein Rohrkrepierer!

        Antwort

  3. hallo @AG, woher nimmst Du eigentlich Dein Wissen?
    Grippeimpfung als IGeL ? Da kenn ich niemand, der darauf hereinfällt. Aber vielleicht ist das in Deiner Gegend anders. Oder verwechsest Du es vielleicht mit der FSME-Impfung? Die wurde nämlich bis vor ½ Jahr nur in bestimmten Regionen von der Kasse übernommen. Wer in anderen Gegenden wohnte, musste tatsächlich IGeL-Löhnen (a.W.d.Kassen und der Politik!), selbst dann, wenn er in eine versuchte Gegen in den Urlaub fahren wollte!

    Mit den Privatpatienten hast Du natürlich Recht. Da gibt’s dann üppige 10,72 € pro, d.h. 21,50€ (es darf gerundet werden) für den Komplettschutz. Ich stell hier mal bewußt keine Preisvergleiche an. Aber die „vollständige Erbringung der Leistung“ (Voraussetzung dafür, dass ich überhaupt etwas abrechnen darf) fordert eine entsprechende Voruntersuchung (Arzt), eine Aufklärung über die Risiken und über Gefahren (Arzt), die Injektion selbst und den Eintrag der Impfung in den Impfausweis (meist Helferin), sowie selbstverständlich die Dokumentation in der Patientenkartei und den Ausdruck der Rechnung (mit allen nötigen nachfolgenden buchhalterischen Arbeiten und Kontrollen), sowie die Kosten für Rechnungspapier, Briefumschlag und Briefmarke. GGf. (jetzt für die Schweinegrippe wohl nicht notwendig) ist dafür sogar noch dasAusstellen des Rezepts für den Impfstoff mit drin, üblicherweise nach einem entsprechenden Vorgespräch (Arzt)! Also, wie Du siehst, alles in allem dazu angetan, mächtig reich zu werden.

    Was die Praxisgebühr bei Impfungen anbelangt: auch hier hast Du natürlich Recht. Aber – leider, leider – dem Arzt nützt es nix. Denn die 10.-€ Praxisgebühr wird dem Arzt ja vom Honorar automatisch abgezogen. Nützen tut das allenfalls den Kassen (warum beschwerst Du Dich nicht dort, dass sie derartig unberechtigt eingenommene Gelder nicht an ihre Versicherten rückerstatten?). Warum die Arzthelferinnen (üblicherweise am Quartalsanfang) die Praxisgebühr verlangen, selbst wenn der Patient am Tresen sagt, er wolle nur eine Impfung (wenn er’s erst beim Arzt sagt, können es die Damen ja nicht ahnen)? Sie kennen halt ihre Pappenheimer! Am Quartalsanfang „ich brauch nur eine Impfung“ und 2 Monate später „ich war schon mal da“ funktioniert halt nicht mehr (dank Computer), macht aber üblicherweise Mehrarbeit und jede Menge Diskussionsärger! Dass es den Kassen und der Politik mit dieser Regelung nicht um Gerechtigkeit geht, sondern ganz klar um Krawall: die Kassen könnten jederzeit ihre Bonuszahlungen für die Impfungen um die Praxisgebühr aufstocken!

    Antwort

    • Auch hier wurde was verschiegen. Es bleibt ja nicht bei den 10,72 €. Auf der Rechnung steht immer auch der Posten Beratung / Untersuchung (ggf. mit dem Zusatz „Eingehend“), auch wenn der Arzt im Wesentlichen nur „Guten Tag“ gesagt hat. Aufklärung über Gefahren? Das war „Achtung, gleich piekst es“.

      Antwort

      • Beispiel aus einem Forum:
        http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/archive/t-44565.html
        Ich lasse mich seit Jahren regelmäßig einmal pro Saison bei meinem Hausarzt gegen Grippe impfen. Hab gerade die Rechnung für die Grippe-Impfung dieser Saison bekommen:

        GOÄ 1 (2,3fach) Beratung: 10,72 Euro
        GOÄ 5 (2,3fach) Symptombezogene Untersuchung: 10,72 Euro
        GOÄ 375 (2,3fach) Schutzimpfung (i.m./s.c.): 10,72 Euro
        Sachkosten nach §10 GOÄ: 7,50 Euro

        Summe: 39,66 Euro

        Also nicht 10 Euro, sondern 40. Für 5-10 Minuten Arbeit. Lukrativ!

        Antwort

  4. also ich hab‘ mich bisher immer an die GOÄ gehalten (wie ich’s beschrieben habe). Da muss ich wohl noch was nachlernen. Übrigens, das mit den Sachkosten (die Kosten für den Impfstoff sind das nicht, die liegen nämlich deutlich höher) ist auch mir nicht plausibel, denn die „Sachkosten“ dürfen tatsächlich nur die belegbaren Eigenkosten sein, z.B. Spritze, Kanüle, Tupfer, Desinfektionsmittel. Aber das brauch ich ja alles nicht bei einer Fertigspritze mit Pflaster und Desinfektions-Wischläppchen! Und pauschal, so quasi als Durchschnttswert (wie in anderen Branchen), ist das beim Arzt lt. GOÄ strikt verboten!

    Zum Thema „symptombezogene Untersuchung“:
    Natürlich ist eine symptombezogen Untersuchung auf die jeweilige Fragestellung ausgerichtet, bei einer Impfung z.B., ob der Patient gesund ist (dazu Überprüfung, ob die Augen gerötet sind, ob er übermäßig schwitzt, ob er blass ist, wie er sich gibt u.v.m., ggf natürlich auch, ob die Mandeln vergrößert sind, z.B. wenn er sagt, dass er letzte Woche Halsschmerzen hatte!).

    „Untersuchung“ hat grundsätzlich nix – was die meisten Menschen irrigerweise annehmen – mit Blutdrucker oder Stethoskop oder Mundspatel zu tun! Wenn jemand eingewachsene Zehennägel oder den Arm gebrochen hat, brauch ich ihm nicht den Blutdruck messen, sondern ich muß mir die Füße, bzw. den Arm anschauen! Wenn man seinen Schlüssel verlegt hat, dann wird man ihn ja auch da suchen, wo er sein könnte, und nicht im Butterfaß oder – mit der Taschenlampe – im Kohlenkeller (wenn man seit Jahren nicht mehr dort war)!

    Ich habe mal mit einem Patienten ca. 10 Minuten gesprochen und mir dabei nebenbei Notizen gemacht. Nach dem Gespräch habe ich ihm das Rezept ausgestellt. Er war etwas verwundert/empört, weil ich „ihn doch gar nicht untersucht hatte“. Ich habe nur mild lächelnd meinen Monitor gedreht und ihm gezeigt, was ich in dieser Zeit alles notiert hatte , lauter „Untersuchungsbefunde“ (allerdings kein Blutdruck, denn der war hier nicht nötig gewesen). Er war völlig platt und hat sich in aller Form entschuldigt „Herr Doktor, also das habe ich nicht vermutet, was Sie alles gesehen haben, das fällt ja mir selbst gar nicht auf“. Na klar, dafür hab ich ja „studiert“.

    Antwort

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