16 Goldene Schritte zum Erfolg


Nachdem mich das System offensichtlich nicht mehr will, als niedergelassenen Landneurologen in Einzelpraxis, muss ich mir – auch auf Anregung mancher Kommentare hier – nun doch langsam Gedanken machen, wie ich im System wieder „geliebter“ sprich vor allem überlebensfähig werden könnte. Hier nun meine Hitliste:

1. Gib den Patienten nicht soviel Zeit, die nicht bezahlt wird
Schleuse in derselben Zeit einfach 30% mehr an Patienten durch, dann hast Du wieder einen ähnlichen Umsatz wie vor 2 Jahren.

2. Verbünde Dich zu einer Gemeinschaftspraxis
Dann bekommst Du sofort 10% mehr Kohle pro Patient, obwohl Du keine Veränderung der Patientenversorgung bewirkt hast. Das Geld wird dann natürlich den Einzelkämpfern letztlich fehlen, aber ist dann nicht mehr Dein Problem.

3. Untersuche die Patienten nicht mehr gründlich, sondern schnell, schnell
Die Bezahlung ist ja bei den Kopfpauschalen dasselbe und Du hast mehr Zeit für 4., 5., 6. etc….

4. Biete jeden erdenklichen Humbug an
Die durch 3. gesparte Zeit setzt Du sinnvoll ein durch gezieltes Marketing von Selbstzahlerleistungen. Je abstruser diese sind, umso besser:
Darmreinigungen, Schwermetallentgiftungen (Entgiftungen kommen immer gut), Handauflegen, Atlastherapie (kann jeder Depp, macht ne Maschine), ….

5. Zahle Deinen Angestellten kein Weihnachts- und Urlaubsgeld mehr und auch sonst nur noch knallhart tariflich
Sind ja schließlich selbst schuld, wenn sie so doof sind und im Gesundheitssystem arbeiten.

6. Setze eine Angestellte auf die Straße
Durch weniger Diagnostik brauchst Du sie eh nicht mehr.  Um Arzthelferinnen kümmert sich die Regierung zwar einen Dreck (sind ja offensichtlich weniger wert als Opel- oder Quelle-Angestellte), aber irgendwo werden die schon unterkommen.

7. Betrachte Deinen Patienten nicht mehr als Leidenden, Hilfesuchenden
…, sondern – ebenso wie Klinikkonzerne und Politiker – als lukrative Kunden, die man melken, melken, melken muss.

8. Beende alle Haus- und Heimbesuche
Das sollen die Hausärzte machen und es ist für Dich als Facharzt ein reines Verlustgeschäft. Das Gesundheitssystem soll zukünftig nur noch nach Profit und Rentabilität geführt werden und da haben Mitleid und ärztlicher Berufsethos nichts mehr zu suchen. Alles was Du tust muss Dir Geld bringen, sonst wirst Du vom „Markt“ verschwinden. Dein Gewinn muss vor dem Wohl der Patienten stehen – glaubst Du etwa die Aktionäre der Rhön-Klinken scheren sich um das Patientenwohl?

8. Setze alle medizinischen Fortbildungen ab und besuche Kurse für Immobilienmakler und Autoverkäufer
Da lernst Du ohne mit der Wimper zu zucken oder rot zu werden zu lügen und das ist jetzt ganz wichtig, wenn Du Patienten melken möchtest.

9. Umgib Dich und Deine Praxis mit der Aura des Besonderen und Alternativen
Wende Dich ab von den wirksamen „Hämmern“ und „Drogen“ der Schulmedizin und behandle mit den sanften, zwar wenig wirksamen Placebo-Methoden (egal aus welcher Ecke sie kommen).

10. Erhöhe die Preise für Deine Selbstzahlerleistungen erheblich Denn wer so teuer ist, der muss auch gut sein (funktionierte damals bei Puma übrigens super)

11. Bilde ein großes ganzheitliches Abzockerzentrum
mit möglichst verschiedenen Fachärzten. So kannst Du gemäß dem Vorbild bereits existierender solcher Zentren die Patienten richtig gut abzocken. Möglichst schon im Rahmen von ganzheitlichen Vorsorge-Checks. Da sind locker 1000 € pro Tag und Patient drin. Suche Dir hierzu eine Großstadt mit hohem Anteil an Privatpatienten aus. Die Landbevölkerung wird sich an Ärztemangel gewöhnen müssen und ist leidensfähig.

12. Hänge alle Spiegel in Deiner Wohnung ab
In Deiner neuen Prachtvilla am See brauchst Du dann auch keine mehr und die Meinung anderer sollte Dir dann als Porsche-fahrender Naturheil-Guru sowieso egal sein. Außerdem weißt Du doch wie Abzocker aussehen.

13. Trete aus der katholischen Kirche aus 
Da sparst Du nochmals richtig fett Kohle und dort bist Du dann wirklich auch fehl am Platz. Außerdem machen die manchmal so komische Gewissenbisse mit ihren altruistischen Thesen.

14. Genieße jeden Zeitungs- und Fernsehbericht über geldgeile Kassenärzte
Denn Dich können Sie nicht meinen – Du hast inzwischen längst Deine Kassenzulassung zurückgegeben, was Dich noch edler machte. Privatarzt ist der Adel der Ärzte.

15. Blicke gelassen auf die Bundestagswahl
Denn das Ergebnis kann Dir egal sein. Im Gegenteil, die Unzufriedenheit und der Frust der Kassenärzte treibt Dir die Patienten in die Arme, die sich dort nicht mehr wohl fühlen. Super !!!

16. Wähle SPD
Denn wirksamer kann man Dir die Kassenarztkonkurrenz nicht vom Hals schaffen.

… oder lass es mit 1. – 16. und verlassen diese Republik. Gehe nicht vorher über Los, sondern direkt weg von hier.

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5 responses to this post.

  1. 17. „Optimiere“ die Abrechnung bei den Privatpatienten. Rechne jedes Gerät in Deiner Praxis ab, egal ob Du es eingesetzt hast oder nicht. Erhöhe die Faktoren, weil jeder Fall „besonders schwierig“ ist.

    18. Tritt bei RTL oder PRO7 als „Experte“ auf. Gegen einen „Produktionskostenzuschuss“ gibt es genügend Firmen, die „Reportagen“ für diese Sender anfertigen, in denen DU und Dein „Können“ im Mittelpunkt stehen.

    19. Mache mehr „Anwendungsbeobachtungen“. Hol Dir kick-backs von der Pharma-Industrie für das Verschreiben von Schein-Innovationen.

    20. Triff Abmachungen mit Apotheken und Krankenhäusern, dass Du ihnen Patienten zuschickst gegen Kopfprämie.

    21. Betreibe einige Blogs, in denen Du Dich als arm und benachteiligt darstellst.

    22. Gründe mit Gleichgesinnten eine „Patienteninitiative“. Achte aber darauf, dass Deine Strohleute keinesfalls Ahnung vom Thema haben – sie sollen nur laut sein. Deine „Patienteninitiative“ soll einfach nur „die Heuschrecken“, „die da oben“ usw kritisieren. Aber bitte niemals die Pharmaindustrie oder die Ärzte!

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 21. September 2009 at 10:54 am

      zu 18.: Das war doch Ulla Schmidt und die SPD – haha – hätt es beinah vergessen
      Danke für den Tipp
      Und brav tschechisch, polnisch und russisch lernen AG – wer weiß, vielleicht wirst ja selbst mal krank in einigen Jahren.

      Antwort

  2. na, Dr, Geldgier, da ist ja noch nicht alles verloren (würde jetzt mein Ex-Banker von der APO-Bank sagen). Endlich hast Du’s gecheckt, wie das geht.

    Wenn’s die Politik so wünscht, und wenn sich die Patienten – trotz jahrelanger Aufklärungsarbeit der Ärzte – nicht zur Wehr setzen und die Politik zu keiner anderen Handlungsweise bewegen – dann wollen sie wohl auch nicht anders. Und wer sind wir, dass wir uns gegen die Wünsche der Politik und der Patienten drängen?

    Antwort

  3. Posted by Benedicta on 21. September 2009 at 2:25 pm

    Ach, und ich dachte schon, du wolltest uns nun doch noch das Gesundheitsprogramm deiner Lieblingspartei erklären…
    (die übrigens auch Banker und Immobilienhaie vertritt… die genau so vorgehen. Bist du der Wahrheit näher als du denkst?)

    Sorry, dass ich nun auch in billige Polemik abgleite – nach den echten Sachthemen suche ich bei dir zurzeit vergeblich. Horrorszenarien kann jeder entwerfen – interessant wäre doch, wie der Lösungsvorschlag aussieht.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 21. September 2009 at 6:09 pm

      DAS IST der Lösungsvorschlag, wie ihn schon viele Kollegen „landauf landab“ praktizieren. Ich nenne keine speziellen Fachrichtungen oder gar Namen. Aber es ist nichts Polemisches dabei.
      Ich bin nicht dazu da Dir Lösungen zu erarbeiten, habe auch nie den Anspruch hier im Blog gehabt Euch Lösungen zu präsentieren. Ich präsentiere hier wohl eher meine Auflösung. Das kann ich nach der Wahl ja dann scheibchenweise präsentieren.
      Eines kann ich Dir aber versprechen: ich werde nicht am 16-Punkte-Programm teilnehmen, sondern meinen Weg gehen, der halt momentan sehr nach Ausland aussieht. Ich bereite mich gerade schon auf die Prüfung in einer anderen Fremdsprache für das Sprachenzertifikat vor. Diese Zeit ist denke ich besser investiert, als hier oder anderswo Dünnbrett zu bohren.

      Antwort

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