Soziale Kälte und soziale Gerechtigkeit


Viele befürchten nun unter schwarz-gelb „soziale Kälte“. Ich habe mir lange überlegt, was denn eigentlich soziale Kälte sein soll. Das Gegenteil von sozialer Gerechtigkeit?  Und was ist das bitte?

Da wurde ich heute von einer Kollegin auf einen Artikel der „Welt“ aufmerksam gemacht. Hier nimmt Boris Becker (ja „unser Boris“, der ja bisher nicht gerade durch politische Kommentare auffällig wurde)  Stellung zum Wahlkampfslogan der Linken „Reichtum für alle“.

Bei allen Vorbehalten, Fehltritten und seltsamen Werbeauftritten von Herrn Becker in der Vergangenheit. Ich finde dieses Statement beeindruckend. Leider haben die Linken dennoch viel zu viele Stimmen ergattert.

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5 responses to this post.

  1. Posted by Benedicta on 29. September 2009 at 8:24 pm

    Da übersieht Bum-Bum aber, dass in Deutschland nachgewiesenerweise Bildung Statusabhängig ist.
    Es hat eben NICHT jeder dieselben Startchancen.
    „Soziale Gerechtigkeit“, das heißt für mich vor allem gleiche Bildungsmöglichkeiten unabhängig vom Elternhaus. Das ist aber nicht so. Einerseits gibt es einen Halo-Effekt der Eltern (Lehrer sieht: Unterschicht-Eltern, Lehrer denkt: das kann ja nix werden), andererseits sind die Kosten höherer Schulen auch höher – erstens, weil die Schulzeit länger dauert und z.B. in Hartz IV Schul- und Kindergelder nicht bis zum Abschluss, sondern bis zu einem bestimmten Alter berechnet werden, zweitens, weil höhere Schulen auch höhere Kosten verursachen durch Klassenfahrten und die schleichende Abschaffung der Lehrmittelfreiheit (hier ein Arbeitsheft, da ein spezielles Buch…).
    Dazu kommt die Angst der Eltern, ihrem Kind im Bedarfsfall nicht helfen zu können – also geht es schon prophylaktisch nur auf die Hauptschule. Förderung in Form von Sport- oder Musikverein sind ebenfalls fast immer kostenpflichtig.
    Von Studiengebühren fang ich mal gar nicht erst an…

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 29. September 2009 at 9:23 pm

      Liebe Benedicta,
      prinzipiell stimme ich mit Dir bezüglich der gewünschten Chancengleichheit überein. Aber es gibt sie nicht auf dieser Welt. Und da kann man sich noch so tolle Modelle ausdenken.
      Wenn ein Kind aus der“Unterschicht“ (Dein Ausdruck, sorry) nach Hause kommt und seine Mutter Popcorn-schmatzend vor der Gerichts-Doku-Soap sieht, dann hilft die ganze theoretische Chancengleichheit nichts. Da müssten erst die Eltern umerzogen werden. Denn nichts ist so effektiv in positiver wie negativer Hinsicht: Lernen am Vorbild

      Dazu ein schlauer Satz aus meinem Kalender:

      Man kann seine Kinder noch so gut erziehen, sie machen einem ja doch alles nach.
      (Karl Kaltenegger)

      Und genau DAS ist die Chancengleichheit-Bremse schlechthin, denn dann müsstest Du Elterngleichheit einführen.

      Antwort

      • Posted by Benedicta on 29. September 2009 at 10:55 pm

        Dummerweise trifft es aber nicht nur Kinder, deren Eltern sich nicht kümmern, sondern auch andere.
        Außerdem: wie kommt es denn zu den Popkorn-schmatzenden Eltern? Richtig – die hatten ja auch schon keine vernünftige Ausbildung…
        Das Problem ist, dass du nicht mit den Fingern schnippen kannst und *schwupp* ist das Problem gelöst. Jahrelange elitäre Bildungspolitik rächen sich jetzt an genau dieser Stelle – die Unterschichten haben in Jahrzehnten eines sehr gründlich gelernt: „Wir haben keine Chance“. Das wieder umzupolen wird lange, intensive Arbeit benötigen – und muss bei den Kindern ansetzen, denn für die Eltern ist es – leider – zu spät.

        „Es gibt keine Chancengleichheit“ – also müssen wir uns auch nicht anstrengen? Falsch. Wir brauchen heute – mehr denn je – *qualifizierte* Arbeitskräfte. Soviel vorhandenes Potential zu verschwenden, einfach weil es zu beschwerlich erscheint die Menschen zu fördern – das ist gerade heute schlicht und einfach dumm, und unwirtschaftlich noch dazu.

        Erschwerend kommt hinzu, dass jede Änderung am Schulsystem mindestens ca. 15 Jahre braucht, um auf dem Arbeitsmarkt wirksam zu werden.
        – 6 Monate Lehrplan entwerfen
        – 6 Monate, um das umzusetzen
        – 1 Jahr, um Lehrkräfte zu schulen und das Programm ans Laufen zu bringen.
        Dann fängt das Ganze in einer 5. Klasse an – die Schüler brauchen dann also noch 8 Jahre bis zum Abitur und 4-6 Jahre Studium…

        Die Vorstellung, dass im Bildungsbereich „kurzfristig“ 15 Jahre bedeutet – das übersteigt so die Vorstellungskraft so manchen Wirtschaftsmenschen (von Politikern ganz zu schweigen).

        Antwort

  2. @ Benedicta, das mit der elitären Bildungspolitik kann ich so als Grund nicht ausmachen – im Gegenteil: Wenn auch Akademiker (und ich meine hier nicht nur die Ärzte, sondern – wenn ich Deine un(ter)bewußten Andeutungen nicht völlig mißvestanden habe – auch unversitäre Mathematiker/Informatiker) nur noch dann zu „Reichtum“ kommen können, wenn sie sich unfair, rücksichtslos oder unmoralisch verhalten, dann ist da in der Gesellschaft irgendwie der Wurm drin. Mit Fleiß und Ehrlichkeit kommt man doch heute nicht mehr weiter, nur noch als Händler (mit den vielen „wenigen Cents“, die ein Produkt überteuert ist, als Brooker, indem man den Kunden jedes Schrottpapier aufschwatzt und es hinterher nicht gewesen sein will, als banker mit entsprechendem Insiderwissen oder als Politiker, der links wie rechts die Hand aufhält! Und diese Stiuation wird ständig schlimmer! Die heutige Jugen hat keine Perspektiven mehr, egal mit welcher Schulbildung und mit welchem Abschluss!.

    Und da kommt genau die Forderung der FDP, nämlich dass sich L e i s t u n g lohnen muss! Das ist keine Ausgrenzung der sozialen Unterschicht (eher ein Ansporn und eine Möglichkeit), sondern ein Dämpfer für die reichen Schmarotzer (natürlich gibt es auch sehr fleißige Reiche; die sollen ihren Reichtumjn auch genießen dürfen )! Die deutsche Neidkultur hat – viel eher als eine „elitäre Bildungspolitik“ – dazu geführt, dass wir uns bald alle bei Hartz-IV wiederfinden! Welche „Perspektive“!!!

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 30. September 2009 at 1:59 pm

      Definiere „Leistung“.
      In der FDP liest sich das nämlich als „die Einkünfte der Gutverdienenden sollen nicht für Steuern draufgehen“.
      Gleichzeitig soll aber der Kündigungsschutz gelockert werden, die Lohnnebenkosten gesenkt, etc.pp. – wo lohnt sich denn da die Leistung der Kleinverdiener?

      In der Gesellschaft ist der Wurm drin, da hast du Recht. Gegenmittel ist die Solidarisierung mit den Schwächeren – auf jeder Ebene. Und das heißt auch: Hilfestellung im Bildungsbereich.
      Den Satz, dass die heutige Jugend gar keine Perspektive hat, kann ich so aber nicht stehen lassen. Gerade im oberen Segment (hochqualifizierte Jobs) wird doch gesucht wie blöd.

      Zum Thema Neidkultur: in unserer Kultur neiden die Reichen den Armen die Sozialhilfe – so siehts doch aus. Guck dir mal die ganze Hartz IV-Debatte an… da werden „Haushaltspläne“ angeführt als Beweis dass die Gelder reichen, auf denen noch nichtmal Klopapier vorgesehen ist… eine Tageszeitung übrigens auch nicht.

      Antwort

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