Ärztemangel – wir tun was – Teil 2


Gestern traf ich einen pensionierten HNO-Kollegen. Er berichtete, dass er nun wieder mit seinen knapp 70 Jahren zu arbeiten begonnen habe.

Er arbeite in einer Praxis in einer nicht allzuweit entfernten Stadt mit ca. 25 000 Einwohnern. Der dort allein tätige HNO-Arzt war vor knapp einem Jahr unter mysteriösen Umständen bei einem Unfall ums Leben gekommen.

Der Praxissitz in dieser Stadt ist seitdem nicht mehr  zu besetzen. KEIN junger HNO-Arzt möchte sich dort niederlassen, wo er praktisch konkurrenzlos tätig sein könnte. Und das mitten in Bayern, wo ja angeblich Milch und Honig fließen.

Der Kollege hat nun in seinem hohen Alter wieder den Praxissitz erhalten und diesen dann – drei Mal dürft Ihr raten – an ein MVZ verkauft, das von einem Radiologen geleitet wird. Er ist jetzt Angestellter und sieht das gelassen, weil er längst seine Schäfchen im Trockenen hat.

Der „Markt“ wird also gemäß der Lauterbachschen Maxime schon verteilt.

Der HNO-Kollege hatte übrigens noch die goldenen Zeiten erlebt, deretwegen uns heute immer noch der Ruf der Super-Reichen anhaftet. Als ich vor 5 Jahren meine Praxis eröffnete, wollte er mich beraten, wie ich Grunderwerbssteuer sparen könnte. Als ich ihn entgeistert anblickte, war es ihm dann doch etwas peinlich. Als er in Pension ging, erzählte er mir, wie froh er sei, aufhören zu können. Vor 25 Jahren habe er pro Patient etwa das Dreifache erhalten, wie heute. Aber gewehrt habe er sich nie gegen den Preisverfall seiner Leistung. (Wahrscheinlich waren Häuser und Praxis längst abbezahlt)

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