Der Markt wird verteilt – die Großinvestoren schlagen zu


Die Lauterbach-Vision – der Markt der niedergelassenen Fachärzte werde 2009/2010 unter Großkonzernen und -investoren verteilt – nimmt weiter seinen Lauf.
Wie ja immer wieder betont wird, ist ja mehr Geld im System für niedergelassene Ärzte, nur kommt es vor allem bei denen an, die eh schon im Geld schwimmen. Zum Beispiel bei Laborärzten. Die Honorierung derselben ist deutlich gestiegen (wie hierdurch die Patientenversorgungsqualität verbessert werden soll ist unklar).

DEN Laborarzt gibt es schon lange nicht mehr. Es sind riesige Zusammenschlüsse von MVZs mit Großkonzerncharakter. Dass hier unglaublicher Profit zu machen ist, das riechen nun auch Großinvestoren der Finanzbranche, selbst aus dem Ausland. Aktuelles Beispiel: Labordienstleister SYNLAB aus Augsburg. Der europäische Finanzinvestor BC Partners kauft 40% der Gesellschafteranteile. Über den Kaufpreis wurde geschwiegen, in Finanzkreisen werden ca. 500 Millionen (!) Euro vermutet.

Dieses Beispiel zeigt: es ist nicht zu wenig Geld im System – das Problem ist die gegenwärtig Verteilung, die eindeutig dazu antreibt, dass der Gesundheitsmarkt wie jeder andere Markt rein ökonomisch betrachtet und behandelt wird. Gewinnmaximierung bei maximaler Kostensenkung der Versorgung, das ist das Ziel der Gesellschafter und Aktionäre. Der Patient, seine Leiden, Bedürfnisse und sein persönliches Schicksal haben darin keinen Platz mehr. Er ist nur noch eine cash-cow, ein gewinnbringender Kunde zum Melken.

Mich hat die Firma Synlab übrigens auch persönlich in einem Schreiben über den Coup informiert und dabei beschwichtigend u.a. auch „Altersgründe“ für den Einstieg eines Investors angegeben.

Übrigens breitet sich Synlab weit über die Labormedizin hinaus aus. Ein Gynäkologe arbeitet bereits als Angestellter in einer Praxis für Synlab.

Das ist die Entwicklung, die auch Renate Hartwig  auf die Barrikaden treibt. Wehren wir uns auch nach den Wahlen weiter gegen diesen Wahnsinn, der in anderen Kreisen (s. Bankenkrise) schon zum Kollaps geführt hat.

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3 responses to this post.

  1. War ja klar, dass – wenn schon interessierte Kreise das Gesundheitswesen als 6.Kondratieff-Zyklus ansieht – die Kleinen von den Großen mit (Argumentations-)Hilfe der Politik an den Rand gedrängt werden. Nur leider war halt aus jedem Kondratieff-Zyklus nach kurzer Zeit die Luft für die ganz großen Gewinne raus – und die Heuschrecken zogen weiter! Was sie hinterlassen hatten? … Aufstände, Kriege, Leid und Schmerz. Und zuletzt haben sie sich selbst aufgefressen.

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  2. Demnächst kämpft diese Renate Hartwig noch gegen die Supermärkte, um die „niedergelassenen Einzelhändler“ zu schützen 🙂

    Spass beiseite – besser ein grosses Labor mit standardisierten Prozessen, als so wie früher einen Laborarzt der in seiner umgebauten Küche oder Garage mit zittriger Hand bestimmte Tests nur alle paar Monate einmal macht und das Ergebnis nach einigen Tagen auf einem Schmierzettel in Ärzteschrift abliefert. (Die Ziffern 0, 6, 8 und 9 sehen grundsätzlich gleich aus)

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    • Posted by drgeldgier on 13. Oktober 2009 at 2:32 pm

      Dein Argument für ausreichende Laborgröße in Ehre. Aber kannst Du verstehen, warum ausgerechnet Laborärzte, die seit 20 Jahren zur Creme de la Creme der Verdiener gehören (mehrere hunderttausend Euro Gewinn pro Jahr eigentlich die Regel) und somit den Arztdurchschnitt (den ja Frau Schmidt – Gott hab sie selig immer so propagandamäßig ins Feld führte deutlich) heben, warum diese „Ärzte“ bei der letzten Reform auch noch kräftigen Nachschlag erhielten?
      Genau diese Politik führt eben dazu, dass Investoren auftreten, weil sie sehen, hier lassen sich fette Gewinnmarchen erzielen.
      Beim Reflexe-Klopfen als Neurologe eben nicht so, deshalb hat mich auch noch keiner gefragt, ob er mit 500 Millionen bei mir einsteigen darf.

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