Wellnessurlaub mit Ihrer Krankenkasse – die Versicherten zahlen es ja


Nicht mal im Fußballstadion hat man seine Ruhe
Heut hab ich meiner Tochter einen langersehnten Wunsch erfüllt. Fußballspiel in der Allianz-Arena: Bayern – Leverkusen 1:1 (1. Halbzeit hui – 2. Halbzeit pfui).

Leider lässt mich „mein“ Thema auch an einem so wunderbar sonnigen Spätherbstsonntag bei der schönsten Nebensache der Welt nicht los.

In der Halbzeitpause gab es ein „Elfmeterschießengewinnspiel“. Drei vom Stadionsprecher willkürlich ausgesuchte Zuschauer durften/ mussten aufs Tor schießen. Im Tor stand aber nicht ein hochmotivierter Keeper. Nein, da standen Doc Charly und noch so ein Maskottchenungetüm. Jedenfalls also ne Riesenmaus und ein grünes Irgendwas dessen Namen ich auch vergessen habe. Es sind zwei berühmte Maskottchen der KKH-Allianz Krankenversicherung, wie der Stadionsprecher verkündete.

Wellnessurlaub auf Kassenkosten
Jeder der drei Teilnehmer schoss drei Mal. Natürlich gab es auch dolle Preise, die von der KKH-Allianz-Krankenkasse gesponsort wurden:

1. Preis:  4 Tage für 2 Personen Wellnessurlaub in Deutschland mit Halbpension

2. Preis: 100€

3. Preis: 50€

Gesund? Gesetzlich oder entsetzlich gessund?
Im Vergleich zur Bandenwerbung, die immer wieder mal kam:
„KKH-Allianz – gesetzlich gesund“, waren die Preise sicher „Peanuts“.

Aber was ist bitte „gesetzlich gesund“ – das gleiche wie krank??
Und warum werden von den Beiträgen einer Krankenversicherung, die die Versicherten im Vertrauen auf ausreichende Leistungen im Krankheitsfall zahlen, Wellnessurlaube, Geldpreise und Bandenwerbung bezahlt?

Wenn DAS der neue Wettbewerb im Gesundheitswesen ist, dann kann es nur teurer werden. Denn dann fließt das Geld vor allem in die Werbe- und Marketingabteilung und nicht mehr zu den Leistungserbringern bzw. in die Leistungen für die Patienten.

Wenn die Bayern ein bisserl flotter Fußball gespielt hätten, wär mir dies alles heute sicher nicht aufgefallen. So wie den übrigen 68999 im Stadion auch nicht.

Die werden sich erst dann Ärgern, wenn ihnen die Kassen eine Kostenerstattung eines Medikamentes wieder einmal verweigert, auch wenn es nur um 14,33€ ging. Klar doch, von irgendwas muss der Wellnessurlaub für den Maskottchenbezwinger ja bezahlt werden.

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12 responses to this post.

  1. Posted by Benedicta on 23. November 2009 at 12:40 am

    ICH frag mich da ja eher, warum es ok ist, wenn jemand mehrere Millionen dafür bekommt einem Ball hinterher zu laufen, während Schichtarbeiter in der Industrie bei voller Arbeitszeit ihren Lohn von der Arbeitsagentur auf Hartz IV aufstocken lassen müssen.

    Btw: die Allianz ist auch ne Versicherung… (keine Krankenversicherung, aber immerhin). Ist es denn besser, wenn eine Versicherung das Geld der Versicherten für Fußball verschwendet?

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 23. November 2009 at 7:42 am

      Tja, das mit dem Wert von Arbeit, das hatten wir ja schon mehrfach hier Benedicta. Ich denke da ist Fußball ein spezielles Phänomen. Aber im vorliegenden Fall ist es ja Geld, das in der Regel PFLICHT-Versicherte ausgeben MÜSSEN, damit sie krankenversichert sind. Und denen wird dann immer vorgegaukelt, dass ihre Krankenversicherungsbeiträge ständig steigen würden, weil es eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen gäbe, was so eben auch nicht stimmt.
      Und dann ballert man drei mal auf Komikfiguren und bekommt einen Wellnessurlaub.

      Antwort

      • Posted by Benedicta on 23. November 2009 at 5:09 pm

        Bedenke doch bitte mal die Relationen.
        1 Wellnessurlaub für zwei, was mag das kosten?
        1 Tag Wellness im Doppelzimmer kostet laut google keine 200 Euro.
        Das * 4, + 100 euro + 50 Euro – Summa summarum rundgerechnet und geschätzt knapp 1000 Euro.

        1 Monatsbeitrag bei meiner Einkommensklasse und meiner Krankenkasse – sind ca. 500 Euro.
        Die Werbemaßnahme kostet also grade mal 2 Monatsbeiträge mittlerer Gehaltsstufe.

        Klar, man kann sich über diese Peanunts aufregen… aber es gäbe auch lohnendere Finanzlöcher zu stopfen.

        Antwort

  2. Posted by drgeldgier on 23. November 2009 at 5:34 pm

    @benedicta: hast Du auch daran gedacht, was es kostet, in der Halbzeitpause eines Spitzenbundesligaspiels den Rasen des FC Bayerns zu mieten um vor 69 000 Zuschauern dieses Gewinnspiel auszutragen? Du glaubst doch nicht im Ernst, dass der FC Bayern hier auf ein Entgelt verzichtet hat. Zudem die üppige Bandenwerbung „KKH-Allianz – gesetzlich gesund“ über die Halbe Bande….. Da bist Du schnell bei 10 000€. Zugleich als Moderator der Stadionsprecher, und und und….

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 23. November 2009 at 6:55 pm

      Du hast aber über den Wellnessurlaub gemotzt, nicht über „Kasse macht Werbung“.

      Mir wäre es auch lieber, die Kassen würden mit den Versicherungsbeträgen Sinnvolles tun.

      Andererseits – Werbung gehört nun mal zur freien Marktwirtschaft. WENN du Wettbewerb zwischen Kassen haben willst, ist die Werbung ein zwingendes Nebenprodukt. Gerade die FDP ist doch immer gegen jedwede marktregulierende Einmischung.
      Und die Vereine sind auch auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Ohne Werbung kein Fußball!

      DU vertrittst die freie Marktwirtschaft, DU bist Fußballfan. Die Argumentation „aber nicht auf Kosten MEINER Vergütung“ (und darauf läuft es raus – DU bist der, der mit nicht übernommenen Medikamenten den meisten Stress hat!) ist da schlicht und einfach inkonsequent.

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      • Posted by drgeldgier on 23. November 2009 at 8:07 pm

        Nein – es läuft auf ein „aber nicht auf Kosten der Leistungen für meine Patienten“ und nicht auf Kosten „meiner Vergütung“ hinaus. Das ist eine Verknüpfung, die Du bei anderen immer als Unfähigkeit kritisierst.
        Ein Wettbewerb der Kassen sollte sich nicht auf einen idiotischen, aber extrem teuren Halbzeit-Kick ausdehnen, der den Patienten bzw. Versicherten wirklich nur Geld kostet. Es wäre schon interessant – vor allem für die Versicherten – wo denn nun genau das Geld der Kassen überall versickert. Denn bisher wurde ein gnadenlose Offenlegung dieser Zahlen immer auch politisch verhindert.

        Antwort

      • Posted by Benedicta on 23. November 2009 at 10:18 pm

        Ja, ich hab es polemisch überspitzt – hab ich mir bei dir abgeguckt 😉

        Und jetzt bin ich mal gespannt, wie du es mit den FDP-Grundsätzen von freier Marktwirtschaft vereinbaren willst, die Werbung der Kassen auf bestimmte Bereiche zu begrenzen… auch die Offenlegung von Daten privater Unternehmen (und das SIND die Kassen! Die sind schließlich nicht staatlich!) dürfte sich wohl kaum mit den Statuten deiner Partei vereinbaren lassen.

        Davon mal abgesehen – eine Annoncenserie in einer Tageszeitung kostet vermutlich auch nicht weniger als die Werbung beim Kick… und von beidem profitieren letztlich auch wieder „die Versicherten“ – beim einen durch günstigere Zeitungspreise, beim anderen durch günstigere Stadionkarten oder hochwertigeren Fußball.
        Geld, das für Werbung ausgegeben wird, fließt wenigstens zurück in den hiesigen Markt. Das ist immer noch besser als Geld, das für astronomische Managergehälter draufgeht – DAS landet auf irgendeinem Schweizer Nummernkonto!

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  3. Posted by Special Agent Gibbs on 23. November 2009 at 5:54 pm

    Tja, leider bleibt man auch bei einem Fußballspiel nicht von der Ungerechtigkeit der Welt verschont… 😦

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  4. […] meinem letzten Posting, das eigentlich zu einem harmlosen Bericht über ein noch harmloseres Fußballspiel werden sollte, […]

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  5. Posted by Locken_Paule on 17. Juni 2010 at 1:53 pm

    Alles Quak…das Buget für Werbung für gesetzliche Krankenkassen ist gesetzlich gedeckelt. Wellnessgutscheine o.ä. Preise sind oftmals gespornsored von Partnern der KKH-Allianz.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 17. Juni 2010 at 7:50 pm

      Vielen Dank für den Hinweis: „Gesetzlich gedeckelt“ hätte ich aber gerne belegt. Also bitte konkrete Nennung des Gesetzes bzw. des Paragraphen zum Nachlesen. Bin ja mal gespannt.

      Antwort

  6. […] Krankenkassen und warum mich deren Werbung nervt 20 Jan In meinem letzten Posting, das eigentlich zu einem harmlosen Bericht über ein noch harmloseres Fußballspiel werden sollte, […]

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