Gesetzliche Krankenkassen und warum mich deren Werbung nervt


In meinem letzten Posting, das eigentlich zu einem harmlosen Bericht über ein noch harmloseres Fußballspiel werden sollte, hatte ich mich über die Werbeaktion der KKH-Allianz Krankenversicherung geärgert, die die Halbzeitpause für einen peinlichen und sicherlich teuren Werbeauftritt nutzte.

Dies führte zu einem heftigen Disput mit einer treuen, aber auch kritischen Leserin, der darin gipfelte, dass sie mir vorwarf, einerseits für mehr Wettbewerb zu sein, andererseits den Gesetzlichen Krankenversicherungen aber das Werben verbieten zu wollen.

Zitat: „Und jetzt bin ich mal gespannt, wie du es mit den FDP-Grundsätzen von freier Marktwirtschaft vereinbaren willst, die Werbung der Kassen auf bestimmte Bereiche zu begrenzen… auch die Offenlegung von Daten privater Unternehmen (und das SIND die Kassen! Die sind schließlich nicht staatlich!) dürfte sich wohl kaum mit den Statuten deiner Partei vereinbaren lassen.“

Dieser Passus ist es mir wert, Dir, liebe Benedicta, bzw. meiner Erwiderung einen extra Artikel zu widmen:

1. Die FPD und ich:
Die FDP  ist – daraus mache ich keinen Hehl – wirklich die Partei, die meinen Ansichten  gesundheitspolitisch am nächsten kommt. Das heisst aber keineswegs, dass ich alles gutheiße, was die FDP sonst noch von sich gibt. Soviel mal prinzipiell.

2. Der Status der gesetzlichen Krankenkassen – kein freier Wettbewerb
Die gesetzlichen Krankenkassen sind eben KEINE Privatunternehmen, wie Du glaubst. Gesetzliche Krankenkassen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und deshalb unterliegen sie eben auch keinem wirklich freien Wettbewerb (bestes Beispiel: einheitlicher, von der Politik aufgesetzter Beitragssatz). Und genau das ist der Grund, warum ich es pervers finde, wenn diese Körperschaften des öffentlichen Rechts horrende Summen Geld für Werbung durch den Schornstein jagen.

3. Wettbewerb nur bei Privatisierung der GKV möglich
Die FDP fordert aber genau dies, nämlich dass auch die Gesetzlichen Krankenkassen ihren Körperschaftsstatus verlieren und wie die Privaten Krankenversicherungen auch private Unternehmen werden sollen. Nur dann kann Wettbewerb im marktwirtschaftlichen Sinn herrschen und nur dann kann ich solche Werbeaktionen akzeptieren.

4. Rechenschaftspflicht einer Körperschaft des öffentlichen Rechts
Von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, wie es die Gesetzlichen Krankenkassen sind, kann man durchaus verlangen, dass sie offenlegen, wo das Geld verprasst wird, denn diese Rechenschaft sind sie den Beitragszahlern eigentlich schuldig.

5. Die Gesetzliche Krankenversicherung ist keine Versicherung
Den Begriff Gesetzliche KrankenVERSICHERUNG lehne ich ab, denn die GKV ist momentan alles andere als eine Versicherung im eigentlichen Sinn. Das Risiko – beispielsweise von Seuchen oder Zunahme sonstiger schwerer Krankheiten, tragen allein die Leistungserbringer. Vor jedem Quartal steht nämlich bereits fest, welche Summe die GKVs an die Leistungserbringer zu zahlen bereit ist. Für ein Komplettpaket quasi. Das hat mit dem eigentlichen Versicherungsgedanken nichts zu tun.

Ich danke meiner treuen und kritischen Leserin für die Steilvorlage, auf dass sie mir weiterhin gewogen bleibe.

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One response to this post.

  1. Posted by Benedicta on 23. November 2009 at 11:20 pm

    Na, aber immer doch 🙂

    Ich teile deine Meinung zwar nicht unbedingt, aber so ist es zumindest konsistent. Und das kann ich akzeptieren.

    Antwort

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