Adventskalender: das dritte Türchen – sperrangelweit offen


Advent“ beim Arzt
Advent heisst auch „Ankommen“. Ankommen, das kann man auch beim Arzt. Gerade in Deutschland ist das nicht nur im Advent weit verbreitet.

18 Mal geht der Deutsche im Durchschnitt pro Jahr zum Arzt. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Weltspitze.

Woran liegt das?
Das ist sicher nicht ganz banal zu beantworten. Ein Grund ist aber sicherlich der, dass Ärzte sich immer weniger Zeit nehmen, da sie pro Patient in den letzten Jahren auch immer weniger Honorar bekommen. Das führt dann wieder oft dazu, dass viele Patienten sich nicht gut untersucht oder behandelt fühlen und deshalb wieder oder zu einem anderen Arzt gehen. Das führt zum weiteren Honorarverfall und zu noch weniger Zeit pro Patient, die „Hamsterrad“-Spirale dreht sich weiter.

Das Tor ist zu weit offen
Ein weiterer Grund ist aber auch der ungebremste Zugang zum Arzt in unserem System. Der Pat. kann gemäß einer Vollkasko-Mentalität beliebig oft den Arzt aufsuchen, ohne dass ihm daraus ein finanzieller Schaden entstünde. Er kann nicht einmal einsehen, wie viel Geld er gerade seiner Versicherung und damit letztlich der Allgemeinheit gekostet hat. Wenn man allein die aktuelle Statistik beim Kinderdoc einsieht, die zeigt das bei ihm in den letzten beiden Monaten ca. 1000 Patienten wegen Erkältungssymptomen waren, dann wundert einen nichts mehr.
Andere Länder, mit einer geringen Selbstbeteiligung pro Arztbesuch, haben erheblich weniger Arztkontakte pro Jahr.

Gerade in der Schweiz haben Ärzte pro Tag deutlich weniger Patienten, als hier in Deutschland, bei deutlich besserer Bezahlung pro Patient. Die Patienten fühlen sich insgesamt wesentlich besser behandelt, suchen den Arzt auch seltener auf (sicher auch wegen einer gewissen Eigenbeteiligung) und das Arbeiten als Arzt scheint dort wesentlich befriedigender zu sein.

Mein Vorschlag deshalb:
1)  gewisser Eigenanteil pro Arztbesuch (mit Höchstgrenze für chronisch Kranke und Sonderregeln für Einkommensschwache selbstverständlich)

2) Wieder bessere Honorierung der einzelnen ärztlichen Leistungen, damit der Hamsterrad-Effekt nicht mehr nötig ist. Die Patienten sollten auch direkt eine Rechnung einsehen können. Hierdurch wird dem Einzelnen besser bewußt, was er an Kosten verursacht, gleichzeitig besteht eine gewisse Kontrolle gegen Abrechnung nicht erbrachter Leistungen.

3) Zur Verhinderung, dass Ärzte weierhin Massenabfertigung betreiben, um ihre Einnahmen massiv zu steigern: Zeitlimitierung der Leistungen einführen. Damit ein Arzt halt nich 30 Ultraschalluntersuchungen pro Tag abrechnen kann, die eigentlich zeitlich gar nicht sinnvoll zu schaffen sind.

 Zusammenfassend könnte mit diesem System mehr Transparenz, Zufriedenheit und Qualität erreicht werden. Auch die Kosten würden sicher nicht explodieren. Aber manche wollen ja gar keine Transparenz, da sonst aufkommen würde, wo das Geld der Versicherten überall versickert.

Advertisements

9 responses to this post.

  1. Ich bin zwar kein Arzt, aber anderweitig am Gesundheitssystem beteiligt, und für mich klingt das überzeugend. Leider rechne ich trotzdem nicht damit, dass es in absehbarer Zeit so kommen wird.

    Antwort

  2. …und die Abschaffung der Quartale.
    Dass Gesunde Leute, welche eine Dauermedikation benötigen alle drei Monate zum Arzt müssen um ihre Karte durchziehen zu lassen ist ein entscheidender Teil des Hamsterrades.

    Antwort

  3. Solange es der Politik (und der hinter ihr stehenden Wirtschaft) immer nur um „Einsparungen“ geht, wird sich nichts ändern können, denn die Ärzte können von „Einsparungen“ der Gegenseite nicht besser leben sonder schlechter. Das wollen die aber nicht. Also: weiter im Hamsterrad!

    Politik und Wirtschaft müssen endlich akzeptieren (bzw sich wieder daran erinnern!) dass eine gute medizinische Versorgung zu sozialem Frieden und zu wirtschaftlicher Prosperität führt (z.B. Gründerzeit 1890 bis 1910 und Nachkriegszeit 1950 bis 1970!)

    Aber unsere „Geiz ist geil“-Gesellschaft meint ja immer, man könne mit immer wenigerGeld immer mehr bekommen! Das gilt eigentlich nur für die „Chefs“. Und das funktioniert nur über Ausbeutung der „Schwächeren“. Aber das gilt auch nur so lange, bis die Zitrone ausgepresst ist. Und das ist sie jetzt!

    Antwort

  4. Posted by Special Agent Gibbs on 4. Dezember 2009 at 12:24 am

    Gute Vorschläge, die du da machst, aber ob die jemals umgesetzt werden, bleibt die Frage… Leider!

    Antwort

  5. vielleicht
    4) Diese ganze Panikmache um jede blöde Krankheit vermeiden. Wir werden doch gerade zu von Warnungen, Werbungen und klinischen Studien überschüttet, dass wir in einer gefährlichen Zeitleben wo jeder Husten und Schnupfen zur lebenslangen Arbeitsunfähigkeit führen kann weil gewissen Symptome bei gefährlichen Krankheiten ähneln. Sie haben ein Kratzen im Hals? Könnte eine Lungenentzündung sein die ihr Rückenmark angreift.

    Entschuldigt diese blödsinnige Übertreibung nur bei solchen Zuständen wie jetzt wird jeder Verunsicherte zum Arzt rennen weil sein Finger blutet.

    Aber sehr gute Vorschläge im Eintrag 😉

    Antwort

  6. Meinungen und Vorschläge werden so aber zumindest gehört und gelesen, ein kleiner Schritt, aber besser als nie seine Meinung verkünden!

    Antwort

  7. Ich finde die Idee auch gut.. Vielleicht noch, dass ein Arzt, der einen Dauerpatienten hat, bei dem nicht so hohe Kosten hat bzw. auch mal Rezepte für längere Dauer oder mit mehr Freiraum ausschreiben darf, damit man nicht immer pro Quartal ständig nerven muss, dieses und jenes mal wieder zu bekommen…

    Antwort

  8. […] Impressum « Adventskalender: das dritte Türchen – sperrangelweit offen […]

    Antwort

  9. … und was ist, wenn ich bzw. wir alle, als Arbeitnehmer am dritten Fehltag eine Krankmeldung bringen müssen und man sich deßhalb zum Arzt schleppen muß (Hamsterrad) obwohl jeder weiß, dass einfach mal 3 Tage Bettruhe die Dinge wieder richten würden? Ich denke die Situation ist übergreifend zu behandeln.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: