Mein schönstes Weihnachtsgeschenk


Kleines Geschenk mit großer Wirkung

Dieses Weihnachten war das kleinste Geschenk unterm Baum für mich das Größte. Es war ein kleiner Brief, an mich persönlich adressiert. Absender: Bundesministerium für Gesundheit, Berlin.

 Nicht schon wieder ein Aufruf zur Grippe-Impfung, wie ich ihn vergangene Woche von Dr. Rösler schon in die Praxis geschickt bekam, dachte ich zunächst. Aber nein. Es war ein persönlich an mich gerichtetes Schreiben.

Da schreibt mir einer der Staatssekretäre des Ministeriums (den Namen will und darf ich nicht nennen), dass er mir im Namen des Ministers herzlich für mein gesundheitspolitisches Engagement der letzten 12 Monate danke. Er – der Herr Minister – sei sich sehr wohl bewußt, dass die aussergewöhnlich engagierten Wahlkampfkampagnen einiger Ärztegruppen nicht unerheblich zum Wahlerfolg der FDP und damit zum Regierungswechsel beigetragen hätten.

Na endlich mal einer der es kapiert hat, dass wir uns den A…. aufgerissen haben, um Ulla ins Nirwana zu befördern. Hat es sich am Ende doch gelohnt?

Dann entschuldigt er sich dafür, dass in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit – außer ein paar Absichtsbekundungen – noch nichts geschehen sei. Dies liege einerseits daran, dass ihm derzeit Lobbyisten jeglicher Art die Türen einrennen würden und nach alter Manier versuchten, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Andererseits leider auch daran, dass sich in Reihen der Unionsparteien viele überhaupt nicht mehr an ihre Wahlkampfversprechen erinnern könnten.

Tja, da könnte ich hier in Bayern gleich ein paar Namen nennen. Die SZ glaubte damals schon einen „Ärzteflüsterer“ im Bayerischen Gesundheits-ministerium auszumachen.

Letztlich, so der Minister (bzw. sein Staatssekretär) gehe es ihm jetzt auch nicht darum die Klientel der Ärzte zu befriedigen, sondern eine vernünftige Umgestaltung des Gesundheitswesens zu erreichen, die vor allem den Patienten zu Gute käme.

Ein persönliches Schreiben erneut mit leeren Phrasen gefüllt dachte ich bei mir und schluckte den Lebkuchen, den ich aufgehört hatte zu essen endlich runter. Ich las weiter, den Glühwein in Reichweite.

Ihm, dem Minister, sei deshalb sehr daran gelegen mit Ärzten der „Basis“, Ärzten also, die nicht an irgendwelchen Ämtern bei Berufsverbänden oder der Kassenärztlichen Vereinigung verdienen, ein grundlegend neues Konzept zur Neugestaltung des Gesundheitswesens zu arbeiten. Deshalb würde er gerne eine Woche in meiner Praxis hospitieren, um einen konkreten Eindruck der Situation vor Ort zu bekommen und dann auch mit mir und anderen Gleichgesinnten konkrete Schritte einzuleiten.

Ups, dachte ich mir. Mit dem Herrn Minister und seiner fernöstlichen Aura in der Praxis, kann ich sicher innerhalb einer Woche meinen Akupunkturumsatz verdreifachen 😉
Ich nahm einen kräftigen Schluck des leckeren Glühweins, obwohl mir schon heiß genug war. Mit leicht verbrannter Zunge las ich gebannt weiter:

Dr. Röslers Ziel sei es, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein System zu etablieren, das eine weiterhin flächendeckende, hochqualitative medizinische Versorgung garantiere, bei dem das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis im Vordergrund stehe und nicht die Gewinnmaximierung für Klinkkonzerne, MVZs oder Krankenkassen.
Gleichzeitig solle das Führen einer Arztpraxis durch eine durchdachte, völlig neugestaltete Gebührenordnung mit direkter Abrechnung mit dem Patienten wieder planbar werden. Den Hamsterradeffekten mit Massenabfertigung im Fließbandstil müsse eine klare Absage erteilt werden, Patienten sollten überprüfen können, welche Leistungen abgerechnet werden und was ihre Behandlung kostet …

Ich fühlte beim Lesen immer mehr Glückshormone in mir aufsteigen. Endlich einer der kapiert hat, was jetzt angesagt ist, dachte ich mir zufrieden. Dann waren also doch all die Abende nicht umsonst, die ich am PC saß, Kollegen aktivierend, Blog schreibend, mir den Kopf zerbrechend, wie es weitergehen soll.

Dabei sei dem Gesundheitsminister sehr wohl bewußt, dass gewisse Arzt- und Funktionärsgruppen, aber auch Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen überhaupt nicht an so einer vernünftigen Umgestaltung interessiert seien. Diese fürchteten nämlich die dadurch entstehende Transparenz, durch die ans Tageslicht kommten könnte, wo das Geld derzeit zum Teil unsinnig und völlig ungerecht versickert.

Noch ganz vom Glücksrausch geschwängert spürte ich plötzlich was Feuchtes an meiner linken Hand. Hatte ich den Glühwein umgekippt?

Als ich hochsah, leckte mir unser Hund die Hand und wedelte freudig mit seinem Schwanz. Ich war unterm Christbaum auf dem Sofa eingeschlafen. Ein Brief aus Berlin lag leider nicht unterm Weihnachtsbaum. Dafür unser Pudel, der Kuschelbär.

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19 responses to this post.

  1. oh, und ich dachte schon …
    wo ist das Hundefoto?

    Antwort

  2. hübsch :-),Tierfotos gehören einfach ab und an ins Blog!

    Antwort

  3. Ich bin auch für mehr Pudelfotos. Würde mich auch interessieren, was Sie von tiergestützer Therapie halten? Vielleicht können Sie mal im Weblog was dazu schreiben? Habe mich gefreut, dass Sie mein Weblog verlinkt haben. Einen guten Rutsch und alles Gute für 2010.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 27. Dezember 2009 at 8:09 pm

      Hatte ich schon befürchtet, dass es jetzt mehr um den Hund, als um meinen Traum geht.
      Trotzdem danke.
      Zum Thema Tiere und Therapie – danke für den Themenvorschlag

      Antwort

  4. nein, so ein feuchter Traum ist schon auch wichtig. vielleicht mal ein artikel, dein dein hund ja mit dir leidet 😉

    Antwort

  5. Ist das einer von der großen Pudelsorte?
    Ich persönlich steh ja eher auf … eher kräftigere Hunde ^^ Also so irische Wolfshunde oder Doggen oder so *träum*
    Und was den Traum angeht – das wäre ja zu schön, aber seit wann interessiert sch ein Durchschnittspolitiker schon für so was – das wäre ja menschlich und nachdenken müsste man da ja auch noch..

    @Su-Mu: Na, wenn er mit feuchten Hundeträumen anfängt, bekomm ich Angst 😉

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 28. Dezember 2009 at 11:18 am

      Er ist ein Zwergpudel und hat uns gut erzogen. Ich weiß, dass sich manche Männer gerne mit großen, kräftigen Hunden oder gar Wach- oder Kampfhunden schmücken. Ich brauch sowas nicht. Meinen Kampf hab ich auf Arbeit und zu Hause bin ich froh einen Kuschelbären zu haben. (Soll aber nicht heissen, dass ich große Hunde nicht toll fände)
      @ Su-Mu: ich sollte vielleicht „feuchte Träume“ als Tag benutzen, dann hätte ich wohl ordentliche Traffic(k) auf meinem Blog 😉

      Antwort

      • Da sieht man mal, was die Perspektive ausmacht. Auf Z-w-e-r-g-pudel hätte ich nicht getippt, sondern auch auf größer. Am Ende ist er auch nicht braun wie auf dem Foto 😉

        Antwort

        • Posted by drgeldgier on 28. Dezember 2009 at 10:51 pm

          Er hat ne Schulterhöhe von 28cm und ist noch knackig-braun 😉 nicht gefärbt !!!
          Aber auf die Größe kommt es ja bekanntlich nicht an

  6. so klein sieht dein Pudel aber nicht aus! Ab und an mal ein ansprechendes Tag und du wirst dich wundern, was da so alles kommt 😉

    Antwort

  7. hmmm.
    hmmmmmm.
    hmmmmmmmmm.
    Ich habe ja nicht viel Ahnung von Gesundheitspolitik, aber schade finde ich, dass sich auf diesem Gebiet oft Stellvertreterkriege der verschiedenen Ideologien ausgefochten werden – oder sagen wir besser: dass jedes Interessengrüppchen da versucht, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen.
    Warum ist es in einer Demokratie nicht mögich, dass sich wirklich einmal alle – und ich meine alle – Parteien, von der Linken über Grüne, SPD, FDP, bis hin zur CDU/CSU zusammensetzen? Ich bin überzeugt dass es in allen dieser Parteien gute Ansätze gibt – aber dass es unmöglich ist, einen jener Ansätze in Reinkultur durchzuziehen und dabei trotzdem fair und gerecht zu sein.
    Just my 5 cents.
    Aber sicher ein viel zu komplexes Thema für einen Kommentar.

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 28. Dezember 2009 at 11:30 pm

      Schaffst DU diese Art von Demokratie?
      Im Beruf, in der Familie, in deiner Freizeit? Schaffst du es, dich mit anderen zusammenzusetzen und gemeinsam den besten Mittelweg zu finden?

      Bei uns in der Familie läuft das so – alle setzen sich zusammen und planen gemeinsam. Und obwohl wir eigentlich alle dieselben Werte haben, ist es trotzdem noch extrem schwer. Die meisten Menschen, die dieses ideale Verhalten von der Politik fordern, haben es (meiner Beobachtung nach) im eigenen Leben noch nichtmal ausprobiert…

      Antwort

      • Posted by drgeldgier on 28. Dezember 2009 at 11:51 pm

        Ein schöner und ehrlicher Vergleicht – vielleicht sollten wir erst CleanFamily e.V. gründen, bevor wir uns CleanState zuwenden?
        Aber CleanFamiliy hat ja vor gut 2000 Jahren schon jemand gegründet. Sie haben ihn dafür ans Kreuz genagelt.

        Antwort

    • Posted by drgeldgier on 28. Dezember 2009 at 11:35 pm

      Mach Dir mal die Mühe und sieh Dir das Video meines Beitrags zum 28.12.09 an (https://drgeldgier.wordpress.com/2009/12/28/da-fallt-man-vom-glauben-ab/), dann wird Dir Deine naive Demokratiegläubigkeit (nicht bös gemeint) rasch abhanden kommen. Die Politiker sind letztlich nur gutbezahlte Marionetten im Theater der Geldmächtigen. Und letzteren geht es überhaupt nicht um das Wohl der Bevölkerung oder des Einzelnen, sondern um Gewinnmaximierung auf TEUFEL komm raus. Letzterer hat hier leider mächtig die Hand im Spiel. Tolle Überleitung zu Religion und Weihnachten, was?

      Antwort

  8. Posted by Special Agent Gibbs on 28. Dezember 2009 at 11:34 pm

    Hmm, und ich wollte mich schon mit dir freuen… Schade, dass es nur ein Traum war!

    (Übrigens kenne ich das mit dem „Hund leckt Hand“ eher aus einer Gruselgeschichte 😉 !)

    Antwort

  9. […] Das Jahr endete mit einem Arzt Regress-Selbstmord nicht wirklich gut und mit Bangen erwarte ich die Gesunheitsreform 2010. […]

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