Verspätetes Weihnachtsgeschenk


Ein „Weihnachtsgeschenk“ der besonderen Art
Im Krebscafe habe ich mein persönliches Weihnachts-Highlight gefunden:
Einen Videovortrag eines amerikanischen Endokrinologen und Ernährungswissenschaftlers zum Thema: Zucker – die bittere Wahrheit

Letztlich wird eindrucksvoll in ca. 90min dargelegt, dass Fructose DAS Ernährungsgift unserer Zeit darstellt. Nehmt Euch – so wie ich – die Bügelwäsche vor und zieht Euch den Vortrag rein. Er ist es wert. Und Eure Frau freut sich, wenn der Haufen Wäsche weg ist.

Für die Faulen unter Euch, hier meine kurze Zusammenfassung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) mit konkreten Handlungsanweisungen:

Fructose giftig wie Alkohol nur heimtückischer
Stoffwechseltechnisch gesehen sei Fructose mindestens ebenso gefährlich wie Alkohol, mit dem Unterschied, dass durch das Fehlen akuter Vergiftungserscheinungen, der Konsum ungebremst fortgeführt wird.

Kein Sättigungsgefühl
Im Gegenteil: dadurch, dass Fructose, im Gegensatz zu Glucose, im Gehirn keinen Sättigungseffekt erzeugt, entsteht ein fast unstillbares Verlangen. Fastfood und Fitnessgetränke stehen an erster Stelle bezüglich des Fructose-Gehalts (in Form des High Fructose Corn Syrup (HFCS) in den USA, bei uns als Glucose-Fructose-Sirup deklariert). Didaktisch extrem gut (zumindest für mich als Mediziner) wird das Thema biochemisch beleuchtet und fundiert belegt.

„Siegeszug“ begann mit low-fat-Diäten
Als Medizinier eindringlich davor warnten sich  zu fettreich zu ernähren (Anfang der 80er Jahre), entstanden Unmengen an low-fat-Produkten. Da diese eigentlich fad schmecken würden, wurde Salz zugeführt und um dies wiederum zu kaschieren ist Zucker nötig. Da Glucose teuer ist, wurde zunehmend dieser Glucose-Fructose-Sirup (mit dtl. mehr Süßkraft), der auch deutlich billiger ist, eingesetzt. Logischerweise führten deshalb low-fat-Diäten nicht zu einer Reduktion der Adipositas oder der kardiovaskulären Ereignisse, wie eigentlich erwartet beabsichtigt.

„Natürlich“ ist halt nicht gleich harmlos
Die Tücke der Fructose liegt auch darin, dass sie als „natürlich“ und damit mal oft als harmlos angesehen wird.
In der Natur wird die „Sünde“ Fructose aber immer zusammen mit reichlich Ballaststoffen dargeboten (s. Apfel der Versuchung), so dass hier der Schaden begrenzt ist. Während der Mensch vor 50 000 Jahren aber noch 1o0-300g pro Tag an Ballaststoffen zu sich nahm, sind es heute im Schnitt  noch 12g täglich.
Isoliert und in hohen Dosen zugeführt, entspricht Fructose aber eigentlich einem Fett. Die amerikanische Aufsichtsbehörde (FDA) scheint sich aus ökonomischen Gründen nicht dazu durchringen zu können, vor mit Fructose angereicherter Nahrung zu warnen.

Einfache Tipps zur Ernährungsumstellung und zwar sofort
Für mich ein Vortrag, der mich wachrüttelte. Auch wenn mir klar war, dass die zuckerreiche Ernährung gefährlich ist, so waren selbst mir als Arzt, die konkreten Zusammenhänge noch nie so eingängig und drastisch beigebracht worden.

Hier einige Sofortmaßnahmen, die im Video erwähnt werden:
1) Sämtliche (industriell) gesüßten Getränke streichen – nur Wasser und Milch erlaubt (sicher auch ungesüßter Tee – Anm. d. Red.)
2)Zufuhr von Zuckern ausschließlich zusammen mit  Ballaststoffen (was die italienische Küche hervorragend komniniert)
3) Vor der 2. Portion konsequent 20 min warten
4) Jede Fernsehminute muss durch eine Sportminute „erkauft“ werden (mit PC-Minuten sollte ähnlich verfahren werden – Anm. d. Red.)

Finde ich genial, da eingängige und eigentlich auch umsetzbare Punkte.

Zum Thema habe ich auch eine Veröffentlichung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam gefunden.

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8 responses to this post.

  1. Puh…. also, wenn ich auf meinen Kaffee oder meinen Tee (mit Zucker) verzichten müsste, würde ich durchdrehen, typisch Süchteln halt. Milch vertrag ich nicht und sonst trink ich fast nur Wasser. Und ab und an Cola light ^^
    Klingt aber wirklich interessant, es hieß ja immer, dass Fructose grundsätzlich besser als Glucose wäre
    (Btw, sollte mein Freund je bügeln, fall ich um.)

    Antwort

  2. […] Wen eine kurze Zusammenfassung des Vortrags interessiert, der kann diese im Blog von Dr. Geldgier […]

    Antwort

  3. Posted by Benedicta on 29. Dezember 2009 at 2:41 pm

    Ach, naja… Ernährungstheorien halt. KEINE hat sich sonderlich lang gehalten, KEINE hat je den Anspruch „1 für alle“ belegen können.
    Die „Zucker-Verteufeler“ zeigen zudem noch Anzeichen von Verschwörungstheoretikern („die böse Industrie“, „hält die Verbraucher dumm“, „Bestochene Ärzte“, „die Politik“…). Macht mich zumindest etwas skeptisch, auch wenn ich sonst selbst eher ein Fan von gesundem Essen bin.
    Deine Zusammenfassung ignoriert außerdem den Fakt, dass auch Gehirnarbeit Kalorien verbrennt… „Jede Fernsehminute muss durch eine Sportminute „erkauft“ werden (mit PC-Minuten sollte ähnlich verfahren werden – Anm. d. Red.)“. Du tust grade so, als ob nur Sport Kalorien verbrennt – und das ist nicht State of the Art.

    Ich halte mich persönlich an Folgendes:
    – lieber ehrliches Essen (echtes Fett, echter Zucker, echte Schokolade, …) und dafür in Maßen, als Low fat, no fat, Analogkäse und Xylite in Massen.
    – lieber genau das, wonach mich gelüstet, aber mit Genuss, als irgendein „Ersatz“ ohne Genuss
    – lieber hochwertig (was oft „Bio“ bedeutet, aber nicht immer) und wenig als fürs selbe Geld viel niederwertige Kalorien.

    Auf die Art bin ich zwar nicht schlank, aber gesund – und glücklich außerdem 😉

    Antwort

  4. Posted by Ralf on 29. Dezember 2009 at 5:32 pm

    Mal ehrlich: „jede PC-Minute sollte mit einer Sportminute erkauft werden“ – lebensfremder ging es wohl wirklich nicht? Oder hat man dort den 48h-Tag entwickelt?

    Sofern das nur auf die Freizeit bezogen sein sollte, halte ich das für realistisch – wenn es den gesamten Tag umfasst ist es einfach nur abgehoben. Viel wichtiger aber: warum werden TV und PC verteufelt? Ob ich auf dem Sofa liege und fernsehe, mit dem Laptop auf dem Schoß im Internet surfe oder ein Buch lese dürfte doch keinen großen Unterschied machen. Ergo müsste es viel besser heißen: für jede Ruheminute, die wir am Tag haben, benötigen wir eine Bewegungsminute. Dann aber wäre die komplette Absurdität dieses Vorschlags offengelegt, zumindest in unserer heutigen Umwelt.

    Antwort

  5. Posted by drgeldgier on 29. Dezember 2009 at 6:37 pm

    Meine Zusammenfassung ist alles andere als perfekt, deshalb kommt es zu solchen Missverständnissen:
    @Ralf Die Sache mit den Fernseh-Minuten war für Kinder gedacht, um deren Bewegungsmangel zu bekämpfen. Die PC-Minuten waren von mir hinzugefügt (und für mich und uns PC-Junkies, die wir hier bloggen und kommentieren gedacht) und da waren natürlich Freizeit-Minuten gemeint. Wenn jemand beruflich 8-10 Stunden am PC sitzt geht das mit 1:1 ja nicht. Aber gerade der sollte dann eigentlich privat möglichst nicht mehr viel sitzen.
    @benedicta: ich weiß nicht, ob Du Dir die Mühe gemacht hast, das komplett anzuhören. Die Verstoffwechslung von Glucose, Fructose und Alkohol ist ja biochemisch komplett bekannt. Das sind keine neuen Theorien, sondern nur die konkrete Umsetzung der Theorie in die Praxis. Und der Kollege hat seine Thesen ständig mit sehr guten Daten untermauert.
    Da kommen wir auch gleich auf deine Denkarbeit zu sprechen: unser Gehirn kann nur Glucose verbrennen und eben nicht Fructose. Genau das ist das Problem. Und da setzt eben der Sport an. Der Sinn im Sport liegt darin, dem Körper – konkret der Leber – gar nicht die Zeit zu lassen, die Fructose in Fett umzubauen.
    Zum letzten Punkt der „Verschwörungstheorie“. Ich kann Dich da gut verstehen. Bin auch gegen alle extreme der Ernährungstheroetiker. Aber ich habe deshalb auch ein deutsches Statement zum Thema angefügt, das den Vortrag bestätigt.

    Antwort

    • Posted by Benedicta on 29. Dezember 2009 at 8:16 pm

      Ich hab ausgeschaltet als er von „the coca cola conspiracy“ anfing…
      Chemie ist nicht mein Fach, darüber kann ich also nicht urteilen. Und der Teil, der nicht Chemie war, war so mit dem üblichen Verschwörungs-Vokabular gespickt dass es mich doch ziemlich irritiert hat.

      Eigentlich rennt der Vortragende bei mir nämlich offene Türen ein…

      Weißt du zufällig, was die Zielgruppe bei dem Vortrag war? Ne Fachkonferenz war das nämlich m.E. nicht.

      Antwort

  6. Posted by Mone on 1. Januar 2010 at 7:16 pm

    Hallo Leute,

    also ich lese ja immer nur still mit, aber jetzt melde ich mich zur Feier des Tages und des Themas auch mal.

    Ich weiß seit knapp einem Jahr, dass ich fast keine Fructose vertage und max. 5 gr. pro Tag zu mir nehmen sollte (und auch nicht auf einmal und nur mit komplexen Kohlehydraten „drumrum“ usw.) Durch Ernährungsberatung etc. bin ich nun sehr viel aufmerksamer geworden und es ist einfach unfassbar, wo überall Fructose (und Sorbit -ist auch verboten weil es die Verträglichkeit noch mehr herabsetzt) drin ist – sogar in der Zahncreme (=Sorbitol)!!! Industriell vorgefertigte Produkte kann ich fast keine mehr essen (habe ich vorher auch nicht viel) und „außer Haus“ zu essen, ist auch nicht wirklich lustig.

    Aber seit ich mich daran halte, merke ich erst, wie schlecht es mir die letzten 9 Jahre ging! Aber wie gesagt, das alles hat mit Fructoseintoleranz zu tun, allerdings nehmen „normale“ Leute heutzutage auch viel mehr Fructose zu sich, als früher.

    Grüße und ein frohes Neues Jahr
    Mone

    Antwort

  7. Posted by Felix on 5. Januar 2010 at 8:47 pm

    Super Video. Ich hab allerdings meine Zweifel an der Ballaststoff-Theorie, die den Apfel retten soll. Wo der Mensch früher 100-300g Ballaststoffe hernehmen sollte weiß ich nicht. Vielleicht wenn man Baumrinde (und das Holz gleich mit) isst. Ansonsten muss man jeden Tag kiloweise ballaststoffreiche Vegetation in sich reinstopfen um auf solche Level zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Menschen da nicht lieber einfach zu einem weiteren Steak gegriffen haben. 🙂
    Schon ironisch, daß Lustig hier auf den Ballaststoffzug aufspringt. War doch die Ballaststofftheorie gerade jene Alternativtheorie, welche die von Yudkin (den Lustig so verehrt) und T.L.Cleave vertretene „raffinierte Kohlenhydrate“-Theorie (sprich Weissmehl und Zucker) verdrängt hat. Also anstatt zu sagen: Zucker und Weißmehl sollten weniger gegessen werden, weil es den Stoffwechsel ruiniert hieß es: Esst doch einfach zusätzliche Ballaststoffe. Menschen brauchen Ballaststoffe. Nur daß reine Fleischfresser wie die Inuit oder die Masaai prima ohne auskommen.

    Da ist es doch sinnvoller, einfach den raffinierten Kohlenhydraten abzuschwören. Dann braucht man sich nicht durch kiloweise Obst und Gemüse zu kämpfen um auf 100-300g Ballaststoffe am Tag zu kommen. Auch die Ausweichtheorie, daß man es für die Verdauung braucht wird durch Eskimos und Jäger widerlegt. Das menschliche Bedürfnis von Ballaststoffen (und Kohlenhydraten im allgemeinen) liegt ziemlich genau bei 0g. Schmeckt halt gut und ist deshalb überall drin. 🙂

    Der einzige Vorteil der Ballaststoffe ist, daß sie die Gesamtaufnahme von Fructose und Glucose einschränken und bremsen.

    Antwort

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