Gegen den Alltag: Geschichte aus dem Kinderzimmer


Nachtrag zum Neuen Jahr
Nachdem Chefarzt schon wieder die Einkehr des Alltags auch in unseren Blogs bedauerte, möchte ich noch einmal was Besinnliches zum Abschluss der eigentlichen Weihnachtstage (die Weihnachtszeit dauert ja bekanntlich bis 02. Februar) beisteuern.

Eine Geschichte aus dem Kinderzimmer mit Tiefgang:

Wirklich sein
Das Holzpferd lebte länger in dem Kinderzimmer als irgendjemand sonst. Es war so alt, dass sein Stoffüberzug ganz abgeschabt war.
‚Was ist wirklich?‘ fragte eines Tages der Stoffhase, als sie Seite an Seite in der Nähe des Laufställchens lagen. ‚Bedeutet es, Dinge in sich zu haben, die summen, und mit einem Griff ausgestattet sind?‘
‚Wirklich‘, antwortete das Holzpferd, ‚ist nicht, wie man gemacht ist. Es ist etwas, was an einem geschieht. Wenn ein Kind dich liebt für eine lange Zeit, nicht nur, um mit dir zu spielen, sondern dich wirklich liebt, dann wirst du wirklich.‘
‚Tut es weh?‘, fragte der Hase.
‚Manchmal‘, antwortete das Holzpferd, denn es sagte immer die Wahrheit.
‚Geschieht es auf einmal oder nach und nach?‘
‚Du wirst‘, sagte das Holzpferd. ‚Es dauert lange. Darum geschieht es nicht oft an denen, die leicht brechen oder scharfe Kanten haben oder die schön gehalten werden müssen. Im Allgemeinen sind zu der Zeit, wenn du wirklich sein wirst, die meisten Haare verschwunden, deine Augen ausgefallen, du bist wacklig in den Gelenken und sehr hässlich. Aber das ist überhaupt nicht wichtig; denn wenn du wirklich bist, kannst du nicht hässlich sein, ausgenommen in den Augen von Leuten, die keine Ahnung haben.‘
‚Ich glaube, du bist wirklich‘, meinte der Stoffhase.
Das Holzpferd lächelte nur.“ (M. Williams).

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen für 2010 mehr Wirklichkeit

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6 responses to this post.

  1. Posted by Benedicta on 3. Januar 2010 at 3:39 pm

    *gg*
    Schöne Geschichte. Ich hab auch noch so ein „wirkliches“ Stofftier, ein Begleiter so vieler Jahre dass ich ihn nicht einfach rauswerfen kann.

    „Kaputt geliebt“ heißt das bei uns…

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 3. Januar 2010 at 4:41 pm

      Ja, ich glaube jeder von uns kann sich an mindestens ein so ein Tier noch erinnern. Leider hab ich keines mehr im Original. Dafür hab ich jetzt zwei lebende *g (s. Neujahrsbeitrag)

      Antwort

  2. Posted by hajo on 3. Januar 2010 at 4:41 pm

    Kinder sehen fst alles mit ganz anderen Augen, ohne Vorurteile – wie auch, sie hatten ja keine Gelegenheit, Vorurteile „auszubilden“.

    Ich habe das große Glück, ja es ist eigentlich ein Privileg, meine Enkel aufwachsen zu sehen und, ob Du`s glaubst oder nicht: meine Perspektive verändert sich mehr und mehr.
    Ist das die vielzitierte Rückkehr ins Kindesalter? Wenn ja, kann ich nur sagen: es tut unendlich gut!

    Ich wünsch‘ Dir ein gutes Jahr 2010 und uns allen endlich ein Sinneswandel in Wirtschaft und Politik.
    – Ich merke schon, dass ich in Kinderträume abwandere 😦

    Antwort

  3. @hajo und drgeldgier

    Ja genau das ist es..nur müssten mehr Menschen so sein…

    Antwort

  4. Posted by gesundheitsexpertin on 4. Januar 2010 at 8:08 pm

    Oh, das ist aber eine wirklich schöne Fabel, ganz nach meinem Geschmack! Ich hab da auch noch ein wirkliches Tierchen bei mir (nicht Herr Hund). Und Deine Schneeflocken find ich auch gut:-)!

    Antwort

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