Perlen der Praxis – die medizinische Fachangestellte


Nachdem Kinderdoc unlängst ein – berechtigtes – Hoch auf die Hebammen sang, möchte ich heute – am Dreikönigstag – ein Hoch auf die die Sterne an meinem Praxishimmel anstimmen:

meine „Medizinischen Fachangestellten“ MFAs (früher hießen sie „Arzthelferinnen“)

Ohne sie läuft nix – nur für Multi-Tasking-Talente
Mein ganzer Laden wäre nicht das, was er heute ist, ohne meine treuen Helferlein.
Eine MFA muss wirklich extrem flexibel und vielseitig sein. Von der Erledigung sämtlicher Empfangsarbeiten, die mittlerweile nicht unerhebliches PC-Know-How verlangen, über die Erledigung des kompletten Schrift- und Telefonverkehrs, bis zur selbständigen Durchführung teilweise komplizierter technischer medizinischer Untersuchungen (beim Neurologen z.B. EEG, VEP, SEP, AEP, Demenztests, Laboruntersuchungen, …). Dabei ist teils extremes Multi-Tasking gepaart mit diplomatischem Geschick gefragt.

Ich bewundere immer wieder meine Pink (ich nenne sie für Euch so, weil Pink ihre absolute Lieblingsfarbe ist), wenn ich mitbekomme, wie am Empfang drei nörgelnde Patienten auf die Annahme warten, sie gleichzeitig gerade am Telefon geduldig einer schwersthörigen Patientin erklärt, wie man zur Praxis kommt und dabei auch noch ein paar Befunde in den PC tippt. Dabei auch noch stets freundlich und deeskalierend jedem Patienten mit seinen Eigenheiten gerecht zu werden, das ist nicht immer einfach und erfordert psychologische Höchstleistungen.

Die Knautschzone der Praxis
Denn eines ist klar: als Empfangsdame einer Arztpraxis ist man oft der Prellbock und Fußabstreifer der Leute. An ihnen lassen die Leute oft all ihren Frust und ihre Aggressionen ab. Ist ja bloß ne Arzthelferin, von etwas älteren Herren oft etwas verächtlich als „Mädels“ bezeichnet.
Erst neulich wieder ein Privatpatient, der fast 20min zu spät kommt. Auf den vorsichtigen Hinweis meiner Pink, dass jetzt nicht sicher sei, ob noch alle Untersuchungen wie geplant durchgeführt werden könnten, wurde sie wüst beschimpft. Sie hätte das wohl hier nicht zu entscheiden als windiges Nichts. Pink wär nicht Pink, wenn sie das nicht dennoch freundlich – heimlich ihre Tränen trocknend – gemeistert hätte.

Erst Dampf ablassen, dann beim Arzt stinkfreundlich
Manches Mal habe ich auch solche Patienten aus der Praxis „komplimentiert“. Oft ist es auch schwierig, denn beim Herrn Doktor sind sie dann die Freundlichkeit in Person, nachdem sie einen meiner Kometen am Empfang zur Sau gemacht hatten.

Das Gehalt: lächerlich
Auch durch die Entwicklungen im Gesundheits(un)wesen hat sich das Berufsbild erheblich geändert. Wo früher in vielen Praxen 5 Helferinnen und 2 Auszubildende herumschwirrten, müssen heute viele Praxen mit 1-2 Kräften auskommen, da der Spardruck immer größer wird. Dabei ist das Tarifgehalt einer MFA gemessen an den Anforderungen des Berufs lächerlich niedrig. Ich habe nur noch eine Vollzeitkraft und einige Teilzeitkräfte. Ich versuche soweit es geht deutlich übertariflich zu bezahlen und die Motivation durch Zuckerl hoch zu halten. Eine hab ich sogar geheiratet, aber das ist ein anderes Thema …

Abschließend noch einmal ein Hoch auf alle medizinischen FachangestelltInnen dieses Landes und im Speziellen die meiner Praxis – schade, dass sie es nicht lesen werden … 

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10 responses to this post.

  1. Du könntest ja dafür sorgen, dass sie es lesen könnten 😉

    Antwort

  2. Hui, sowas liest man gerne…
    Weiß noch, wie ich im EEG war und die Dame versucht hat, ein kleines Kind zum EEG zu überreden. Hat zwar nicht geklappt, aber die Eltern haben ihr starke Vorwürfe gemacht, dabei waren sie es, die dem Kind Angst eingejagt hatten… Hat sie aber auch verdammt gut weggesteckt…

    Antwort

  3. Du hast eine MFA geheiratet? Erstmal Glückwunsch!
    Arbeitet Deine Frau immer noch in der eigenen Praxis? Wie ist denn das Verhältnis zu den Kolleginnen, die sicher sauer darüber sine, dass sie sich „den Chef geangelt hat“?
    Ich nehme mal an, dass Du Deine Frau über die Praxis kennengelernt hast – ich stelle mir das ziemlich „kniffelig“ vor, etwas mit jemandem anzufangen, der ja Deine Angestellte, also von Dir abhängig ist.
    Und was wäre gewesen, wenn Ihr nicht geheiratet, sondern Euch irgendwann getrennt hättet?

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 6. Januar 2010 at 10:14 am

      Hehehe, da platzt ja einer vor Neugier.
      Nein, es war andersrum. Ich wohnte längst mit ihr zusammen, als wir gemeinsam die Praxis hochzogen. Sie hat die ersten Jahre der Startphase ohne Zeitlimit geacktert. Habe sie nun seit knapp einem Jahr langsam aus der Praxis rausgenommen und kurz vorher geheiratet. Sie arbeitet nun wieder extern, auch als Reaktion auf die Einbußen durch den Gesundheitsfonds.

      Antwort

  4. bravo.
    richtig.
    dicke unterschrift.
    unsere perlen!
    danke danke danke.

    (*machoton on* mal abgesehen vom regelmäßigen zickentheater, wenn mehrere zusammen arbeiten, gab´s auffe station auch immer *machoton off*)

    Antwort

    • Posted by Julia on 25. Januar 2010 at 5:04 pm

      das liegt wohl am weiblichen Geschlecht, Ohne zu zicken wärs ja langweilig. Solange die Arbeit nicht drunter leidet…

      Antwort

  5. […] ich dann nicht einmal meine Personalkosten damit werde decken können. Und dann wird sich meine Perle wieder anhören müssen: “Der Doktor hat doch gar nix gemacht. Wir haben doch nur […]

    Antwort

  6. […] Perlen der Praxis – die Medizinische Fachangestellte Meine längst fällige Hommage an meine feinen […]

    Antwort

  7. Ich arbeite auch als medizinische Fachangestellte und würde mich sehr freuen, wenn meine Chefinnen so etwas zu uns sagen würden! Also, go for it haha!

    Antwort

  8. Posted by Else on 17. August 2017 at 9:16 pm

    Genau deswegen, weil die MFAs so behandelt werden wie in diesem wunderbar ehrlichen Post beschrieben, hab ich dieser Tage meinen Job nach über 20 Jahren an den Nagel gehängt. Ich kann keine Teenager mehr ertragen die mir ein „fick Dich“ um die Ohren hauen während die Mutter daneben steht und sagt „mei Pubertät halt“. Ich mag auch keine maximalpigmentierten Mitbürger mehr, die sich seit Jahren weigern unsere Sprache zu lernen und mich eine fucking german bitch nennen und überhaupt gar nicht begreifen wollen, daß man hierzulande auch mit blonden Frauen sprechen muss bevor man einen Arzt zu sehen bekommt. Für alle diese Menschen, die in den letzten Jahren überhand genommen haben kann sich ab nächste Woche eine andere Perle ihre Nerven strapazieren lassen. Auch für diejenigen, die wort- und grußlos die Praxis betreten und lediglich in der Lage sind ihre seit Monaten nicht mehr gewaschene Hand auf den Tresen zu knallen, mit der Bemerkung: Ich brauch an Doktor, kann sich hinsetzen wer mag. Ich habe keine Lust mehr, den Leuten erst die Füße waschen zu MÜSSEN um das komplette Ausmaß ihres Panaritiums überhaupt in Augenschein nehmen zu können.
    Fehlen werden mir allerdings die netten Leute, ja es gibt sie wirklich, allerdings in beinah verschwindend geringer Anzahl. Die, die es verdient haben, daß man sich mit größter Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Professionalität um sie kümmert, egal ob sie nun ein kleines oder großes Wehwehchen haben.
    Ich verabschiede mich an dieser Stelle von allen Patienten und widme mich erfreulicheren Dingen, Kommentare schreiben zum Beispiel. 🙂
    Gruß an alle MFAs da draußen, lasst`s Euch nix gefallen, hoffentlich habt`s an g`scheiten Chef im Rücken. `S Problem ist nur, daß er nicht alle rausschmeissen kann, die sich nicht zu benehmen wissen, sonst kann er seinen Laden nämlich zusperren. Also, macht`s weiter, solang es geht, es gibt Patienten die haben Euch verdient.
    Gruß Else.

    Antwort

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