Hörzu – Hört zu !!! Fernsehzeitschrift mit Durchblick


Schon als Kind hatte ich eine besondere Affinität zur Fernsehzeitschrift „Hörzu“, holte ich sie doch jeden Freitag für meine Eltern ins Haus. Im Lauf der Jahre verlor ich den „Kontakt“, da der Fernseher bei mir eher selten in Betrieb geht (wie auch, wenn ich ständig vor dem PC sitze?).

Ist Gesundheit noch bezahlbar?
Nun aber muss ich doch mal Werbung für das Fernsehblatt machen, denn es ist dort ein Interview mit einem Gesundheitsökonomen abgedruckt, das sehr einfache Antworten auf die drängenden Probleme unseres kränkelnden Gesundheitssystems gibt.

Prof. Peter Oberender, Gesundheitsökonom und Volkswirtschaftler aus Bayreuth skizziert in wenigen Sätzen quasi eine Bierdeckellösung vieler Probleme. Diese will nur keiner hören und lesen, da sie viele Großverdiener des aktuellen Gesundheitsfonds-Wirrwarrs entlarven und überflüssig machen würde.

Unangenehme Wahrheiten
Er spricht unangenehme Wahrheiten an:
– das Ungleichgewicht in der Generationenbilanz
– das aktuelle Rund-um-Sorglos Paket ist nicht mehr finanzierbar
– das Solidarprinzip ist nicht mehr tragbar bzw. finanzierbar
– schon jetzt finde eine versteckte Rationierung statt
– eine Mehrklassen-Medizin gibt es und wird es immer geben, wie in 
  anderen Bereichen auch

Ehrliche Lösungen
Er schlägt auch Lösungen vor, die natürlich nicht für jeden bequem sind auf den ersten Blick:
– Privatisierung der Gesetzlichen Krankenkassen (sie sollen also den
  Status eines Körperschaft des öffentlichen Rechts verlieren und damit
  endlich in Augenhöhe mit den Privatkassen treten)
– damit auch Wegfall der Trennung zw. privater und gesetzlicher KV
– definierter Leistungskatalog der Grundversorgung
– Zusatzabsicherung für Zusatzleistungen
– Abschaffung des Gesundheitsfonds als bürokratisches Monstrum
– Umstellung auf ein kapitalgedecktes System
– Zuzahlungen pro Arztbesuch und nicht mehr 10€-
  Praxisgebührpauschale

Letztlich beschleicht mich ein bisserl das Gefühl der Prof. Oberender hat auch bei mir im Blog abgeguckt. Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass das ärztliche Honorar mit keinem Wort in dem Interview erwähnt wird? Es ist halt auch nicht das große Kostenproblem im System.

Gratulation der Hörzu und dem Fachmann zu einem gelungenen, weil auch allgemeinverständlichen Interview zu einem komplizierten Thema. Leider werden die Lobbyisten unterschiedlichster Richtungen solche Lösungen mit allen Mitteln torpedieren.

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5 responses to this post.

  1. Posted by PG on 8. Januar 2010 at 1:15 pm

    Mein Hauptproblem bei dem Konzept ist „Privatisierung der Gesetzlichen Krankenkassen“.

    Privatisierung heißt: Jeder darf mitmachen. Soweit, so gut. Da freuen sich dann die Versicherer drüber und steigen alle ein, und werden in Kürze den Markt dominieren (weil sowohl die Versicherungen, als auch die Versicherungsnehmer bestenfalls zum Quartalsende rechnen).

    Welches Ziel haben diese Versicherer? Firmenwert erhöhen. Mitarbeiter egal, Kunden egal, solange Umsatz, Gewinn und Aktienwert stimmen.

    Es muss nicht unbedingt das aktuelle System sein (und es sollte es mit ziemlich großer Sicherheit nicht sein), aber ein Gesundheitssystem, das darauf basiert, das Leute, die mit der Behandlung Kranker nix zu tun haben, (viel) Geld verdienen?
    Das haben wir schon.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 8. Januar 2010 at 2:06 pm

      Die aktuellen Krankenversicherungen haben auch nichts anderes als ihren Gewinn und die Maximierung ihrer Vorstandsgehälter im Sinn. Nur haben sie momentan eine staatlich gelenkte Einnahmengarantie. Es ist doch leider jetzt schon so, dass im Gesundheitssystem das große Geld vor allem die verdienen, die nichts mehr mit dem Kranken an sich zu tun haben. Aufsichtsräte von großen Klinikkonzernen, Qualitätsmangaer, Controller, Verwaltungsräte, Aktionäre der Klinikkonzerne, Pharmaunternehmen, Pharmareferenten, …
      Insoweit stimme ich mit Ihnen völlig überein. Aber die Finanzierung, wie sie jetzt besteht MUSS den Bach runter gehen. Allein schon aufgrund der demographischen Entwicklung.

      Antwort

      • Posted by PG on 8. Januar 2010 at 3:35 pm

        Also kapitalgedeckt (wegen der demographischen Entwicklung) und ein System, bei dem das Geld an der richtigen Stelle ankommt.

        Wie verwaltet man einen großen Haufen Geld so, dass das meiste davon in geeignete (fremde) Hände geht, und der Verwalter trotzdem gut bei weg kommt, so dass es nicht zu abschreckend für „Leistungsträger“ wird, dort zu arbeiten?

        Mir mangelt an der Datenbasis – ich weiß nicht, wieviel Geld zusammenkommt und wieviel notwendigerweise bezahlt werden muss, um die Versorgung zu gewährleisten.
        Aber bloß den Gewinnern ein anderes Schild ans Jackett zu heften (statt Verwaltungsräte von Körperschaften verdienen dann Topmanager in Versicherungen – und es werden nach einiger Zeit wohl zum guten Teil dieselben Personen sein) kommt mir wenig produktiv vor.

        Was die Kapitaldeckung angeht:
        Unter der Annahme, dass das aufgrund des demographischen Wandels sowieso nötig ist, wie soll der Umstieg funktionieren: Alle zahlen mehr, um eine Kapitaldecke für das eigene Alter aufzubauen und gleichzeitig die „aktuellen Alten“ noch „durchzubringen“ (die aufgrund der Versicherungsstruktur keine Gelegenheit hatten, ihre Krankenversicherung im Alter über einige Jahrzehnte vorzufinanzieren)?
        Das ginge auch mit einem Versicherungsmodell auf Basis des Generationenvertrags…

        Wasserkopf abbauen: Dafür ist der Gesundheitsfonds durchaus geeignet: Im Endergebnis ist das eine bessere Version des Strukturausgleichsfonds, den es vorher schon gab. Einen Strukturausgleich gibt es nun nicht anhand des Jahresabschlusses, sondern aufgrund der tatsächlichen Unterschiede in der Versichertenstruktur. (Man kann und sollte den Gesundheitsfonds sicher noch kräftig entschlacken)

        Pharma- und Klinikkonzerne eindämmen: Das geht besser, wenn die Versicherungen an einem Strang ziehen („Wir nehmen die Medikamente und Leistungen zu unseren Konditionen. Wenn Sie in Deutschland verkaufen wollen, dann zu unseren Preisen oder auf direkte Kosten des Patienten“. Kartellrechtlich unsauber, aber das ließe sich „hoheitlich“ regeln)

        Zuzahlung pro Arztbesuch: Ein guter Ansatz um zu vermeiden, dass jeder Mist beim Arzt landet. Ein guter Ansatz dafür zu sorgen, dass Krankheiten verschleppt und richtig gefährlich (und teuer) werden. Das muss _sehr_ sorgfältig austariert werden.

        Wegfall von Leistungen in der Grundversorgung: Darauf wird es wohl hinauslaufen. Und damit will keiner so recht herausrücken, weil es nicht populär ist.
        Wenn der demographische Wandel die Finanzierung gefährdet, funktioniert die Finanzierung auch mit privaten Versicherungen nicht (die haben nicht magischerweise mehr Geld zur Verfügung, es wird also auch mit privaten teurer oder weniger geleistet).

        Antwort

  2. Frag ihn doch mal 😉

    Hm, was mir nicht so ganz gefällt, ist der juristische Part: Sollte das System privatisiert werden, ist es in der Lage, auch einzelne Patienten abzulehnen, über die Folgen brauchen wir nicht diskutieren. Gesetzlich eine Pflicht zur Grundversorgung so abzuändern, dass es auch für private Unternehmen gilt, stelle ich mir schwierig vor. Und nebenbei sehr zeitraubend, von den politischen Konsequenzen mal abgesehen..

    Antwort

  3. Posted by Clara on 8. Januar 2010 at 9:42 pm

    von rechtlichen Bedenken (z.B. Bestandsschutz für Privatversicherte seit x Jahren) finde ich die skiziierten Grundideen gar nicht mal doof.
    Mir wurde in den letzten Jahren klar, daß ich eine KV _nicht_ brauche, um die z.B. irgendwelche Impfungen bezahlt zu bekommen … oder die AU, weil ich ’ne Grippe/Erkältung habe … oder die Vorsorgeuntersuchung …
    All das sind m.E. Kosten, die vorhersehbar und damit kalkulierbar sind. Viele Menschen (nicht alle!) könnten diese aus dem Nettogehalt zahlen.
    Ich denke, eine KV habe ich, um _unkalkulierbare_ finanzielle Risiken abzusichern … wie Unfallfolgen, chronische Erkrankungen, Transplantationen usw. usf. [fehlendes bitte einsetzen] … also gesundheitliche Risiken, deren Folgekosten kein normaler Mensch finanziell auffangen kann.
    Schließlich habe ich meine private Haftfplichtversicherung auch nicht deswegen abgeschlossen, um einen Schaden von wenigen hundert Euro abzusichern. Die Haftpflicht habe ich, um z.B. die finanziellen Folgen abzusichern, die entstehen, wenn ich einer anderen Person eine lebenslange Rente zahlen muß (weil ich dieser Person fahrlässig einen Schaden zugefügt habe).

    Ob dafür alle KVen wie die heutigen privaten geführt werden sollten? Fraglich…

    Ein erster Schritt wäre schonmal, wenn ALLE, die älter als 18 Jahre sind, in eine einzige Versicherung einzahlen würden! Keine Trennung mehr zwischen Pflichtversicherten, freiwillig und/oder privat Versicherten, kein Sonderstatus für Beamte oder Ehefrauen/-gatten!

    2-Klassen-Medizin haben wir und die wird es immer geben und dagegen gibt es auch ein Kraut….

    Das waren nur ein paar Gedanken/Ideen zu dem Thema…

    (P.S.: Bzgl. irgendwelcher Euro-Nennungen: Ich bin mir bewußt, daß es Menschen gibt, für die 10 €/Monat bereits eine hohe Belastung bedeuten! Selbstverständlich müssen in jedem System Einkommensgrenzen bzgl. irgendwelcher Zuzahlungen/Selbstbeteiligungen festgelegt werden….)

    Antwort

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