Fassungslos… (Teil 2)


Ich bin heut früh wieder mit jenem Gefühl erwacht, wie vor einem Jahr, als das Gesundheitsreform-Chaos ausgebrochen war. Meine Frau möchte, dass ich aufgebe, mit der Praxis aufhöre, so heute ihr Kommentar beim Frühstück…

Tausende Fragen schwirren in meinem Kopf.

Wie geht es bei mir weiter?

Werde ich und meine Praxis das überleben?

Warum habe ich Depp mich hier einzeln auf dem Land niedergelassen?

Warum bin ich nicht in eine Großstadt gegangen, wo es ein Mehrfaches an Privatpatienten gibt?

Warum habe ich nun mehr als ein Jahr für unsere gemeinsame Sache gekämpft?

Warum habe ich nicht meine eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht?

Warum habe ich meine Zeit hier im Blog vergeudet, anstatt mich um ein Ärztenetz zu kümmern?

Zurück zur Hiobsbotschaft:
Nun also, die AOK Bayern hat am 13.01. bekannt gegeben dass mit bestimmten ausgewählten Ärztenetzen für Dermatologen, Orthopäden, Neurologen, Nervenärzten und HNO-Ärzten Selektivverträge nach §140 SGBV (Integrierte Versorgung) abgeschlossen wurden.

Die Vergütung liege für die o.g. Fachgruppen deutlich, z.T. bis zum Doppelten über den aktuellen Fallwerten. Ich habe mittlerweile aus Berufsverbandskreisen erfahren, dass nun beispielsweise ein Neurologe in München 75€ pro Quartal für die Versorgung eines AOK-Patienten bekommen soll. Momentan sind es für mich etwa 45€. Was noch grotesker ist: Das Amberger Ärztenetz soll „nur 60 € ausgehandelt haben. Und das alles, ohne, dass dadurch die Versorgung des Patienten wirklich besser wird …

Hier verteilt die AOK Geld nach Gutdünken. Und plötzlich scheint das Geld da zu sein. Es scheint aber nur da zu sein, denn diese Verträge sind „bereinigungsfähig“. Und genau das wird mein Tod sein … (Fortsetzung folgt)

[Es tut mir leid, aber in 10min beginnt mein Praxisalltag – heut wird es mir nicht leicht fallen nett zu sein]

Fassungslos… (Teil1)

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11 responses to this post.

  1. Jetzt wirds aber echt dramatisch! Ich bin kurz vorm Heulen.

    Antwort

  2. Posted by Björn R on 15. Januar 2010 at 12:03 pm

    Also ab in die Schweiz. Klar schade um die Pat. aber denk an dich selbst. Hier wirst du nicht glücklich.
    Wenn du noch was von der Welt sehen willst, in Australien werden (auf dem Land) noch Ärzte gesucht, dort wird man aber mit Respekt behandelt und verdient auch anständig.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 15. Januar 2010 at 12:12 pm

      Tja, da hast Du recht. Nur hab ich halt auch Kids hier und nicht ganz unerheblich Schulden wegen der Praxis. Aber wahrscheinlich ist die Schweiz nun fällig fürchte ich.

      Antwort

  3. Weil ich gut und mit ausreichend Zeit behandelt werden will UND möchte, dass meine Ärzte angemessen verdienen, habe ich den TK Privat Praxis-Tarif abgeschlossen. An sich für alle Beteiligten eine gute Lösung, wenn man aus nachvollziehbaren Gründen nicht Privatpatient werden kann. Dumm ist nur, dass die Sprechstundenhilfen in den Praxen die Abrechnungweise nicht kapieren und jedes Quartal Fehler passieren. Warum sie das Merkblatt nicht lesen, das ich ihnen schon -zig Mal gegeben habe? Keine Ahnung… Es klappt nur in Kliniken wirklich.

    Ob´s in der Schweiz generell besser ist? Ich behaupte aus Erfahrung nein. Aber träumen kann man ja mal.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 15. Januar 2010 at 3:34 pm

      Dieser Tarif ist mir bekannt. Meines Wissens musst Du ca. 10% selbst bezahlen bis zu einem Maximum. Hier in der Landbevölkerung nie flächendeckend durchsetzbar. Wenn nur alle so über sich und ihre medizinische Versorgung so dächten wie Du, dann wäre viele anders…

      Antwort

  4. Ich finde es so schade, dass immer mehr an den falschen Enden gespart wird 😦

    Antwort

  5. Leider wird es immer beschissener..bei euch Ärzten ist es genauso wie bei uns Rettungsdienstlern..das liebe Geld. Im Osten gibt es sogar eine Hilfsorganisation die haben kein festes Personal, sondern haben flugs eine Zeitarbeitsfirma gegründet und beschäftigen darüber ihre Angestellten mit einem Nettolohn von 900 Euro..noch Fragen??

    Antwort

  6. Das ist einfach nur zum Kotzen! Du hast mein Mitgefühl : (

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  7. Lebensstandard eventuell verringern? Golfplatzkarte schon verkauft? Im Ernst:
    Mal ne andere Frage: Wer soll denn deine Praxis kaufen? Geld rauskriegen Fehlanzeige? Und dann nochmal in eine neue Praxis investieren? Auch gewagt!

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 16. Januar 2010 at 12:44 am

      Gute Idee – dies Tipps bekamen wir schon vor gut einem Jahr von unserem Berufsverband: Praxisinvestitionen einfrieren, Privatausgaben reduzieren.
      Für Dich: ich lebe immer noch zur Miete, Golf habe ich weder gespielt noch je gefahren …
      Ach ja und Praxis verkaufen? Das geht wohl jetzt definitiv nicht mehr. Kann nur meine Geräte mitnehmen … evtl. interessiert sich doch noch eine Klinik oder ein MVZ?

      Antwort

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