Fassungslos … (Teil 3)


Was ist „bereinigungsfähig“?
Bereinigungsfähig heißt, dass die Kassen das Recht haben, die Mehrkosten, die sie für einen Selektivvertrag oder einen Vertrag der „integrierten Versorgung“ haben, sich bei den anderen Ärzten, die nicht an diesen Verträgen teilnehmen, wieder zu holen.

Das heißt konkret (wenn diese Meldung vom 13.01.10 wirklich umgesetzt wird):
Dafür, dass die „Kollegen“ in München zukünftig 75€ pro Patient bekommen, werden mir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mal mehr die bisherigen ca. 45€ bleiben, sondern das Ganze geht nochmal in den Keller. (2008 hatte ich ca. 60€ pro Patient und Quartal bekommen).

Vernichtung der Versorgung auf dem Land mit System
Was steckt nun dahinter? Warum macht man als Kasse sowas? Scheinbar sind die Kassen der Meinung – wie oft auch von meist roten Gesundheitspolitikern auch kolportiert – dass es eher zuviel Ärzte gäbe. Nun füttert man „Auserwählte“ (Netterweise die in den Ballungszentren, denn dort sind ja die meisten Ärztenetze entstanden), während man die „Nicht-Auserwählten“ aushungert und zur Aufgabe zwingt.

„Wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, genommen werden“ (Mt13,12)
Groteskerweise erhalten also die „Kollegen“ (das Wort hier zu schreiben fehlt mir schwer – „Verräter“ wäre zutreffender), die in den Großstädten ohnehin im Fett der Privatpatienten schwimmen (München hat einen Privatanteil von bis zu 30%, hier bei mir sind es 3%), noch zusätzlich einen fetten Zuschlag. Die Fachärzte auf dem Land, also außerhalb größerer Städte, haben somit überhaupt keine Überlebenschance mehr. Wieder konnte eine drohende Einigkeit der Ärzteschaft gekonnt verhindert werden: Divide et impera!

Monopolstellung einer Kasse droht
Die lieben Arztnetz-Kollegen werden nun natürlich ähnlich, wie schon manche Hausärzte „sanften Druck“ auf die Patienten ausüben, in die „gute Kasse“, ja die mit der fetten Kohle, zu wechseln, da sie sonst nicht mehr sooo gut versorgt werden könnten. Diese Kasse würde dann ihre Vormachtstellung extrem ausweiten und viele viele andere „fressen“ und später Markt und Preis diktieren.

Warum geht das plötzlich?
Die rechtliche Grundlage für diese Verträge und die zunehmende Macht der Kassen wurde noch unter der Amtszeit von Ulla Schmidt geschaffen. Die Bomben die hier gelegt wurden, gehen also weiterhin nach und nach hoch.

Auch für die Patienten kommt es „dicke“
Für die Patienten muss es auch seltsam anmuten, dass sie nun … (aber davon später mehr – Fortsetzung folgt)

Fassungslos… (Teil 1)
Fassungslos… (Teil 2)

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6 responses to this post.

  1. Und Frau Ulla Schmidt ist auch nicht auf die Idee gekommen dass sowas passieren könnte (z.B. als sie etwas Zeit in Spanien hatte)? Oder ist das alles Absicht? Ich sehe keinen positiven Sinn für ein Ärztesterben auf dem Land. Wenn da was gespart wird dann sind das doch wieder nur Peanuts. Und am Ende wird eh wieder nur Geld rumgeschuppst.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 16. Januar 2010 at 8:51 am

      Das ist reine Absicht Miro. Chefstratege bei Ulla Schmidt war jahrelang (Seit 2003) Franz Knieps (ehemaliger Geschäftsführer Politik im AOK-Bundesverband). Na, geht das Lämplein an? Es ist ein Schachzug der AOK um die absolute Marktführerschaft, möglichst die Monopolstellung zu erlangen.
      Zum anderen, und da kommt ein anderer Strippenzieher von U. Schmidt ins Spiel, nämlich der Rhön-Kliniken Ausichtsrat Prof. K. L. , sind viele Facharztpraxen dann sturmreif geschossen zur Billigst-Übernahme eben durch jene Klinik-Großkonzerne wie Rhön und Konsorten. Das hat ebenjener Professeur schon Ende 2008 bei einem visionären Vortrag vor Krankenkassenfunktionären angekündigt. Und leider scheint es tatsächlich so zu kommen.

      Antwort

      • Entschuldige meine blöde Frage aber die anderen Krankenkassen (z.B. die TK, etc.) stört das nicht oder gehören die alle miteinander irgendwie zusammen? Ich hatte bisher immer das Gefühl, dass da nach wie vor ein gewisser Konkurrenzdruck vorhanden ist.

        Danke 🙂

        Antwort

        • Posted by drgeldgier on 17. Januar 2010 at 9:58 pm

          Die anderen Kassen haben große Probleme sich über Wasser zu halten. Vor allem die kleineren. Sie haben nicht die Marktmacht und das „Verteilungsvolumen“ um solche Summen von Honorar zu verschieben.

  2. Ich finde schon das selbst abrechnen für den Norarztdienst grausam und unmenschlich. Hätte ich eine eigene Praxis, würde ich mir vermutlich einen Strick nehmen. Wie steht man denn das auf Dauer durch?

    Antwort

  3. Ja gut, wir haben 184 Krankenkassen und davon haben wirklich knapp 116 weniger als 100.000 Versicherte. Ich habe die Zahlen aus dem TK Flyer, selbst die gehören zu den Großen mit knapp 7.200.000 Versicherten und haben trotzdem ihre eigenen Probleme … Und 7,2Mio gegenüber 25Mio mal bei der AOK (alle 14 KK zusammen) ist sehr viel …

    Wobei mehr Versicherte ja auch mehr Ausgaben machen … scheinbar kann AOK wirklich lauter schreiben und hat (wie du schon gesagt hast) die richtigen Leute am Ruder …

    Antwort

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