Frag-mich-bloß-nicht-City oder Servicewüste Deutschland


Impressionen einer Stadt
Also vorgestern, da war ich ja in einer fremden Stadt – ihr wisst schon, geheime Mission und so – die habe ich nun umgetauft. Sie heißt nun:

„Frag-mich-bloß-nicht“-City

Warum? Nun, nach meiner Ankunft am Flughafen wollte ich mich erkundigen, wie man am besten in die Stadt kommt. Da ich schüchtern bin, kaufte ich mir in der Flughafenhaupthallenbuchhandlung einen kleinen Stadtplan und nahm den Bezahlvorgang zum Anlass, mich danach zu erkundigen, wie man „öffentlich“ in die City käme. Die Dame an der Kasse blickte mich ratlos an und murmelte was von „bin nicht von hier … Schalter der Frag-mich-bloß-nicht-City-Verkehrsgesellschaft in der Haupthalle.“ Mein Dank wurde nicht mehr erwidert.

Nun ja, was soll ich sagen? Ich hab in die Stadt gefunden. Sogar mit rechtsmäßig erworbenem Ticket.

Schwieriger war es schon am Abend, als ich –  müde nach einem endlosen Tag der um 3:50 Uhr früh begann, wieder das richtige Verkehrsmittel zum Airport suchte. An der Haltestelle erntete ich auf meine Erkundigungen meist nur ein „weiß ich nicht“ oder ein wenig hilfreiches Kopfschütteln. Schließlich schaffte ich es doch noch, zeitlich etwas knapp, zum Flughafen.

Am Check-in nahm ich den einzigen freien Schalter, wo mir eine wasserstoffgeblondete Schönheit auf meine Frage, ob ich hier einchecken könne, ein „Ist da oben vielleich ein Licht an?“ entgegenknallte und dabei mit ihren kirschrotlackierten, gefühlt dreimeterlangen Fingernägeln auf die schwarze Anzeigentafel über ihrem Schalter deutete. Hätte beinahe geantwortet „Ihre Birne brennt so zart, ich seh es nicht“.

Nach Leibesvisitation an der „gate control“ (das ist hier ja langsam ne Strip-Show für Arme) wollte ich dann am Duty-free noch die Lieblingsschokolade meiner Liebsten ergattern (irgendwie muss man sich ja für die Vernachlässigung entschuldigen). Nachdem dieselbe in diesem Provinzflughafen von „Frag-mich-bloß-nicht“-City nicht erhältlich war, nahm ich ihre bevorzugte Hautlotion (ich weiß, noch einfallsloser geht nicht). Nachdem ich auf meine Frage hin, ob sie eine dieser „Flüssigkeiten-Handgepäck-Sicherheitsverpackungs“-Tüten hätte, ein feldwebelartiges „Würde ich die Lotion sonst hier verkaufen? Sie können noch 12 Liter Schnaps mitnehmen“ erntete, bestieg ich warmen Herzens die Boeing 737, die mich in mein geliebtes Bayern zurückschaukelte. Ich wollte beim Aussteigen in München schon fast den Boden küssen.

Die Erklärung
‚ „Frag-mich-bloß-nicht“-City sieht mich so schnell nicht wieder‘, schwor ich mir, als ich mich in mein Auto setzte und die Wintermütze mit dem FC-Bayern-Logo abnahm.

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14 responses to this post.

  1. Posted by schwestertrauma on 23. Januar 2010 at 1:59 pm

    Na das klingt doch mal nach einem richtig harmonischen Tag…

    Antwort

  2. nächstes Mal nimmste halt den Zug oder fährst selbst! Dauert vielleicht etwas länger aber sicher stressfreier.

    Antwort

  3. Posted by Benedicta on 23. Januar 2010 at 4:04 pm

    Nächstes Mal vielleicht besser nicht mit der FC-Bayern-Mütze rumlaufen… du kannst zwar nix dafür, aber überall außerhalb Münchens führt das zu negativer Voreingenommenheit bei allen Kontaktpersonen.

    Hab ein schönes Wochenende!

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 23. Januar 2010 at 6:36 pm

      Eben, das war eigentlich meine Pointe …
      Wenn ich heute Abend mit dieser Mütze durch Bremen liefe, wäre ich sicher einen Kopf kürzer

      Antwort

  4. Posted by Special Agent Gibbs on 25. Januar 2010 at 9:30 pm

    Ich habe mal im Winter in Gelsenkirchen am Hauptbahnhof gestanden; da habe ich dann doch mal ganz schnell meinen „Bayern München“-Schal versteckt…

    Antwort

  5. Ich kenn mich da ja nicht so aus, aber FC Bayern, was ist denn das? Kann man das essen?

    Antwort

  6. Für mich steht schon lange fest, dass wir in einer Servicewüste leben. Deutschlands Dienstleister bieten wenig Service für viel zu teures Geld an. Wie soll man so ein langfristig zufriedenen Kundenstamm aufbauen? Ich verstehe diese Denke nicht, dass man an das schnelle Geld will, aber dadurch den Servicegedanken völlig außer Acht lässt.

    Antwort

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