Ärztemangel: Bereitschaftsdienst gut bezahlt!


Headhunter auf der Jagd
Ohne jegliches Zutun meinerseits habe ich seit kurzem mehrmals pro Woche Angebote in meiner Mailbox. Eine Vermittlungsagentur für „Leihärzte“ möchte mich ständig für Vertretungen in ganz Deutschland gewinnen.

Wenn das nicht ein harter Beleg für den bereits bestehenden massiven Ärztemangel ist! Krankenhäuser können ihre Stellen nicht mehr besetzen und suchen händeringend Nachtdienstärzte. Das war vor 15 Jahren unvorstellbar!

Hier die erste Kontaktmail die ich bekam:

Sehr geehrter Herr Dr. G.,

wir möchten höflich anfragen, ob Sie Interesse hätten, gelegentlich oder öfters  Honorar-vertretungen – vor allem in Kliniken – zu übernehmen.
Einsatzorte: im ganzen Bundesgebiet
Einsatzdauer: von einem Tag bis zu mehreren Monaten, typisch sind wochenweise Einsätze
Typische Honorare für Neurologen: circa 70-90 Euro/h (oft: 70 Euro für Bereitschaften)

Über uns: G… vermittelt seit vielen Jahren erfolgreich Honorarvertretungen und feste Stellen im ganzen Bundesgebiet (aber auch in Großbritannien, Irland, Frankreich und anderen Ländern – wo ebenfalls viel Bedarf an Honorarvertretern besteht).

Bitte teilen Sie uns mit, ob Sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben (es entstehen Ihnen dadurch keinerlei Kosten – die Arbeitgeber zahlen unser Agenturhonorar).

Und als Beispiel eine Mail vom 26.01.10

Sehr geehrter Herr Dr.Geldgier,
wir suchen dringend Ärzte/Ärztinnen für folgende Vertretung:
Zeitraum: Nachtdienste 21.03. – 27.03.10 (insgesamt 7 Nächte)
Ort: Akuteinrichtung Nähe Kassel
Fachrichtung: Neurologie (nur Fachärzte)
Honorar: 70 Euro/Stunde
Arbeitszeiten: 19.30-09.00 Folgetag (davon 30 Minuten Pausenzeit und 2-7 h Bereitschaftsdienst – in dieser Zeit kann man sich in das Wohnheimzimmer zurückziehen – die Zeit wird aber voll bezahlt)
Am Anreisetag ist eine Einweisung von circa vier Stunden vorgesehen (ab 15.30h), die auch voll bezahlt wird
Unterkunft wird gestellt
Verpflegung: zu Mitarbeiterkonditionen in der Cafeteria

Das Mehrfache des Assistenzarztes
Und plötzlich werden Dir für Bereitschaftsdienst 70€ pro Stunde bezahlt.  Zu meiner Assistentenzeit waren es ca. 10€ pro Stunde. Heute werden es nicht wesentlich mehr sein.

Umfrage
Deshalb mein Aufruf an alle bloggenden Krankenhausärzte wie Medizynicus, Monsterdoc, Anna, Josephine, Assistenzarzt, …:

Wie viel bekommt Ihr denn heutzutage pro Nachtbereitschaft brutto ???
Ist das nicht ungleich weniger, als dann die Leihärzte

Und die Frage an die Patienten: wollt ihr nachts von einem Leihdoktor versorgt werden, der gerade mal vier Stunden im Haus ist? Obwohl – die Frage kann ich mir sparen. Ihr habt keine andere Wahl, der erste Mangel ist Fakt. Erst in der Klinik, demnächst auf dem Land, …

Heute kam schon wieder eine Anfrage für eine Klinik in Dortmund für den ganzen Februar …

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18 responses to this post.

  1. Posted by Doc-M on 28. Januar 2010 at 6:57 pm

    Kommunales Krankenhaus, Schwerpunktversorgung, in der Mitte deutschlands.
    Bereitschaftsdienstbezahlung: 22,80€ Brutto, wobei bei einem 24-h-Dienst unter der Woche wegen Abzügen nur ca. 4,5 Stunden bezahlt werden. :o(

    Antwort

  2. Bekomme auch gern solche Angebote, meist mit Stundenlöhnen zw 40-70 Euro.

    Im tägl Job wird der Dienst mit rund 20 Euro brutto/Stunde bezahlt. Das macht nach Abzug vom Folgetag (frei, es bleiben ca 5 Std übrig) 100 Euro brutto für einen 24-Std-Dienst… 😦

    Antwort

  3. Mit 2-3 Jahren Erfahrung gibt es übrigens auch schon für Assistenzärzte in gesuchten Fächern Möglichkeiten, als Leiharzt zu arbeiten, für ca 50-60 €. Leichfachärzte in der Gyn können übrigens ruhig 10 € mehr bekommen, das gibt der Markt her.

    Antwort

  4. Krankenhausärzte? Danke, jetzt weiss ich wieder wo ich mal gearbeitet habe. Als Hausarzt verdient man übrigens pro Nacht unter der Woche, wenn nix los ist, 0 Euro Stundenlohn. Das ist ne Sache.

    Antwort

  5. Für Dienste gibts eigentlich Freizeitausgleich. Und wenn’s keinen Freizeitausgleich gibt, gibts nichts, sagt die Verwaltung denn es hätte ja Freizeitausgleich geben können und wenn wir zu blöd dazu sind uns den zu nehmen, selber schuld. Sagt die Verwaltung. Aber wenn sie Angst davor hat, dass wir deswegen mit den Füßen abstimmen können, zahlen sie Überstunden manchmal auch aus, der Stundensatz ist dann Verhandlungssache…

    Ach ja, und dann gibt’s natürlich unsere Hobbies: NAW und KV-Dienste…. aber das ist wieder ein Thema für sich…

    Antwort

  6. Als Dauerpatient füge ich noch hinzu: es gibt mehr Sicherheit, wenn man weiß, wer und wann und wo… Ich weiß zb, dass ich meinen Neurochirurgen immer anrufen kann, ich weiß, wie er ist und damit passt alles. Wenn es jedesmal ein neuer wäre, würde ich durchdrehen – mit einem gewissen Prozentsatz hat man halt nun mal Pech und gerät entweder an einen Vollidioten oder an einen, der vergessen hat, dass Fall XY nun halt mal auch ein Mensch ist…

    Antwort

  7. Posted by Blogolade on 29. Januar 2010 at 1:25 pm

    Wenn der NC (und das Latinum) nicht wäre, hätte ich längst begonnen, Medizin zu studieren.
    Fehlt wirklich so sehr der Nachwuchs? Ich kann mir das gar nicht vorstellen.
    Aus meinem Abijahrgang (89 Personen) sind 2 bei der Medizin gelandet und ich denke, nicht abgebrochen. Mehrere wurden wegen des NC abgelehnt obwohl deren Durchschnitt im guten 2er Bereich lag. Tja, wer Elite will, muss damit leben, dass die Elite nur klein ist.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 29. Januar 2010 at 1:33 pm

      Nein, es gibt keinen Mangel an Medizinstudenten. Es gibt nicht weniger Absolventen als vor Jahren, aber ein Großteil der Absolventen geht entweder ins Ausland oder arbeitet nicht als Arzt sondern im Pharma- oder Management-Bereich. Woran das wohl liegen mag???

      Antwort

      • Auf der anderen Seite ist doch auch der Bedarf gestiegen, durch pseudohumane Arbeitszeiten mehr Frauen etc… Kann mir garnicht vorstellen, dass es noch so schwer ist einen Studienplatz zu bekommen.

        Antwort

        • Der Bedarf ist zwar gestiegen, aber das Angebot an Studienplätzen ist immer noch dasselbe wie vor 10 Jahren :-).

          Und @ Blogolade: Einen Hinderungsgrund kann ich dir nehmen. Man braucht kein Latinum mehr fürs Studium. Weder ist es vorgeschrieben noch ist es zwingend nötig, um durchs Studium zu kommen 🙂

  8. Posted by V iechdoktor on 31. Januar 2010 at 11:00 pm

    ich glaub ich spinn….ein promovierter AssistenzTIERarzt mit mehrjähriger Berufserfahrung bekommt pro Nacht GAR NIX bis maximal 40 EUR BRUTTO…und natürlich KEINEN Freizeitausgleich..36h-Schichten sind in einer Tierklinik die Regel, am Wochenende auch mal mehr..axo, und wenn man Glück hat kriegt man gerade mal 200 EUR BRUTTO für nen GANZEN 14 Stunden-Tag…ich glaub ich studier nochmal schnell Humanmedizin…tztztz

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 1. Februar 2010 at 9:15 am

      Solltest Du lieber sein lassen. Später als selbständige Tierärzte hast Du dafür kein Problem mit Selbstzahlern, denn die Tierbesitzer wissen von vornherein, dass sie cash bezahlen müssen. Ich kenne unseren Tierarzt durch unsere Hunde gut und er ist froh, mit mir nicht tauschen zu müssen.

      Antwort

  9. […] Ärztemangel – Bereitschaftsdienst gut bezahlt! Der Dauerbrenner – immer noch erhalte ich jede Woche 1-2 Email-Angebote für Nachtdienste in […]

    Antwort

  10. Posted by EinAesthetist on 2. April 2010 at 11:40 pm

    Hm. Haben Sie den irgendeinen Newsletter zu Leihärzten abonniert? Wenn nicht, wäre diese Art der Initiativbewerbung seitens der Vermittlungsagentur höchst unprofessionell! Mir ist allerdings auch nach Googlen keine Agentur mit G.. bekannt, vielleicht ist es eine neue, die nichts taugt und keine Scham hat?

    Abgesehen mal davon sind Leih- oder Honorarärzte keine Dauerlösung aber doch eine feine Sache – wenn es in der Klinik mangelt, können Sie Lücken kurzfristig füllen und bei entsprechender Planung sogar helfen, ein gestreßtes Team zu entlasten. Die meisten Honorarärzte sind übrigens Fachärzte (überwiegend Anästhesisten), die sich schnell eingewöhnen können und so dann auch ihre Dienste zuverlässig erfüllen (ITS-Dienste übernimmt man in einem neuen Haus nicht am ersten Tag und nur nach guter Einarbeitung in die hausinternen Abläufe) – ich würde also lieber einen Leiharzt haben als keinen Arzt, wenn es ums Patient-sein geht. Viele Notärzte sind im übrigen auch Honorarärzte oder zumindest honorarärztlich tätige Ärzte.

    Die Diskrepanz zwischen der monetären Vergütung ist natürlich groß, aber 70€ sind auch nicht der Standard. Je nach Verhandlungen und Spezialgebiet (Frühgeborenenanästhesie/Kinderkardiochirurgie) sind denke ich ab 55€ Stundenlöhne „drin“; 70€ sind allerdings schon gut für einen regulären Dienst! Manche Verträge einigen sich auch auf eine niedrige Pauschale pro Tag/WE plus stundenweise Extravergütung pro tatsächlichem Einsatz, z.B. im OP.

    Umgekehrt betrachtet: ein Freiberufler bezahlt u.a. seine eigene Versicherung und hat kein 100%ig sicheres monatliches Einkommen. Vergleicht man den Lohn eines Klinikangestellten mit dem eines Handwerkers, bekommt man graue Haare… und der Arzt hat ungleich mehr Verantwortung und Risiko zu tragen! Allen Ernstes darf man es mit den Stundenlöhnen nicht übertreiben, aber die vom Arzt geleistete Arbeit nach ewigem Studium ist doch wohl genausoviel wert wie die Arbeit des Automechanikers, ansonsten ist ein frühes Burnout oder gar ein Ausstieg aus Frust verständlich. Der Ärztemangel hat in diesem Fall wenigstens einige „gerecht entlohnt“. Wer Arzt sein will, sollte nicht *wegen* des Geldes arbeiten, er sollte sich aber auch nicht (von der Klinikleitung) mit Füßen getreten fühlen, weil seine Gutherzigkeit (oder auch Dummheit?) ausgenutzt wird unter dem Vorwand des edlen Motives hinter dem Arztberuf! Die beste Lösung wäre ganz klar eine gerechtere Vergütung aller Ärzte bei verbesserten Arbeitsplatzbedingungen, dann wäre das Ärztemangelthema bald keines mehr. Solange irgendein Bürohengst des Managements alles daransetzt, den Arbeitsalltag beispielsweise im OP zu erschweren (neue tolle PC-Programme, die den Arzt zum Scoren zwingen und ihn vom Patienten fernhalten), um die Abrechnungen leichter zu machen, sehe ich allerdings schon jetzt schwarz.

    Entschuldigung, das lag mir gerade auf dem Herzen, auch wenn der Beitrag vielleicht gar nicht so kritisch gemeint war. Böse Zungen könnten übrigens behaupten, daß anhand an der Zahl der Leihärzte auf die (zu Wünschen übriglassende) Güte des Hause rückschließen könnte. Es hat schließlich Gründe wenn die OÄ alle drei Monate wechseln oder ein CA Assistenten verschleißt bis zum gehtnichtmehr. ;-P

    (cand.med.) EinAesthetist

    Antwort

  11. […] Headhunter nehmen zu, zum Teil schon mehrmals täglich. Während es anfangs noch die unbeliebten Nachtdienste waren, die feilgeboten wurden, reichen die Ärzte in den Krankenhäusern offensichtlich nun schon […]

    Antwort

  12. Diese Angebote sind zumindest eine moralische Aufrüstung. Der freie Markt beschreibt nämlich, was heute eine Arbeitsstunde wert ist. Bei den beknackten Hausarztverdiensten in Baden Württemberg habe ich als Inernist mich für 80.-€ schon einige Wochen mit so einer Agentur versucht. War ausgezeichnet. Kann ich nur empfehlen, hilft über den Tellerrand zu gucken.
    Die Modalitäten sind doch sekudär , Head Hunting oder Eigeninitiative, was soll`s? Die wichtige Botschaft ist: Die Klinikstellen sind massiv unterbesetzt! Sollen die Kassenbosse nur noch eine Weile ihre Nebhelkerzen werfen (es gäbe gar keinen Ärztemangel) wer sich zurücklehnt und guckt, der wird das Panoptikum der Mangelverwaltung defilieren sehen!
    Das sollten wir als Aufwertung verstehen. Aufwertung auf das Niveau, das wir ohne Not verschenkt haben.

    Antwort

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