Seehofer – der geläuterte Patient


Der Initiator einer Sparkatastrophe
Horst Seehofer, jetzt Bayerischer Ministerpräsident, war von 1992 – 1998 der Bundesgesundheitsminister, der 1993 mit dem  Gesundheitsstrukturgesetz einen rigiden Sparkurs im Gesundheitswesen vor allem durch Druck auf die „Leistungserbringer“ (Ärzte, Krankenhäuser, Therapeuten aller Art) einführte, den dann ja letztlich Ulla Schmidt zur Perfektion brachte.

„Ärztepack“
Seehofer zeigte sich damals vor allem den Ärzten gegenüber hart und soll schon 1993 einen RTL-Journalisten bemitleidet haben, weil er es nicht mit dem „Ärztepack“ zu tun habe. Wegen Verunglimpfung ihres Berufsstands sollen bayerische Zahnärzte damals sogar Strafantrag gegen Seehofer gestellt haben. Kurzum: Seehofer war bei Ärzten alles andere als beliebt und umgekehrt.

Dann kam der Dezember 2001
Seehofer erkrankte schwer und lebensbedrohlich an einer Herzmuskelentzündung und wurde in seiner Heimatklinik in Ingolstadt hervorragend behandelt. Nach einer Reha wiederhergestellt, war plötzlich vom „geläuterten Patienten Seehofer“ die Rede.

Der geläuterte Patient zeigt Reue
In einem SZ-Bericht vom 22.07.2002 wird Seehofer mit den Worten zitiert:

 „Ich glaub’, dass ich in mancher Diskussion den Ärzten und Pflegekräften Unrecht getan habe. Ich hab sie immer unter das ökonomische Diktat gestellt, ich hab gesagt, ihr könnt noch mehr leisten. Ich glaube jetzt, wir müssen nicht die Ärzte und Pflegekräfte reformieren, sondern die Bedingungen, unter denen sie arbeiten.“

Das sagte er damals, unter dem Eindruck der Genesung von einer tödlichen Krankheit mit Hilfe der Ärzte und des Klinikpersonals und – vielleicht noch wichtiger – ohne Regierungsverantwortung.

Was schert mich mein Geschwätz von gestern
Jetzt, acht Jahre später, kann man sagen: Seehofer ist wieder der „Alte“. Leider nicht im positiven Sinne. Er scheint seine damalige Wertschätzung für die Arbeit der im Gesundheitswesen Tätigen wieder gegen Machtgier und politisches Kalkül eingetauscht zu haben.

Söder wird zurückgepfiffen
Seinen bayerischen Gesundheitsminister, der den bayerischen Ärzten im Gesundheitsfondschaos des Frühjahrs 2009 verspricht, dass kein bayerischer Arzt mehr als 5% seines Umsatzes verlieren soll (wir erinnern uns: Frau Schmidt sprach immer von 10% mehr für die Ärzte), pfeift er zurück. Die 5%-Regelung war schon nach
einem Quartal tot.

Er sollte russisch lernen
Vom Saulus zum Paulus und zurück. Bis er vielleicht ganz persönlich mal wieder einen Doktor braucht … man möchte es ihm nicht wünschen. Vielleicht sollte unser Landesvater langsam russisch lernen, deutsche Ärzte im Krankenhaus sind langsam Mangelware.
 

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3 responses to this post.

  1. Posted by Su on 31. Januar 2010 at 11:30 am

    Und dabei lernen Politiker etc.pp. bei Klinikaufenthalten doch meistens eh nur die Personaltechnisch noch ein bisschen bessergestellten Privatstationen kennen. So jemand würde sich doch nie auf eine Normalstation ins 4er-Zimmer verirren, wo jede Schwester 15 Patienten oder meist noch viel mehr versorgt…
    Schade eigentlich, dann wüssten sie vielleicht mal wie dringend was geändert werden müsste.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 31. Januar 2010 at 11:39 am

      Wenigstens eine Reaktion auf meinen mühsam recherchierten Artikel. Der Landesvater scheint so beliebt zu sein, dass sich keiner traut hier was zu äußern.

      Antwort

  2. Seehofer kommt von der AOK:

    Durch Zufall war ich vor etlichen Jahren mal als ärztlicher Beobachter zu einer AOK-Bundesversammlung geladen. Es ging über Kosten und Einsparmöglichkeiten und Vertragsmöglichkeiten und, und, und … (incl. der üblichen Eitelkeiten, Kindereien und sonstigen versammlungstypischen Verhaltensweisen)

    Am Nachmittag meinte dann meine Nachbar, einer altgedienter Medizinjournalist (keineswegs ein Ärztefreund), zu mir: „Haben Sie heute schon mal das Wort PATIENT gehört?“
    Nee, hatte ich nicht!

    Antwort

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