Prävention vom Feinsten zum Nulltarif


Eine Woche Notdienst liegt wieder hinter mir. Das lang ersehnte freie Wochenende ist endlich da. Kinderdoc berichtet von einer Mutter mit „Magen-Darm-Grippen“-Panik. Das erinnert mich an ein…

Telefonat im Notdienst um 22:10 Uhr:

Anruf Leiststelle: „Brechdurchfall bittet um Hausbesuch“

Dr. Geldgier ruft selbstverständlich umgehend dort an, um die Situation insbesondere auch hinsichtlich der Dringlichkeit zu checken.

Herr B(rechdurchfall)*: Hallo?“

Dr. G.: „Hier Dr. G., Sie hatten den Notdienst alarmiert??“

HerrB: „Ja, es geht um meine Frau. Unsere beiden Kinder hatten in den letzten beiden Wochen nacheinander die Darmgrippe und jetzt scheint es meine Frau erwischt zu haben.“

Dr. G.: „Wie alt ist denn Ihre Frau?“

HerrB: „41 Jahre“

Dr.G.: „Seit wann hat Sie denn Durchfall?“

HerrB: „Na Durchfall eigentlich noch nicht. Sie hat seit heute Mittag so Magenkrämpfe und da wollte ich wissen, ob das Buscopan, das wir zu Hause haben gut wäre?“

Dr. G.: „Also gar keinen Durchfall?“

Herr B: „Also Winde gehen schon ab und eben hat sie dann einmal gekonnt“

Dr. G.: „Und wie oft hat sie schon erbrochen?“

Herr B: „Also erbrochen gar nicht.“

Dr. G.: „Hat sie denn Fieber?“

Herr B.: „Nein“

Dr. G. (langsam fassungslos fast vom Stuhl fallend): „Also das Buscopan ist sicherlich für die Bauchkrämpfe o.k.; vielleicht haben Sie ja noch Vomex oder was anderes mit Dimenhydrinat im Haus, falls es doch noch zu Erbrechen und starker Übelkeit kommt.“

Her B.: „Und wieviel darf ich denn von den Buscopan geben?“

Dr. G.: „3×1 tgl. sind problemlos möglich. Sehen Sie aber auch in der Packungsbeilage nach.“

Herr B.: “ Und wenn dann der Durchfall ….

Das Beratungsgespräch geht dann insgesamt noch ca. 15 min hin und her. Einen angebotenen (unsinnigen) Hausbesuch lehnt der Ehemann ab, weil es ihr ja eigentlich noch recht gut gehe.

Telefonhotline vermeintlich zum Nulltarif
Auf das Vorbeibringen der Krankenversicherungskarte und der 10€ Notdienstgebühr warte ich bis heute vergebens. Ausführliche Beratung zur Unzeit, wieder mal für Gottes Lohn.

Minahmementalität
Ein gutes Beispiel für die Problematik des derzeitigen „Fast-Vollkaskosystems“ in unserem Gesundheitssystem. Schon aus erzieherischen Gründen werde ich hier hinterher telefonieren lassen, auch wenn ich dann nicht einmal meine Personalkosten damit werde decken können. Und dann wird sich meine Perle wieder anhören müssen:
„Der Doktor hat doch gar nix gemacht. Wir haben doch nur telefoniert.“ Der letzte von dieser Art – Anruf gegen 3 Uhr früh – verweigerte sogar die 10€ zu bezahlen.

______

*Namen von der Redaktion selbstverständlich geändert

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8 responses to this post.

  1. Warum biste nicht hingefahren?
    Zeitaufwand wahrscheinlich im Endeffekt kaum mehr (wenn man das Ärgern mitrechnet), aber Du hättest einen ordentlichen nächtlichen Hausbesuch im KV-Dienst abrechnen können.
    Um die medizinische Notwenigkeit brauchen wir uns nicht zu streiten. Aber darum geht es doch gar nicht. Wir leben schließlich von diesen Hypochondern!

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 30. Januar 2010 at 10:46 pm

      Lieber Kollege,
      wenn ich nur eine Nacht Dienst hätte und am nächsten Tag, so wie in vielen Kliniken heutzutage Gott sei Dank üblich im Laufe des Vormittags heimgehen könnte, dann würde ich fahren. Ich habe bis zu 7 Nächte am Stück bei parallel komplett ungemindert weiter laufender Praxis. Da bist Du um jede Minute Schlaf mehr froh und hast keinen Bock bei -10°C und Schneetreiben einem nicht indizierten Hausbesuch zu fröhnen. Außerdem wären wir ja da wieder beim Thema, was uns Ärzten vorgeworfen wird: unnötige Untersuchungen etc. …

      Antwort

  2. Immer wieder herrlich wenn man solche Gespräche mitbekommt oder sie zu lesen kriegt 😀

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  3. Posted by Special Agent Gibbs on 1. Februar 2010 at 12:19 am

    Die Leute sollen doch froh sein, wenn du ihnen nur 10 Euro berechnest bzw. berechnen kannst/darfst!

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  4. @medizynicus: da ich am südlichen Ende meines Dienstbezirks wohne, dauert ein Nacht-Hausbesuch üblicherweise 1Stund 20 Minuten, bis ich wieder im Bett bin! Und das in der „tiefen“ Nacht zwischen 1 und 5 Uhr für 92.-€ (plus Fahrtkosten, wobei der Patient aber bis zu 22 km weg wohnt, jedoch nur „> 5 km“ gezahlt wird!)

    @Dr.Geldgier: verbuch’s als „Werbungskosten“ und schreib dir’s auf Dein Pfadfinderkonte („Jeden Tag eine gute Tat“) gut.

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  5. […] Prävention vom Feinsten zum Nulltarif Der gierige Dr. soll gefälligst auch Nachts umsonst arbeiten […]

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  6. Posted by schwestertrauma on 1. Februar 2010 at 9:03 pm

    Ja, ein richtiger Traumjob… Gott sei Dank fehlen mir mindestens 7 Wartesemester zum Medizinstudium =)

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  7. Posted by mausel on 4. Februar 2010 at 8:30 pm

    hier bei uns biste auch heilfroh um jeden Hausbesuch, den du dir ersparst. auch ich bleib bei den 10 euro dran, erziehung muss sein.
    die mentalität: ich zahl doch jeden monat oder seit 20 jahren, da muss ich doch auch was dafür bekommen. ätz…ich kann´s nicht mehr hören.

    Antwort

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