Röslers Kopf und die „Kopfpauschale“ – Teil 1


Eigentlich wollte ich heute den Sonntag in Ruhe genießen, aber einige Kommentare (Sabine, Eva) zu meinen letzten Artikeln, veranlassen mich nun doch eine ewig schwelende Streitfrage näher zu beleuchten.

Nämlich die Angelegenheit mit dem Einheitsbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung, wie er von Minister Dr. Rösler gefordert wird.

„Himmelschreiende Ungerechtigkeit“
Politiker der Opposition, aber auch die Unionspolitiker, die Medien und auch verschiedenste Blogs werden nicht müde, dafür die FPD im Allgemeinen und Dr. Rösler im Besonderen an den Pranger zu stellen. Und dann kommt dann immer gebetsmühlenartig der Vergleich von der armen Putzfrau und dem Milliardär, die zukünftig denselben Beitrag zur Krankenversicherung zahlen sollten. Welch himmelschreiende Ungerechtigkeit!


Die aktuelle Wirklichkeit
Sehen wir doch mal genauer hin, wie es heute ist:

1. Problem: Beitragsbemessungsgrenze wirklich ungerecht

Der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt (noch) 14,9% des Einkommens.
D.h. der Bankkaufmann zahlt mehr als die Reinigungskraft („Putzfrau“ finde ich abwertend, auch wenn das Wort im Wortschatz von Maybrit Illner vorkommt).
Dieser Beitragssatz gilt aber nur bis zu einem Bruttoeinkommen von 3750€/Mon.;

d.h.:  Angestellter mit leitender Funktion Brutto 3750€ zahlt 558,75€ Beitrag.
d.h. aber auch Manager mit 30 000€ Monatsgehalz zahl 558,75€ Beitrag.
d.h. aber auch Multimilliardär mit 1 Million Jahreseinkommen und unzählichen sonstigen Einkünften aus Liegenschaften, … zahl  558,75€ Beitrag.

2. Problem: Pflichtversicherungsgrenze – noch verrückter

Nun gibt es noch die sogenannte Versicherungspflichtgrenze, die aktuell bei 4162,5€/Mon. liegt.  D.h., wer mehr als diesen Betrag im Monat verdient, kann ganz aus der Gesetzlichen Fürsorge aussteigen. Der zahlt dann auch nichts mehr in die gesetzliche Krankenversicherung, aber auch nicht in die Arbeitslosenversicherung und  Pflegeversicherung.

d.h.: Reinigungskraft 1600€ brutt zahlt 238,4€ an die Krankenkasse plus Pflegeversicherung, plus Arbeitslosenversicherung.
d.h. aber auch Manager mit 30 000€/Mon. zahlt 0,00€ in Kranke-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, da privat vesichert.
d.h. auch Multimilliardär: 0,00€

3. Problem: Beamte

Beamte sind per se privat krankenversichert, zahlen also auch 0,00€ in die Sozialkassen.

Scheinheiligkeit oder Dummheit – in jedem Fall falsch
Und genau deshalb sind diejenigen, die jetzt Rösler an den Pranger stellen scheinheilig oder einfach nur einfältig.
Rösler will hier mehr Gerechtigkeit schaffen und das System gleichzeitig auf ein festes Fundament stellen, denn die Grundfesten der Finanzierung des gesetzlichen Krankenversicherungssystem brechen in den nächsten Jahren unweigerlich zusammen, denn das größte Problem wird immer verschwiegen …

(Teil 2 folgt)

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16 responses to this post.

  1. Posted by PG on 7. Februar 2010 at 1:51 pm

    Ein ungerechtes System mit der Existenz eines anderen ungerechten Systems zu begründen greift etwas kurz – auch wenn es ein in der Politik äußerst beliebtes rhetorisches Mittel ist.

    Die korrekte Lösung gegen diese Ungerechtigkeit wäre doch, diese ungerechten Ausnahmeregelungen rauszuwerfen. Also Pflichtversicherung vom Sanitary Manager über den Deutsche Bank Topmanager bis hin zum Milliardär, dessen Geld sich selbst trägt (und Beamte gleich mit), ohne Ausstiegsmöglichkeit und ohne Limit.

    Das würde nebenbei dazu führen, dass die Beitragssätze insgesamt sinken könnten.

    Wer würde jammern?
    Die PKVs.
    Zu recht?
    In diesem Modell ist für sie nur noch Platz als Zusatzversicherung.

    Wer noch?
    Die Vielverdiener, die es ja jetzt schon ungerecht finden, dass sie absolut gesehen mehr „für die gleiche Leistung“ zahlen, als Geringverdiener.
    Zu recht?
    Wenn man Versorgung im Krankheitsfall nicht als Grundleistung unserer Gesellschaft betrachtet, und nebenbei die ausgezahlten Krankengeldsätze außer Acht lässt, ja.

    Also, kein Modell für die FDP – und damit nicht für Rösler. Also muss ein anderes ungerechtes System her.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 7. Februar 2010 at 4:00 pm

      Ich werde auf Ihre Kritik im Teil 2 noch näher eingehen.
      Nur soviel: Wie oft muss denn der besser Verdienende solidarisch sein Ihrer Meinung nach? Er ist es bei der Steuer, aktuell zumeist in der Sozialversicherung, dann noch bei der Kapitalertragssteuer, …
      Gerade die Besserverdiener, die momentan im Sozialversicherungs-pflichtigen Bereich abgeschöpft werden, verdienen zumeist deshalb besser, weil sie sich einer deutlich längeren und anspruchsvolleren Ausbildung unterzogen haben und in der Regel auch stundenmäßig pro Woche dtl. mehr arbeiten. Der Sozialstaat kann nicht dazu da sein, dass der Fleissige den Faulen ernährt. Er entstand letztlich Ende des 19. Jahrhunderts , damit der Gesunde und Leistungsfähige den durch Krankheit, Behinderung und andere Schicksalsschläge Gebeutelten vor Hunger und Elend zu bewaht. Es ging damals nicht um „gleicher Lebensstatus“ für alle, sondern darum vor dem Verhungern zu bewahren. Das ist leider derzeit extrem in Vergessenheit geraten.

      Antwort

      • Posted by Benedicta on 7. Februar 2010 at 6:13 pm

        Deutsches Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2:
        „(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
        Steht wortwörtlich so drin. (selber nachlesen)
        DAS scheinen aber gerade die Besserverdienenden zu vergessen – deshalb drücken sich wohl auch so viele um Steuern und jede Art von Sozialabgabe… (klar, wenn man sich ein Häuschen in Liechtenstein leisten kann ist es sicher besser, dort Steuern zu zahlen *sarkast*).

        Und den Spruch von „die haben ja auch länger studiert und arbeiten mehr“ kann ich echt nicht mehr hören. Schonmal den Bildungsreport gelesen? Dann wüsstest du nämlich, dass Bildung in Deutschland mehr als überall sonst an den sozialen Status gebunden ist – der Kausalzusammenhand ist also genau andersrum als von dir dargestellt. Nicht das lange Studium macht den höheren Status, sondern der höhere Sozialstatus ermöglicht erst das lange Studium. Schließlich will so ein Studium erst mal finanziert werden!

        Was Besserverdienende (insbesondere Arbeitgeber) dabei komplett zu vergessen scheinen:
        Wer kauft denn die Waren und nimmt die Dienstleistungen in Anspruch, die sie herstellen/anbieten?
        In der großen Mehrheit sind das Angestellte! Und WOVON sollen die das bitte bezahlen, wenn zwar Jahr für Jahr die Vorstandsgehälter erhöht werden, die Inflationsanpassung der kleinen Angestellten aber bei den Tarifverhandlungen nur mit Mühe und Not durchgesetzt werden kann – und dann meistens noch mit vollem Stundenausgleich erarbeitet werden muss?

        Der Sozialstaat ist schließlich auch nicht dazu da, dass ein paar Arbeiter knapp überm Existenzminimum den Champagner, den Whirlpool und die Nutten von Herrn Ackermann finanzieren.
        (Polemik kann ich auch ;))

        Antwort

        • Posted by drgeldgier on 7. Februar 2010 at 6:44 pm

          Mein Gott, was ist denn in Dich gefahren. Aber Du sprichst genau das Problem an. Wenn Deutschland, so wie oben vorgeschlagen einem Vorstandvorsitzenden, der 300 000 € im Jahr verdient 14,9% Krankenversicherungbeitrag einziehen will, dann wären das knapp 45 000€ im Jahr. Folge wäre einfach nur, dass sich noch mehr noch früher eben ins Ausland absetzen, da es halt andere Länder nicht tun.
          Eigentum verpflichtet ist ein gutes Stichwort:
          der angeblich so Einkommensschwache hat oft viel eher sein „Eigentum“ nämlich sein Wohnhaus – das übrigens dann zu gar nix verpflichtet ausser ein bisserl Grundsteuer – als viele Akademiker. Auch wenn diese dtl. mehr auf dem Lohnzettel haben, geht für sie das Verdienen oft erst mit knapp 30 los, zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Handwerker am Feierabend in Eigenleistung mit freundlicher „Nachbarschaftshilfe“ – selbstverständlich steuerfrei, Du weißt was ich meine – schon längst ihr Häuschen gebaut haben. Also reg Dich da bitte nicht so auf. Es führt auch völlig vom Thema weg in die Bildungspolitik einsteigen zu wollen.
          Ich bin doch auch dafür, dass Besser- und Bestverdiener mehr im Sozialsystem leisten, aber man kann halt wirklich nicht x-fach hinlangen, denn dann führt das weiterhin zur Republikflucht.

        • Posted by drgeldgier on 8. Februar 2010 at 2:55 pm

          Auf Deine Argumentationskette von sozialer Status und Bildung – die Du, ausgerechnet Du als die Statistikqueen, jetzt kausal verknüpfst muss ich schon noch kurz eingehen. Könnte es vielleicht sein, dass Gene, Veranlagung, Begabungen da auch noch ein bisschen eine Rolle spielen? Dies führt dann wieder zu einem besseren sozialen Status, dann auch zu besserer Bildung ….usw. ….?
          Glaubst Du wirklich, wenn man genug Geld in die Familien schütten würde, dann würden plötzlich alle Kinder dieser Familien Abitur machen und studieren? Ich kann mich gut an eine Sendung erinnern, leider aber nicht mehr an den genauen Namen, die darüber berichtete, was so eine Familie auf Sozialhilfeniveau mit niedrigstem Bildungsstand als erstes vom gerade erst angehobenem Kindergeld kaufte: nicht das Lexikon fürs Kind, sondern einen Flachbildschirmfernseher fürs Kind (der dritte dann im Haushalt). …

        • Posted by Benedicta on 8. Februar 2010 at 4:37 pm

          Das glaub ich nicht nur, Dr. Geldgier, das WEISS ich.
          Ich bin das beste Beispiel dafür!

          Meine Großväter waren beide Handwerker (ein Maschinenbaumeister und ein Bäckermeister). Gehobene Handwerker – aber immerhin. In beiden Familien war Abitur eher unüblich…
          Mein Maschinenbau-Großvater hat damals die Weitsicht besessen, meine Mutter entgegen aller Traditionen Abitur machen zu lassen (ein Mädchen! vom Dorf!).
          Weder meine Mutter noch mein Vater konnten je viel Prestige ansammeln – aber alle ihre Kinder studieren/haben studiert (die beiden jüngsten sogar die „Bonzenprestigefächer“ Jura und Medizin ;)).

          Und obwohl bei uns sehr wohl „angeborene“ Begabung mitspielt – ein Großteil mitverantwortlich war auch die Förderung durch die Eltern (in der Tradition des Großvaters) und das Ausnutzen sämtlicher Angebote die die Stadt so hergab.
          Und das war in meiner Jugend einiges:
          – städtische Musikschule – in meiner Grundschulzeit kostenlos – und später der Instrumentalunterricht am musischen Gymnasium: hätten meine Eltern den Musikunterricht voll bezahlen müssen, hätte ich KEIN Musikinstrument gelernt, statt 5 verschiedene (die ich alle Ensemblereif spiele!)
          – das städtische Ferienprogramm, mit Erste-Hilfe-Kursen, Tanzkursen, … – siehe oben: hätten meine Eltern das finanzieren müssen (zumal für 5 Kinder) hätte ich vieles nicht gelernt. In den letzten Jahren ist ein Großteil der städtischen Förderung weggebrochen, die Musikschule ist zwar immer noch günstig, aber kostenpflichtig, Leihinstrumente gibt es kaum noch, die Instrumentalstunden am musischen Gymnasium sind dank Budgetierung begrenzt.
          – Ferien-Ensemblekurse, damals noch ordentlich bezuschusst. Für mich lange Jahre der einzige Urlaub im Jahr. In den letzten Jahren sind die Förderungen für diese Kurse (Bildungsprogramm der Jugendherbergen) nach und nach immer mehr weggebrochen. Wäre ich heute Kind – meine Eltern könnten sich nicht mehr leisten mich dahin zu schicken.
          – Mathe-AG, ein Angebot der Uni meiner Heimatstadt: das pure Glück, da das die Eigeninitiative der damaligen Didaktikprofessorin war – die inzwischen leider verstorben ist. Heute gibt es das nicht mehr.

          Hätte es diese ganzen Förderprogramme nicht gegeben (und hätten meine Eltern sie nicht in Anspruch genommen) – ich wäre in der 6. Klasse hochkantig vom Gymnasium geflogen und heute auf Hartz IV (statt Abi mit 1,7, Diplom mit Auszeichnung und kurz vor Vollendung der Dissertation).

          MEINE Familie hat sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen. Das war (und ist) aber extrem schwer – und es dauert mehrere Generationen, die alle am Ball bleiben müssen. Von den oben zitierten Angeboten gibt es heute übrigens nur noch eines in vollem Umfang – alle anderen sind entweder komplett aufgelöst oder stark beschnitten.

        • Posted by drgeldgier on 8. Februar 2010 at 5:54 pm

          Es ist hier schwer, Dir zu antworten, denn zunächst möchte ich für die Schilderung Deiner sehr persönlichen Erfahrungen danken. Es läßt mich mehr verstehen, warum Du so vehement argumentiert, wie Du argumentierst.
          Aber gerade Dir als Statstik-Profi und mir als Mediziner muss doch klar sein, dass es keinen schlimmeren Fehler gibt, als von einem einzelnen Schicksal, auf die Allgemeinheit zu schließen. Ich könnte Dir sofort mindestens 5 Fälle nennen, bei denen es andersherum lief: gut betucht, aus bestem Hause, alle Angebote von Musik bis Kunst etc. pp, exzellente Nachhilfelehrer, … allein: der Wille war nicht da, oder es fehlte die familäre Wärme, oder was auch immer; jedenfalls landeten sie in der Gosse oder verprassen gerade das Ererbte bevor sie sich an den Sozialstaat wenden.
          Deine persönlichen Erfahrungen in Ehren, aber so kann man schlichtweg nicht argumentieren. Und außerdem ist es definitiv so, dass Du eigentlich mich bestätigst: denn die tollsten Förderungen hätten in Deinem Fall nichts bewirkt, wenn Deine Familie und auch Du selbst nicht erheblich dazu selbst beigetragen hätten.

        • Posted by Benedicta on 9. Februar 2010 at 4:40 pm

          Ja, aber andersrum gilt es eben auch: Mein ganzes Engagement und das meiner Familie – über Generationen hinweg – hätte nichts genutzt, wenn es die Angebote nicht gegeben hätte. Heutzutage, wo die Lehrmittelfreiheit an den Schulen immer mehr ausgehöhlt wird… da hätte „der Aufstieg der Familie Benedicta“ gar nicht erst begonnen, weil meine Mutter als Mädchen vom Dorf gar nicht erst den Zugang zum Gymnasium gefunden hätte (da muss sie ja aufs Internat, die Hauptschule ist doch viel näher blablabla. Hab dergleichen Einschätzungen schon bei genug Übertrittseinschätzungen gehört.).

          Sieh es mal als Teufelskreis. Es gibt ein Angebot, jemand nutzt das Angebot, das Angebot wird ausgeweitet, der Zugang wird leichter, mehr nutzen das Angebot… und so weiter. Dadurch könnte man die „Bildungslust“ steigern.
          Im Moment läuft es leider andersrum – den Leuten wird (in den Medien und überall sonst) ständig was von der „Bildungsferne“ vorgeschwafelt, das führt zu einem „Trotz-Effekt“, sprich „ich komm da eh nicht rein, die wollen mich nicht, was soll ich mich anstrengen“, das wiederum führt dazu dass Angebote nicht genutzt werden und nach und nach eingehen.

          Den Einfluss von „Ruf und Namen“ kann man übrigens schon beobachten, wenn man nur mich und meinen 10 Jahre jüngeren Bruder vergleicht. Wo es bei mir noch hieß (trotz grundsätzlich gutem Willen der Lehrer) „das schafft die nie, kann ja gar nicht, blablabla“ kam mein Bruder ganz selbstverständlich in sämtliche Förderprogramme (frei nach dem Motto „die große Schwester hats ja auch problemlos geschafft“).

          Das ganze hat sogar einen Namen: „Halo-Effekt“ oder manchmal auch „Pygmalion-Effekt“. Die Erwartung der Lehrer beeinflusst ihre Bewertung. Und da ist es eben so, dass einem Professorenkind eher etwas zugetraut wird als einem Arbeiterkind. Sicher, die ganz extremen Ausreißer – der nächste Einstein aus der Gosse oder der grenzdebile Sohn des Bankdirektors – fallen schon auf. Aber die kleinen Abweichungen eben nicht. Auch da bin ich aufgrund meiner eigenen Situation gebranntes Kind – ich habe nämlich eben keine Inselbegabung, sondern bin eher ein Allrounder. Dadurch fällt meine grundsätzliche Hochbegabung einfach nicht auf – die allermeisten Lehrer sehen nämlich nur ihr eigenes Fach, und da bin ich eben nur „oberes Drittel“, aber nicht Spitze. Erst wenn man mich in mehr als einem Gebiet erlebt, fällt dann irgendwann doch auf…

        • Posted by drgeldgier on 9. Februar 2010 at 5:16 pm

          Also hier in der blogosphere hast Du eindeutig eine Inselbegabung: ich küre Dich hiermit offiziell zur KKKK
          (Königin der kurzen kritischen Kommentare)

      • Posted by Sebastian on 7. Februar 2010 at 9:41 pm

        „Der Sozialstaat kann nicht dazu da sein, dass der Fleissige den Faulen ernährt. Er entstand letztlich Ende des 19. Jahrhunderts , damit der Gesunde und Leistungsfähige den durch Krankheit, Behinderung und andere Schicksalsschläge Gebeutelten vor Hunger und Elend zu bewaht. Es ging damals nicht um “gleicher Lebensstatus” für alle, sondern darum vor dem Verhungern zu bewahren.“

        Bravo! Endlich mal jemand der die Wahrheit ausspricht. Aber in unserer von politcal correctness triefenden Gesellschaft wird man für so eine Aussage schnell ins Abseits gestellt.

        Antwort

      • Posted by PG on 7. Februar 2010 at 11:48 pm

        „Wie oft muss denn der besser Verdienende solidarisch sein Ihrer Meinung nach? Er ist es bei der Steuer, aktuell zumeist in der Sozialversicherung, dann noch bei der Kapitalertragssteuer, …“

        Bei jedem etwas – es hat Gründe, warum das verschiedene Töpfe sind, die für verschiedene Zwecke eingerichtet wurden.

        Ob das nun wirklich die 14.9% sein müssen, habe ich schon angedeutet: Wenn alle einzahlen, ohne Wenn und Aber, wären keine 14.9% fällig.

        Das senkt die Lohnnebenkosten (wodurch eine Umverteilung innerhalb der Unternehmen stattfinden kann, um diese Mehrbelastung für die Verdienstspitze etwas zu kompensieren). Es senkt ggf. die staatlichen Zuschüsse (das muss dann halt alles austariert werden), wodurch möglicherweise an der Steuerlast (anderer Topf, bei dem Solidarität gefordert wird!) gedreht werden kann (wobei da evtl. erstmal Schuldenabbau betrieben werden kann)

        Dazu muss man wirtschaftlich rechnen können. Und den Mut haben, sowas auch mal laut zu durchdenken. Man kann zum Schluss kommen, dass das alles nicht so funktioniert. Das wäre aber zu kommunizieren.

        Bloss, was kam? „Das aktuelle System ist unfair. Lasst uns ein anderes unfaires System stattdessen einführen“
        Warum sollte ich (oder irgendwer) Politiker so billig davonkommen lassen?

        Ein anderes unfaires System ist ausschließlich dann akzeptabel, wenn hinreichend geklärt ist, dass _jede_ Alternative (inkl. des Status Quo) entweder deutlich schlechter oder gleich ganz unrealisierbar ist.

        Ich habe einen Vorschlag gemacht und auch aufgezeigt, warum er nicht so schlecht ist, wie er auf Anhieb („14.9%!!!“) scheint. Ist er gänzlich unrealistisch? Oder schlechter als die Kopfpauschale? Letzteres hängt wohl davon ab, was man eigentlich erreichen will.

        PKVs wären (wie erwähnt) von diesem Vorschlag nicht amüsiert. Und mit ganz viel Pech meint die US Army uns vom Sozialismus befreien zu müssen, wenn wir sowas einführen würden 😉

        Antwort

        • Posted by PG on 8. Februar 2010 at 12:02 am

          Nachtrag:
          Es kann natürlich sein, dass dieses und viele viele andere Modelle geprüft und als untauglich verworfen wurden.
          Es wäre nur angemessen, das ausreichend zu dokumentieren. Die derzeitige Vorgehensweise ist, eine Änderung anzukündigen und als Alternativlos darzustellen.

          Widerspruch abzubügeln und relativ unbeschadet aus der Sache herauszukommen, wenn man sich nicht gerade komplett verrechnet hat.

          Das ist bloß nicht, wofür wir unsere Volksver(t)r(a)eter bezahlen. Etwas, nein viel mehr Transparenz ist erforderlich.

          Wo ist das PDF auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit, dass die verschiedenen Alternativen, die ausgearbeitet wurden beleuchtet, damit sich die Experten bei den PKVs, den GKVs, den Ärzteverbänden, den Patientenverbänden, aber auch ganze Seminare von Volkswirtschaftsstudenten durchkauen können um festzustellen, ob das wirklich alles niet- und nagelfest ist?
          Oder ob da eben ein Dr. Rösler gekauft wurde, und nun lediglich einen auf Kennedy macht, um auch liefern zu können?

          Bis jetzt sieht das ganze Vorgehen nämlich (von der Außenwahrnehmung her) eher so aus, dass Rösler eine Idee hatte (wer hat die ihm eingeflüstert? Und wieviel hats gekostet?) und die jetzt durchdrückt.
          Man kann drauf vertrauen, dass er nur das Beste für das Volk (ein sinnloses Zusammenwerfen von vielzuvielen Gruppierungen) will. Man muss aber nicht.

          Bei einem Konzept, das so augenscheinlich die schwächeren der Gesellschaft benachteiligt, will ich dann halt auch nicht – also, darauf vertrauen.

          Fakten, lieber Dr. Geldgier, harte Fakten. Und die fordere ich nun auch von Ihnen ein, da Sie so offensichtlich (seit ihrer „geheimen Mission“ – davor klang das noch etwas anders) für dieses Konzept Stellung beziehen.

        • Posted by drgeldgier on 8. Februar 2010 at 7:42 am

          Sorry,
          ich habe zwar gute Kontakte, aber diese Berechnungen, die Sie verlangen, liegen mir leider nicht vor.
          Ihre Forderung müssten Sie aber dann auch konsequenterweise bei der Autohaftpflichtversicherung, Privathaftpflichtversicherung, Hausratversicherung, … fordern. Denn da zahlt ja momentan – wie böse – auch jeder mehr oder weniger dasselbe.

        • Posted by Volker on 8. Februar 2010 at 10:44 am

          Wer war das nochmal mit Äpfel-Birnen-Vergleich, Herr Dr. Geldgier?

          Kann es sein, dass Ihnen die Argumente ausgehen?
          Ich finde, was PG und Benedicta geschrieben haben ist durchaus ein Denkansatz, der Ihrem überlegen scheint (mir jedenfalls), einfach, weil er umfassender ist.
          Herr Rösler mag gute Absichten haben, der Messias ist er jedoch nicht. Er vertritt die Interessen seiner (vermeintlichen) Wähler, so, wie es jeder Politiker tut. Nebenbei vertritt er noch seine eigenen Interessen- was ebenfalls legitim ist, und was wir alle tun. Nur sollte das auch genau so kommuniziert werden. Und umfassende Änderungen des status quo sollten- wie von PG gefordert- öffentlich dokumentiert und diskutiert werden. Ich habe bei den Wahlen schliesslich nur abgestimmt, nicht meine Stimme abgegeben, und schon gar nicht meinen Verstand!

  2. Lt. Grundgesetz sind wir ein „sozialer Rechtsstaat“. Sollte es sein, dass sich das „sozial“ darauf beschränkt, dass der Lahme den Blinden stützt und der Gesunde mit seiner Verantwortung von dannen zieht? Nein. Unser System, in dem der Sozial-Staat dadurch ausgehölt „entlastet“ wird, dass er zunehmend den sozial Schwachen die Verantwortung für sich selbst aufbürdet, ist krank! Unser „solidarisches“ Sozialsystem stammt schließlich aus der Kaiserzeit, einer Zeit, die ansonsten alles andere als „sozial“ war!.

    Seit 1949 haben wir jetzt im Westen und seit 1989 im Osten eine klassische Tautologie (weißer Schimmel … )! Diese wird allmählich (Rezeptgebühr, Praxisgebühr, Selbstbehalt, jetzt Krankenkassenzuschlag etc.) ausschließlich auf die Zwangsversicherten übertragen und die Unternehmen, die ja – ein Blick in anderer europäische, geschweige denn außereuropäishe Länder ist hier sehr hilfreich – einen deutlichen Nutzen davon haben, dass die Deutschen besser versorgt sind, ziehen sich – durch ihren Lobbyeinfluss auf die Gesetzgebung – aus ihren Kosten zurück!

    Eine Kopfpauschale für alle Versicherten (an die Kassen) ist vielmehr der einzige vernünftige Weg: warum sollte das „Sozial“ gespalten sein und auf viele völlig unterschiedliche Institutionen verteilt sein? Die Krankenkassen bekommen das Geld, das sie brauchen (bitte hier keine Diskussion, wer nach Meinung von Lieschen Müller , Hans Dampf oder Franz Wichtigtuer davon dann zuviel order zu wenig bekommt, das ist eine anderes Thema).

    Und das „Soziale“ spielt sich beim Staat ab (wo es lt. Grundgesetz hingehört) und wird aus den Steuereinnahmen finanziert (Kassenzuschüsse), da zahlen dann alle dazu: der Hartz-IV-Empfänger (nix, der wird vielmehr komplett vom Staat übernommen), die Reinemachefrau (wenig, wenn überhaupt), der Generaldirektor (viel) und die Firma (mit der Umsaytzsteuer)! Da sind dann auch die Schlaumeierfirmen mit im Boot, die sich mittels Automatisierung oder mittels Lohndumping bzw. Leiharbeiter ihre Lohnkosten und v.a. die Lohnnebenkosten outgesourced haben!

    Antwort

  3. das hat jetzt nix mit Medizin zu tun:
    @Benedicta: Deine (Familien)Lebenserfahrung ist schön für Dich (hab ne ähnliche gemacht, spiele allerdings keins meiner Instrumente „ensemblereif“). Aber sie beweist doch (analog dem Spruch „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich“): Man hat kein Geld zum Rausschleißen, sondern man nimmt sein Geld für das, was einem wichtig erscheint!.

    Unserem heutigen Staat erscheint Kinder- Familien und Bildungspolitik nicht wichtig, sondern vielmehr Geiz, Ausbeutung und hemmungsloser Genuß. Dass man sich auch zu Tode sparen kann, das soll’n die Anderen ausbaden. Und wenn’seinen selber trifft, dann „warum ich, wo doch die Anderen…, und warum jetzt, bisher ging’s doch auch …“. Da hab ich als Arzt nun wiederum keinerlei Mitgefühl!

    Antwort

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