Sprachlos…


… in der Praxis:

Türkische Patientin, 44Jahre, Kopftuch, sehr freundlich, kommt in Begleitung des Ehemanns:

Dr. G.: „Welche Beschwerden führen Sie zu mir?“

Patientin: „?“

Ehemann: „Sie hat so Kopfschmerzen“

Dr. G. zum Ehemann: „Spricht Ihre Frau kein Deutsch?“

Ehemann: „Nein Herr Doktor, gar nix“ (*Patientin und Ehemann verlegen lächelnd)

… die Anamnese und Untersuchung gestalten sich demensprechend holprig und bleiben letztlich auch etwas unberfriedigend.  …

Ganz am Ende konnte Dr. G. es sich dann doch nicht verkneifen:

Dr.G.: „Seit wann lebt Ihre Frau in Deutschland?“

Ehemann: „Seit 23 Jahren Doktor. Sie will nix lernen, sagen ich immer wieder  zu ihr, aber will nix.“

Mit einer unguten Mischung von Mitleid und Fassungslosigkeit eilte Dr. Geldgier dann in seinem Hamsterrad zum nächsten Patienten. …

P.S.: Um Missverständnissen vorzubeugen – dieser Artikel ist nicht Ausdruck einer ausländerfeindlichen Haltung, im Gegenteil. Gerade an diesem Beispiel sieht man auch, wie gesundheitsgefährdend es sein kann, wenn man in einem fremden Land nicht integriert ist.

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16 responses to this post.

  1. Boah 23 Jahre in einem Land und spricht die Sprache nicht. Das ist hart!
    Aber ich denke du hast gut reagiert und nicht abwertend reagiert.

    Antwort

  2. Das ist auch nicht ausländerfeindlich, sondern logisch. Wenn man bewusst in ein fremdes Land zieht und dort lebt, hat man die Sprache auch zu lernen, ganz einfach *kopfschüttel* In so vielen Ländern hätte sie gar keine Chance gehabt, reinzukommen.

    Antwort

  3. Da stimme ich Chaoskatze uneingeschränkt zu. Wie muss sich die Frau wohl fühlen, die ist ja hier alleine total aufgeschmissen …

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  4. Posted by Special Agent Gibbs on 9. Februar 2010 at 11:18 am

    Vielleicht kann die Frau ja auch Deutsch, darf aber in Gegenwart ihres Mannes kein Deutsch sprechen?! Wie auch immer, beides ist sehr erschreckend…

    Antwort

  5. Posted by mausel on 9. Februar 2010 at 11:51 am

    viele können wirklich kein deutsch, zieh mal in die türkei oder z.b. VAE und kann die sprache nicht oder nichtmal englisch, dürftest du gar nicht erst bleiben.
    haben wir auch öfter: schneid mal jemanden den bauch auf, der kein deutsch spricht und erklär ihr oder ihm ein metastisierendes tumorleiden???… dann vielleicht auch noch junge Frau mit ovarialca und kinderwunsch… hatten wir erst letzends, musste dann in eine gyn weit weg (120 km). wie kommt der mann dahin etc. wir waren echt aufgeschmissen ohne übersetzer. eine wertung würde ich mir auch nicht erlauben, aber sauer ist man in dem moment schon, weil man sich selbst so hilflos fühlt. wie helfe ich den leuten am besten usw….

    Antwort

  6. Posted by Benedicta on 9. Februar 2010 at 4:18 pm

    Na, mal langsam.
    Ich kenne eine junge Ärztin, die ihr PJ in Island gemacht hat… sie konnte minimal Isländisch, ganz bestimmt nicht genug für die Diskussion einer Diagnose. Sie selbst erzählte, dass das alles auf Englisch lief (was in Island wohl jeder beherrscht).
    Auch in meinem Berufsgebiet – Informatik – ist es durchaus üblich, dass in Firmen Englisch gesprochen wird. Zum einen, weil die Fachsprache nunmal sowieso Englisch ist, zum anderen, weil es viel internationale Zusammenarbeit gibt und Mitarbeiter daher häufig den Standort wechseln.
    Ich habe auch Kollegen, die nach mehreren Jahren in Deutschland immer noch nicht vernünftig Deutsch sprechen. Bei denen ist das übrigens kein böser Wille, sondern schlicht Unvermögen – die deutsche Sprache ist zu schwierig für sie (und weil wir Kollegen alle viel zu ungeduldig sind, sprechen wir dann eher Englisch. Geht schneller und vermeidet Missverständnisse). So können sie zwar einen Supermarkt-Einkauf bewältigen, aber eben kein Fachgespräch – und wohl auch keinen Arztbesuch (es sei denn, der Arzt spräche Englisch).
    Andersrum kenne ich genügend Leute, die sich schon mit Englisch plagen – auch Akademiker! – wenn die von ihrer Firma nach China, Japan oder Indien versetzt würden, die wären schön aufgeschmissen. Trotzdem kann man so eine Versetzung nicht immer abwenden!

    Antwort

  7. Posted by Sebastian on 9. Februar 2010 at 6:45 pm

    Benedicta lebt wohl hinterm Mond! Englisch? Das ich nicht lache.
    Fahr mal nach Duisburg-Marxloh dann wirst du DU türkisch lernen müssen, denn dort passiert grad Integration vice versa.

    Die Frau war wahrscheinlich überhaupt das erste Mal beim Arzt.
    Mich würde interessieren, inweit die Untersuchung möglich war?

    Antwort

  8. Posted by INTensivling on 9. Februar 2010 at 7:23 pm

    Die Frage ist, ob die Frau wirklich kein Deutsch lernen wollte oder nicht durfte? Naja, Resultat wäre ja gleich geblieben.
    Interessant ist, dass, sobald man anfängt über so etwas zu diskutieren, schnell den Stempel „!!! AUSLÄNDERFEINDLICH !!!“ aufgedrückt bekommt. Wie schon richtig gesagt, würde man das Gegenteil probieren, in ein fremdes Land ziehen und sich dort der Landessprache verweigern, könnte man sehr bald wieder gehen.
    Man könnte natürlich auch versuchen, eine katholische Kirche in Ankara aufzustellen… aber das geht jetzt in eine andere Richtung.

    Antwort

  9. Unfassbar. Es sollte dringend was für die Integration getan werden.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 10. Februar 2010 at 5:58 pm

      Unfassbar – da stimme ich zu.
      „Es sollte dringend was für die Integration getan werden“ – na was denn? Die Frau kam mit 21 Jahren nach Deutschland. Sie wirkt intellektuell zumindest durchschnittlich begabt – überall werden Deutschkurse für Ausländer angeboten – wo ein WILLE ist, ist auch ein Weg. Leider scheinen aber viele, lieber in ghettoähnlichen Zuständen unter Gleichgesinnten – quasi in einer Mikroheimat – leben zu wollen, als sich hier zu integrieren.

      Antwort

      • Posted by INTensivling on 10. Februar 2010 at 7:32 pm

        Naja, oder sie DURFTE nicht. Viele Männer halten ihre Frauen absichtlich zu Hause, damit sie keine Kontakte aufnehmen können. Sie können sich dadurch 24/7 um die Kinder kümmern, und laufen nicht Gefahr, auf andere Gedanken zu kommen.
        Wie oft hatte ich schon PatientInnen, bei denen die Ehemänner klipp und klar gesagt haben, dass sie es ihren Frauen verboten haben, Deutsch zu lernen. Super Sache…

        Antwort

  10. Posted by Melanie on 10. Februar 2010 at 10:05 pm

    Hallo Dr. Geldgier,
    das hab ich schon tausendfach im Dienst erlebt, vorallem die Quatschen immer weiter als müsste man SIE verstehen müssen.Meistens bringen die Frauen dann ihre perfekt Deutsch sprechenden 5 Jährigen Sohn mit der dann alles klären darf.
    Ich spreche so leidlich französisch und mein Mann fließend ist ja klar das er alles regeln darf, da kann man sich aber echt dran gewöhnen und bequem ist es auch noch.
    Es ist dann so ausgeartet das ich meinem Mann gesagt hab er soll dem Mann hinter der deutschsprechend Belgischen Tankstellentresen sagen das ich ein XY haben will.
    Kicher* mein Mann hat mich dann aufgeklärt das ich ab sofort wieder alles selber klären könne.
    Erfrischend ihre Erzählungen
    Viele liebe Grüße
    Melanie

    Antwort

  11. Und du rollst echt in einem Hamsterrad durch die Praxis? Das muss ich mir mal anschaun… ich glaub ich hab so unklare Kopfschmerzen…

    Antwort

  12. Posted by drgeldgier on 12. Februar 2010 at 8:05 pm

    @schwestertrauma: dann mal ab an die costa calma

    Antwort

  13. Posted by Benedicta on 13. Februar 2010 at 9:19 pm

    Ach, übrigens: war das dieselbe Türkin wie hier?

    Antwort

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