Verloren …


… als ob es aktuell noch nicht genug wäre für mich, nun auch noch das:

Resignation
Einer meiner aktivesten Mitstreiter im Kampf für den Erhalt eines hervorragenden Gesundheitswesens und vor allem der ambulanten, wohnortnahen Versorgung durch Haus- und Fachärzte, wirft resigniert das Handtuch.

Point-of-no-return scheint überschritten
Gestern erhielt ich seine Email. Er tritt aus einer Ärztevereinigung, die sich erst vor einem Jahr mit diesem Ziel gegründet hatte aus und legt sein Amt nieder. Er hat den Glauben daran verloren, dass sich der von rot-schwarz eingeschlagene Weg hin zu einer konzerngesteuerten Massenmedizin unter dem strengen Diktat der Gewinnmaximierung für die Aktionäre, mit Zerstörung haus- und fachärztlicher Einzelpraxen noch aufhalten lasse. Er werde baldmöglichst nach Skandinavien auswandern, obwohl er gerade eben erst hier in Deutschland für sich und seine Famlilie ein Häuschen gebaut hatte, obwohl seine Kinder hier noch zur Schule gehen. Ferner, so schreibt er, werde er jeden Arzt aktiv dazu raten, Deutschland zu verlassen.

Ich und alle seine Mitstreiter sind geschockt. Noch schlimmer ist allerdings, dass wir seine Motive gut verstehen können.

Es tut weh, einen so wertvollen Mitstreiter und Freund zu verlieren …

Vielleicht wird aus diesem Blog – auch aus privaten Gründen (s. „Auszeit“) – noch ein Auswandererblog

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13 responses to this post.

  1. Ist Auswandern eine Lösung?
    Und vor allem: Wo willst Du hin?
    Skandinavien? Schweiz? Niederlande? Großbritannien? USA?

    Antwort

  2. Auswandern ist meistens keine Lösung. Man läuft oftmals nur vor sich selbst weg … Du weisst doch: „We are all sitting in one boat“ (frei nach einem Ex_Minister)

    Antwort

  3. nun, wenn man jung genug ist, könnte man durchaus Auswandern – warum auch nicht, man lebt nur einmal!

    Antwort

  4. Ich kanns nachvollziehen..auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt..auch in den „gelobten“ Ländern nicht….

    Antwort

  5. Posted by Special Agent Gibbs on 20. Februar 2010 at 12:02 pm

    Ach man, wenn es Dicke kommt, dann aber richtig… Ich hoffe, dass du trotzdem nicht die Hoffnung auf ein besseres (Arzt-)Leben aufgibst!

    Antwort

  6. Posted by INTensivling on 21. Februar 2010 at 4:58 pm

    Auch wenn es für manche schwer ist – Auswandern IST eine Lösung, wenn man nicht abhänging von einem Ort oder einem Land ist, und man es sich vorstellen kann, woanders neu anzufangen.
    Ich trage diesen Gedanken auch schon lange mit mir herum, und kann jeden verstehen der diesen Schritt geht.

    Antwort

  7. Über Auswanderung nachdenken finde ich gut. Tatsächlich auswandern finde ich dagegen schlecht, weil es die Gesellschaft der progressiven Menschen beraubt. (http://gesundheitsunwesen.wordpress.com/2010/02/22/auswandern/)

    Antwort

  8. Posted by Republikflüchtling on 22. Februar 2010 at 11:17 am

    Auswandern ist eine Alternative! Ich bin seit 4 Jahren mit meiner Familie in der Schweiz. Es gibt zwar auch Probleme, aber im Vergleich ist das Kleinkram. Und falls es uns hier nicht mehr gefällt (die DRGs kommen!), gehen wir sicher nicht zurück nach D!
    Irgendwann ist halt mal genug – auch wenn es tatsächlich volkswirtschaftlich schade ist, mit der Ausbildung indirekt andere Länder zu subventionieren.

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 22. Februar 2010 at 12:34 pm

      Danke für den Kommentar.
      Was ist besser der Schweiz als in Deutschland. Bist Du als Arzt dort? Im KrH oder in der Praxis?
      Könntest Du kurz und knapp auf Anhieb 3 wesentliche Vorteile der Schweiz darstellen?
      Danke

      Antwort

      • Posted by Republikflüchtling on 22. Februar 2010 at 2:18 pm

        Ja, ich bin als Arzt in der Schweiz. Im KH – oder Spital wie der Schweizer sagt. Meine Frau ist aber als Ärztin in einer Praxis angestellt und ich habe auch einen niedergelassenen Kollegen aus D.
        Drei Vorteile zu nennen ist relativ leicht:
        1. Die Wertschätzung die Ärzten entgegengebracht wird, ist noch deutlich höher – man ist nicht nur ein Kostenfaktor wie in D.
        2. Das Einkommen ist deutlich besser (und die Schweiz im Vergleich nicht mehr so teuer – Euro sei Dank).
        3. Man kann eher medizinisch sinnvoll arbeiten und muss nicht alles den Kosten unterordnen (Kosten spielen aber natürlich schon auch eine Rolle).
        4. Im Allgemeinen ist die Tendenz zu Extremen geringer und es wird versucht Konsenslösungen aller Beteiligten zu erzielen. So jemand wie Frau Schmidt hätte hier kaum eine Chance.

        Nicht unterschätzen sollte man die Unterschiede in der Mentalität – die Schweiz ist eben doch Ausland, auch wenn auf den ersten Blick vieles ähnlich zu sein scheint.

        Wir haben es nur sehr selten bereut hierhergekommen zu sein und Deutschland hat mir bisher noch nie gefehlt!

        Herzliche Grüsse aus der Schweiz

        Antwort

  9. Posted by Republikflüchtling on 22. Februar 2010 at 3:13 pm

    Auch deutlich besser. Es wird mehr Wert auf Patientenzufriedenheit gelegt und die Stellenschlüssel in der Pflege sind unglaublich (im Vergleich). Die Versorgung scheint insgesamt besser und menschlicher zu sein, was auch heissen kann, dass mal weniger gemacht wird. Statt 99-jährige mit allen Mitteln für 2 Wochen am Sterben zu hindern, kann eher akzeptiert werden, dass man therapeutisch am Ende ist. Da bin ich mir aber nicht sicher, ob das an der Schweiz liegt, oder daran, dass ich hier in einem sehr kleinen Spital auf dem Land schaffe (die gibt es hier auch noch häufig, wobei der Wille zur Zentralisierung von der Politik immer lauter artikuliert wird – aber solange das Volk nicht will…).

    Antwort

  10. Auswandern ist nicht nur eine Alternative, sondern die Lösung. Ich bin seit 18 Monaten in Schweden, habe vernünftige Arbeitszeiten, einer vernünftige Dienstbezahlung, ich habe Zeit für meine Kinder und für mein Haus und ich habe den Eindruck in einem System zu arbeiten, dass zwar nicht fehlerfrei ist, aber dennoch wesentlich besser durchdacht als der Murks den ich in .de erlebt habe.

    Patrick

    Antwort

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