Klinikskandal München – wenn Ärzte nichts mehr zu sagen haben


München wird derzeit von einem Klinik-Skandal erschüttert. Offensichtlich katastrophale Hygienemängel, gegen die nicht korrekt vorgegangen wurde.

Zerstörung jahrelang guter ärztlicher Arbeit
Kliniken, die aufgrund der hervorragenden Arbeit ihrer Ärzte eigentlichen einen guten medizinischen Ruf genossen, geraten in ein schlechtes Licht. Das ist ein Skandal. Das ist bitter, denn ich schätze einige dieser Münchner Kollegen sehr und habe komplizierte Fälle gerne in diese Kliniken überwiesen.

Die Medizin wird den Ärzten aus der Hand genommen
Das ist aber auch ein Zeichen unserer Zeit. Die Medizin gerät immer mehr in die Hände von Nicht-Medizinern, die erkannt haben, dass man als Klinik-Geschäftsführer, Konzernmanager, … richtig gut Kohle verdienen kann. Ärzte werden in diesen hohen Sphären der Geschäftsführung, wie auch in München, meist nicht mehr berücksichtigt. Die sollen die Drecksarbeit am Patienten machen, für möglichst wenig Geld, damit dieses bei den wirklich wichtigen Machern verbleibt. Ärzte sind nur noch Erfüllungsgehilfen am „Produkt“ Patient, (der ja jetzt Kunde heißt). So wie der Fließbandarbeiter bei Opel, der hat ja auch nix mehr zu sagen.

Die wichtigen Macher sind heute Diplom-Kaufmänner, Volkswirte, Juristen, etc. …
Die es dann verpennen, wenn was wirklich medizinisch schief läuft, weil sie die Bedeutung, beispielsweise von Hygiene, schlichtweg unterschätzen und von Medizin keinen blassen Schimmer haben.

Das ist die Medizin der Zukunft liebes Deutschland. Hier bestimmen nicht mehr medizinischer Sachverstand, sondern Gewinnmaximierung.

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14 responses to this post.

  1. Keine Sorge, wenn Kaufleute das alles übernommen haben, dann bedeutet das nicht, dass alles verdreckt. Es bedeutet, dass man so lange verdrecken lässt, bis die beschwerden kommen und danach bleibt man knapp unter der Linie. Das bedeute: So viel Hygiene wie absolut nötig. Das ist alles. Sind eben Kaufleute.

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  2. Ach, Sie schimpfen über Gewinnmaximierung? Das geht doch einher mit Liberalisierung der Märkte und Privatisierung von Gesundheit, Bildung und öffentlicher Versorgung wie Gas, Wasser, Scheiße sowie Verkehrsmitteln?

    Man könnte fast meinen Sie haben das Programm der FDP noch nie gesehen.

    Antwort

    • Seit wann ist es „Gewinnmaximierung“ , wenn ein Produkt kaputt gemacht wird? Zur Gewinnmaximierung kann man die Produkteigenschaften/Qualitäten so lange reduzieren, bis kurz bevor das Produkt für den Kunden seine Attraktivität verliert, bzw. bis das Produkt nur genau das umfasst, was derKunde haben will (wenn ich daran denke, was in meinem Auto, meinem Fernseher und erst in Windows so drin ist, was ich niemals brauchen werde, aber bezahlen musste) . Das nennt man dann auch „kein überflüssiger Luxus“ und den darf es ja im Sozialgesetz nicht geben, denn sonst müssten die (gesunden) Versicherten ja mehr bezahlen.
      Wenn man dagegen ein Produkt „kaputt spart“, ist das nicht Gewinnmaximierung sondern Blödheit, Schlamperei oder Betrug, in jedem Fall – siehe München – Absägen des Astes auf dem man sitzt!

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      • Ich habe keine Ahnung warum das unter meinem Beitrag steht. Wirklich nicht.

        Vielleicht kann ich ja präzisieren:
        Ich verurteile das bestimmte Dienstleistungen / Waren (eben öffentl. Verkehrsmittel, Wasserversorgung, Bildungswesen, etc.) privatisiert werden und dann im Zuge der Gewinnmaximierung kaputt rationalisiert werden. Es geht nur noch um mehr Reichtum für ohnehin schon Reiche, nicht um den Menschen (hier: den Patienten).
        Und ich glaube genau das hat auch Dr. Geldgier gemeint wenn er davon spricht „Hier bestimmen nicht mehr medizinischer Sachverstand, sondern Gewinnmaximierung.“.

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  3. Posted by Benedicta on 15. Juli 2010 at 9:39 am

    Ja nee, is klar. Die tollen, verantwortungsbewussten Ärzte haben natürlich gar nichts mit Hygienemängeln zu tun… darum waschen die sich auch immer alle brav die Hände, wenn sie mit Kranken zu tun haben *hust* (du müsstest mal meinen Bruder – seines Zeichens Medizinstudent – zu diesem Thema über seine Praktika schimpfen hören. Halali! Da fällt man als Patient total vom Glauben ab.)

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    • Posted by drgeldgier on 15. Juli 2010 at 10:04 am

      schön, dass das mal raus war. Aber was das jetzt mit dem oben beschriebenen Vorgang zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz.

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  4. Posted by nur krankenschwester on 15. Juli 2010 at 1:19 pm

    Ich finde es sehr schade, dass die Arbeit mit dem Patienten als „Drecksarbeit“ bezeichnet wird!
    Da merkt man auch wie die Einstellung der Ärzten dazu ist!

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    • Posted by drgeldgier on 15. Juli 2010 at 3:03 pm

      Oh, das ist ein Missverständnis. Ich meinte damit die ärztliche Arbeit aus Sicht der Geschäftsführung und Konzernchefs. Beim näheren Lesen dieses Blogs sollte Dir klar werden, dass ich persönlich meine Arbeit alles andere als, als „Drecksarbeit“ empfinde.
      Wie Du aber als Krankenschwester weißt, geht es manchmal, bei Dir noch mehr, als bei mir, sehr dreckig zu und dazu sind sich die Herren der Verwaltung wahrlich zu fein.

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  5. Posted by Jairdan on 15. Juli 2010 at 2:46 pm

    Nun ja, das liegt doch nur an den absurden Gehaltsvorstellungen der Ärzte…Geschäftsführer verdienen doch viel zu wenig, als das sich ein Halbgott in Weiß erniedrigen würde in die Geschäftsleitung zu gehen…., so jedenfalls begründet der liebe Herr Montazeder die 0 Mediziner Quote im Direktorium…Dumm nur, wenn dann gleich zwei Mediziner sich erinnern können sich beworben zu haben…Herr Montazeder könnte natürlich an einer Form von retrograder Amnesie leiden..Wäre bestimmt ne tolle Sache für einen niedergelassenen Neurologen mal ein Korsakow-Syndrom auszuschließen…Ist ja eine politische Berufskrankheit…

    Und nöö, die CSU würde es auch nicht besser machen…

    @Landarsch: Das Beispiel hinkt: Das ‚race to the bottom‘ Prinzip funktioniert nicht nur bei den Steuern, wenn man die allgemeinen Standards absinken lässt, hat der Patient eben nur die Möglichkeit zwischen a) qualitativ schlechter Versorgung oder b) qualitativ schlechter Versorgung…Dieser Zustand in München findet sich auch bereits in vielen Uniklinika und als Kassenpatient hat man häufig nicht wirklich eine große Auswahl und wer geht schon nach Heidelberg, weil die sagen wir eine gute Thoraxchirurgie haben, wenn xyc in Greifswald wohnt und da seine Verwandtschaft etc…

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    • ich hab mich doch nur daran gestört dass hier von Gewinnmaximierung gesprochen wird. Natürlich hat Du recht. Aber andererseits, hier wird ja – genauso wie in der Industrie – nicht ein Produkt fur einen Kunden gemacht, sondern für die große Mehrheit – und erst wenn diese große Mehrheit unzufrieden ist …

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  6. Dieser Hygiene-Gau wird leider nicht dazu führen, dass Ärzte wieder die Kaufleute in den Kliniken verdrängen. An diesem einen Beispiel erkennt man zwar sehr gut, zu was mangelnder fachlicher Input führt, es wird aber nichts ändern. Die Grundidee, dass Medizin eine Wahre sei hat das System vergiftet. Konkurrenz unter den Krankenkassen ist so sinnvoll wie Gewinnprämien für die schnellste Mutter Theresa. Das geht nicht in die Köpfe. Geld ist zu geil. Ein paar kaputte Klimaanlagen in Zügen haben für die Presse ja auch mehr News-Wert als der Hygieneskandal. Krank ist immer nur der Einzelne. Der hat keine Lobby. Die “Bewegung gegen die Gewinnmaximierung im Kassenwettbewerb” ist ein Rohrkreppierer.
    Ich bin sicher, erst muss dieses ganze “wettbewerbsorientierte” Nullsummenspiel mit kranken Menschen zusammenbrechen, bevor vernünftige Ideen ventilliert werden.
    Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug für ernsthafte Veränderungen.

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  7. Ist doch überall das Selbe,.. Hauptsache das Haus ist voll und das Geld fließt,..
    Am besten keine Ahnung von Pflege und Medizin, aber dafür wissen sie wie man Geld macht und überall gut sparen kann..
    Kann dir nur beiflichten, am Ende gehts nur ums liebe Geld…

    Antwort

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