Zweiklassenmedizin – mal anders! Widerlich!


Heute – Donnerstag – ist der einzige Tag, an dem ich jeweils einen Pharma-Heini zu mir vorlasse. Es war der Eisenmensch da. Er wollte mich dazu überreden künftig bei bestimmten Krankheiten Eisen intravenös zu verabreichen, anstelle von Tabletten. Lächerliche 190€ pro Infusion.

Die Krönung aber seine Argumentation: 

„Kann man auch als Bolus (also quasi auf einmal) rasch verabreichen. Oder als rasche Kurzinfusion die Wochendosis, mehr als eine Infusion bekommen Sie ja sowieso nicht von der Kasse abgerechnet.“

Aber:

„Bei Privatpatienten mindestens 30 min laufen lassen, weil man das ja dann wieder erheblich besser abrechnen kann“

Viele finden Eisentabletten zum Ko…., ich den Eisenheini !

Aber so ist das System – bezahlt wird nach schwachsinnigen Kriterien und die „schlauen“ Ärzte winden sich ständig nach diesen Kriterien, die sich fast jedes Quartal ändern. Auch ne Art von Fortbildung.

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9 responses to this post.

  1. Bei uns in der Allgemeinmedizin gibt es massenhaft solche „Regeln“, wobei ich anders denke als das von Ihnen beschrieben ist. Ich beachte diese „Regressgrenzen“. Ein Ferritin über 10 ist nach Diktion der Kassen keine Behandlungsnotwendigkeit. Wenn ich einer Patientin mit Ferritin 15 ein Eisenpräparat aufschreibe, dann ist das schon wieder riskant. Denn ich kann es selbst bezahlen, falls es den Burschen von der KV-Kasse auffällt. Oder es kommt so ein Pharmavertreter, der mir erzählt, dass sein Inhalationsmittel so toll für die Atemwegserkrankungen wirkt, er zeigt mir schöne Studien und sagt natürlich NICHT dazu, dass dieses gering höher dosierte (und wohlgemerkt sehr nützliche) Mittel bei Formen von noch „mittelgradigem“ Asthma nicht bezahlt wird, ich darf es nur bei gering höhergradigen Formen einsetzen. Wenn ich das mal übersehe, dann geht es dem Patienten bestens, der Pharmafritze freut sich, weil der Umsatz etwas höher ist und ich bin reingetappt, denn das ist wieder ein Regressgrund, ich muss es selber bezahlen, wenn es bemerkt wird. Ein idiotisches sich „Durchwinden“ ganz richtig beschrieben von Ihnen.

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  2. Mal eine Frage, oder besser ein Tip für einen Beitrag. Wenn Sie das ändern müssten als wenn Sie verhindern müssten, dass solche Mißbräuche möglich sind und man ein paar Eisentabletten – die im Edeka wenige Euro und in der Apotheke maximal 100 Euro die Packung kosten – zu erstzen gegen eine Behandlung die nur doppelt so teuer ist. Wenn es gilt, diesem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben, was sollte man da tun?

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  3. Sorry Fehler: Streiche „zu ersetzen“ und setze „ersetzt“.

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  4. Posted by HiJoe on 23. Juli 2010 at 9:43 am

    Man erkennt hier natürlich auch sofort einen systemischen Nachteil der Privatversicherungen: sie mischt sich traditionell wenig in das Verhältnis von Leistungsanbieter und -empfänger ein und zahlt gutes Geld für so manch‘ unsinnige Behandlung. Kein Wunder also, dass auch die Privatversicherungen immer mehr über horrend steigende Ausgaben klagen.

    Privat ist für das Gesamtsystem eben nicht besser als Gesetzlich, auch wenn das der Bevölkerung von den üblichen Verdächtigen (FDP, CDU, Medien, Privatversicherungen) per Gehirnwäsche eingepflanzt wurde. Studien, die die Nachteile der PKV aufzeigen (ja, da gab es vor kurzem eine), werden von der Regierung lieber weggesperrt. Privat vor Staat eben, damit das eigene Klientel noch mehr Geld scheffeln kann. Traurig, traurig.

    Ein weiterer Nachteil der PKV ist, dass es dort so gut wie keinen Wettbewerb bei den Bestandskunden gibt. Ja, da staunt man, den von den GKVs eingeforderte Wettbewerb, um Effizienz zu steigern und Kosten zu senken, gibt es bei der PKV kaum, da für (ältere) PKV Mitglieder ein Wechsel oft mit zu vielen Nachteile verbunden ist.

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  5. @Wolfgang: Die Möglichkeiten zum Verbessern der Situation gibt es natürlich.
    1. Vorgeben einer Auswahl von verschreibungsfähigen Medikamenten für die Diagnosen xyz.
    Das nennt man “Positivliste”. Beim Anklicken des Medikaments im PC muss Diagnose x per Mausklick bestätigt werden.
    Durch so ein billiges Verfahren wären wertlose Medikamente getilgt und “Regressverfahren” gegen Ärzte gegenstandslos.

    2. Ein mäßiger finanzieller Anreiz für Ärzte, möglichst immer dieses Verschreiben der gelisteten Pillen zu betreiben und immer die Diagnosen am PC zu bestätigen. Das ist allemal besser als die Bußgelder in Insolvenzhöhe, mit denen wir (als sogenannter “Regress”) bedroht werden.

    Weil aber die Pharmaindustrie gut daran verdient uns zu täuschen und zum regressgefährlichen Verschreiben zu manipulieren, werden wir niemals ein Programm auf unserem PC finden, dass uns das Leben so erleichtern würde.
    Wir bekommen nur Pharmaprogramme, logisch wer da profitiert.
    @HiJoe Prima Hinweis. Den Privatpatienten wird vorgeflunkert, sie wären besonders gut dran, weil sie alles bekämen, was der Arzt sonst nur seiner Mutter gäbe. Die Wahrheit ist, dass er zumindest genauso oft das vom Kollegen Geldgier beschriebene “Winden” betreibt. Privatpatienten bekommen, was dem Arzt nutzt, weil der finanzielle Anreiz das Verhalten manipuliert. In diesem Fall ohne medizinischen oder gesellschaftsnützlichen Effekt. Privatpatienten sind auch der Meinung, ihre Fähigkeit den Arzt selbst zu wählen sei ein Vorteil. Sorry lieber Geldgier, aber sogar der selbständig zum Neurologen laufende Patient ist oft genug ein Irrläufer. Wer kennt nicht den nackenverspannten Spannungskopfschmerzpatient, der gleich beim Neurologen fragt, wo bei ihm die Röhre stünde, denn er habe sicher einen Hirntumor und zwar links hinter dem Auge. Den schickt man besser zum Verhaltenstherapeuten als zu den Basaldisziplinen.
    Wenn der Arzt seinem Patienten keine unangenehmen Wahrheiten mehr sagen kann, weil er von dessen finanziellen Segnungen abhängig ist, dann ist es aus mit der echten Medizin und der Heilpraktiker darf streicheln.
    Das ist also genau eine der Wunden, in die Sie Ihren Finger gelegt haben. Ärzte wollen gern die Privatpatienten, weil die vernünftiges Einkommen bedeuten. Redlich betrachtet braucht es aber einen deftig durchgreifenden kompetenten Lotsen im System um medizinischem Unsinn zu begegnen, das hören grad die Fachärzte nicht gerne. Wenn man die aber ordentlich bezahlen würde, dann würden sie das nicht anders sehen als Sie und ich.

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    • Posted by drgeldgier on 24. Juli 2010 at 4:06 pm

      Geschätzter Kollege, im Großen und Ganzen stimme ich Ihnen zu, auch wenn ich der Vermengung von Spannungskopfschmerzen, cervikogenen Kopfschmerzen und dann gleich Verhaltenstherapeuten nicht so ganz zustimmen kann.

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  6. Posted by Krankenkassenmitarbeiter on 2. August 2010 at 4:50 pm

    Und nun möchte ich für mich persönlich und vielleicht auch für andere Leser zusammenfassen: Es gibt einen finanziellen Anreiz bei der Behandlung von Patienten, welches offensichtlich eines der großen Probleme unseres Gesundheitswesens ist.

    Lösungsvorschlag: Ärzte werden nach folgenden Kriterien vom Staat bezahlt: Berufserfahrung in Jahren, Patientenzahl pro Monat und Lage (Praxis auf dem Land gibt eine Bonuszahlung).

    Angestellte (Anzahl abhängig von Patientenzahl) und Technik (einheitliche Versorgung der Praxen nach Standards) werden nicht vom Arzt bezahlt, sondern ebenfalls vom Staat.

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  7. Zweiklassenmedizin…

    Das war ne wirklich interessante Diskussion, die gestern Abend bei Anne Will über die Unterschiede bei Krankenkassen geführt wurde. Logisch dass Minister Rösler und die Vertreter der privaten Krankenversicherungen das anders zu beleuchte…

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  8. […] Pharmaindustrie tut ihr übriges, wie dieser Beitrag verdeutlicht. Da werden Ärzte in die “Abzockschiene” regelrecht gelenkt. Ein paar […]

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