Selbstbeteiligung – es wird höchste Zeit


neulich im Notdienst:

Patient mit Beschwerden seit 2 Wochen wünscht Hausbesuch um 20:10Uhr

Dr. G.: „Warum sind Sie denn in den letzten 2 Wochen nie zu Ihrem Hausarzt gegangen?“

Patient: „Ja wissen Sie Herr Doktor, ich hab ja auch noch was zu arbeiten tagsüber.“

Unser Gesundheitssystem  ist eindeutig falsch gestrickt. Es herrscht eine Vollkaskomentalität mit uneingeschränktem Anspruchsdenken (zumindest bei manchen). Letztlich zum Schaden der Allgemeinheit.

Keinem würde es einfallen sein Auto um 20:10 reparieren lassen zu wollen, weil jeder weiß, dass es da teuer wird. Aber den Herrn Doktor kann man ja sogar zu Hause antanzen lassen, wenn man die Symptome drastisch genug schildert. Kost ja nix….
(o.k. 10€ Notdienstgebühr für die Kasse, aber die bekommt man auch nicht immer – eben dieser o.g. Patient hatte nämlich leider kein Geld zu Hause).

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12 responses to this post.

  1. Posted by Rentner11 on 22. August 2010 at 1:51 pm

    Ich finde ja Beiträge des Autors recht informativ und auch begründet, jedoch ist vieles einfach nur plakativ. Ich habe in einigen Beiträgen schon daraufhin gewiesen, das die Allianz, zwischen Patienten und Ärzten erforderlich ist, um erfolgreich gegen maffiöse Zustände im Gesundheitswesen und Lobbyisten vorgehen zu können. Das ist hier die absulte Nr. 1 der Forderungen. Ich kenne Ärzte die bekommen zwischen 150 TE und 340 TE/netto Jahr und der Autor kennt sichlich noch mehrere Besserverdienende seiner Zunft. Also, was sollen die einzelnen Beschwerden gegen Menschen, die 10 Euro sparen wollen? Der Autor soll gefälligst in seinen Kreisen agieren, um zur geforderten Allianz zu gelangen. Wer bestimmt eigentlich, dass Ärzte zu Millionären heranreifen sollen. Hier sollte der Markt das Honorar regeln und nicht die gierigen Bunde und Verbände! Und wenn es einigen von ihnen nicht passt, raus aus Deutschland und ab in die Walachei- aber vorher bitte alle erhaltenen Förderungen etc. zurückzahlen!

    Antwort

    • Posted by drgeldgier on 22. August 2010 at 3:54 pm

      „vorher bitte alle erhaltenen Förderungen etc. zurückzahlen“ ??? Welche Förderungen? Aber diese Aussage spiegelt die typische Einstellung wieder, die hier vorherrscht: für Ärzte sollte die deutschen Grundrechte nicht gelten. Ein Anwalt, ein Steuerberater oder sonst ein Akademiker, der in Deutschland studiert hat, darf das Land verlassen wohin er will. Aber der deutsche Arzt, der hat gefälligst alles zurück zu zahlen – also die Studienkosten, sofern ich Sie da richtig verstehe.
      Und beim Verdienst ist es genauso. Kein Mensch redet über die Einkommen von Steuerberatern, Anwälten, Unternehmern, Immobilienmaklern, ….
      aber bei Ärzten wird sofort die Neiddebatte mit völlig aberwitzigen Zahlen wie den Ihren (ich hoffe, Sie können Netto von Brutto und vor allem Unternehmensumsatz und -gewinn unterscheiden) vom Zaun gebrochen. Denn alle in Deutschland, die viel und gut arbeiten, dürfen verdienen was sie wollen, nur bei den Ärzten wird da sofort so getan, als würden sie das Geld stehlen, das sie verdienen.
      Wenn man da gerade wieder – so wie ich – eine Woche Notdienst am Stück zusätzlich zur Praxis hinter sich hat, dann sehnt man sich bei Kommentaren wie Ihren wirklich nach der Walachei. Werde aber vorher pflichtschuldigst nachfragen, was ich denn alles zurückbezahlen soll.
      Übrigens: 2008 verließen ca. 2500 Ärzte Deutschland, Tendenz steigend. 5000 Stellen in deutschen Krankenhäusern sind nicht mehr zu besetzen. (Quelle)

      Antwort

      • Posted by hajo on 23. August 2010 at 6:23 pm

        Dok, reg‘ Dich nicht auf (schädlich für das Urlaunbsergebnis und dessen Nachwrkungen 😉 )
        Neiddebatten machen absolut keinen Sinn (so ‚was wie St-Floriansprinzip), auch von Deiner Seite übrigens!
        Du hast ja Recht, aber jeder freie Handwerker kennt das auch. Das ist nun mal die Rundum-Sorglos-Gesellschaft
        .. da ist das Hirn ausgeschaltet.
        Gruß
        Hajo

        Antwort

        • Posted by drgeldgier on 23. August 2010 at 10:25 pm

          „Aber jeder Handwerker kennt das auch?“
          Wie bitte? Hast Du schon mal nen Handwerker abends nach 20 Uhr für 0,00€ gerufen? Ist der dann auch gekommen und hatte vollstes Verständnis dafür, dass Du armer gar nichts an Geld zu Hause hast? Hast Du ihm dann gesagt, dass er ca. 1,5 Jahre später eine Entlohnung in unbekannter Höhe erhalten wird? …

        • Posted by hajo on 24. August 2010 at 8:59 am

          oh Dok, ich geb‘ ja zu, dass der Vergleich ein klein wenig hinkt, aber mit der Zahlungsfreude der „Kunden“ ist es im Handwerk auch nicht so weit her.
          Aber das mit den 1,5 Jahren geht doch wohl am Wenigsten zu Lasten der angesprochenen Klientel, oder. Ich hab‘ das so verstanden, dass der Löwenanteil dieses Problems aus dem „Tagesgeschäft“ stammt
          .. und daran sind die „normalen“ Patienten wohl kaum beteiligt.
          oder irre ich mich da?
          Gruß
          Hajo

      • Posted by PG on 24. August 2010 at 9:16 pm

        Anwälte und Steuerberater sind glaub ich schlechte Beispiele: Zusammen mit Lehrern sind diese Berufe wohl so mit diejenigen, die man am schlechtesten ins Ausland exportieren kann, ohne eine aufwendige Zusatzausbildung dranzuhängen.

        😉

        Antwort

    • Posted by Republikflüchtling on 23. August 2010 at 5:56 pm

      Lieber Rentner11,

      Ihr Tipp kommt zu spät. Bin schon weg! Wenn ich allerdings das von Ihnen angeprangerte Einkommen hätte, könnte ich mir vielleicht sogar solche Schoten, wie vom Kollegen Geldgier geschildert, gefallen lassen – ich glaube Sie haben möglicherweise auch die Ironie bei der Namensgebung des Blogs nicht bemerkt!
      Hier in der Schweiz gibt es übrigens deutlich mehr Selbstbeteiligung und Selbstverantwortung, und ich habe den Eindruck, das merkt man auch. Bespielsweise putzen sich fast alle jungen Schweizer 3x täglich die Zähne, da die Grundversicherung zum Zahnarzt (ausser bei Unfällen) nichts (0,0 Franken) dazuzahlt.
      Haben Sie eigentlich schon mal abends einenHandwerker gebraucht? Fanden Sie die Rechnung da angemessen?

      Antwort

  2. Einfach nur unverschämt. Aber das ist so in den Köpfen der Leute drin. Der Arzt kann immer, will immer und kostet nix.

    Antwort

  3. Posted by mausel on 22. August 2010 at 6:56 pm

    Also,ich hätte schon gern den Job von Rentner 11 bezeichnet. Bin FÄ und angestellt. Wo kann ich das verdienen, was da steht??? Wir reden hier schon wie Geldgier von einem 24 Stunden Job mit Diensten und so…
    Nur so als kleine Einlage: Nachts um zwei:
    KV- Dienst, was kann ich für Sie tun?

    Also, wir sind hier im Urlaub und so Rad gefahren…

    Aha,… gähn.

    Ja, jetzt hat meine Frau Schmerzen…?

    Wo denn?

    In den Beinen.

    Sind die denn geschwollen?

    Nee, eigentlich nur heiß. (Waren über Tag 31° und Sonne)

    Wie alt ist Ihre Frau?

    34.

    Nimmt sie Medikamente, irgendwelche Krankheiten, Thrombose?

    Nee.

    Dann kommen Sie in die Praxis und ich schau´mal, könnte ja auch eine Thrombose sein.

    Nee, wir haben zwei Kinder. Kann ich ihr nicht einfach Aspirin geben und morgen zum Arzt gehen. Wenn es nicht hilft, kann ich ja kommen.

    Können Sie, aber Sie müssen anrufen, in der Praxis ist niemand.

    Warum das denn nicht???!!!

    Stöhn,… rufen Sie einfach an.

    Vielleicht zur Info: Die 10 Euro spart man nicht. Der Notdienst macht das Nötigste und verweist an den HA, also zweimal 10 Euro.

    PS: Die Versorgung auf dem Land ist jetzt schon nicht mehr gewährleistet. Ich gehe von aus, dass Rentner in der Stadt wohnt. Sonst wäre ich nicht so leichtfertig mit Kommentaren wie: Geht in die Walachei… Man läuft selbst Gefahr, bald keine Arzt mehr zu bekommen, wenn man ihn braucht.

    Also, hier bei uns ist Versorgung auch im KH schlecht, also nicht fachlich sondern per manpower. 10 Dienstepro Monat die Regel.

    Antwort

  4. Komme gerade von einem Hausbesuch bei eine lieben alten Dame zurück (die ich 4-wöchentlich besuche). Sie hat sich heute vormittag „erinnert“, dass (auch) sie schon seit 1 Jahr Schmerzen in der Ferse hat (Fersensporn). Aber jetzt, wo doch die Nachbarin von ihrem Doktor was gekriegt, so ein Polster, zum Reinlegen, und das will sie auch. Also dringender Hausbesuch! Der nächste reguläre wäre in 1½ Wochen gewesen.

    zu @ Rentner 11: aso ich verstehe ja, dass man sauer wird, wenn Wunsch und Realität immer weiter auseinanderklaffen. Aber macht es Sinn die Boten zu beschimpfen? Prügeln sie sich doch lieber mit den Verantwortlichen (=Politikern)!

    Antwort

    • Posted by hajo on 24. August 2010 at 6:25 pm

      ja, lieber Landarsch, es ist halt einfacher, denjenigen zu hängen, dem man gerade „gegenüber steht“
      (war im alten Griechenland auch nicht anders) 😦

      Antwort

  5. Lieber Geldgier,
    das ist ein klassisches Beispiel für den Wahnsinn in diesem Beruf gewesen. Und unser „Rentner“ ist leider auf alle Lauterbach-Vereinfachungen hereingefallen.
    Die Lösung sind Selbstbeteiligungen und Nachtzuschläge auf die 10.- um die Realität in den Unsinn hineinzulassen. Schreiben Sie mehr davon! Das ist Balsam auf die geplagten Seelen Ihrer Kollegen.

    Antwort

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