Supergau Teil 2 oder Bist du blöd?


Ein Kollege, mit dem ich mal in der Klinik zusammen arbeitete zum Thema Ultraschall:

„Habe die alte Maschine von meinem Vorgänger übernommen, mache das sowieso nicht oft. Bin froh, dass ich mir nie ein neues Gerät angeschafft habe. Kostet nur unnötig Zeit und die Patienten würdigen es eh nicht. So schaffe ich es, pro Quartal viel mehr Patienten durch zu kriegen, derzeit so 1400. Dadurch, dass man pro Patient eh nur quasi eine feste Pauschale bekommt, hab ich richtig viel mehr Geld als vor der Reform. Mir geht’s gut, weiß gar nicht warum sich manche so aufregen“

Als Neurologe braucht man eigentlich vor allem eines für seine Patienten: Zeit. Aber natürlich kann man es auch anders machen. Ich bin bei 900 Patienten eigentlich an der Grenze des Vertretbaren, sowohl was meine eigene Gesundheit, als auch die Qualität meiner Arbeit anbelangt. Unser Berufsverbandsvorsitzender nannte auch 800-900 Patienten als Zahl, die man noch vernünftig versorgen könne.

Aber unser perverses System belohnt die Fließband-husch-husch-Medizin. Kein Wunder, dass dieser Art von Medizin immer mehr die Patienten weglaufen, die sich dann in die Arme der Scharlatane begeben, die wenigstens Zeit haben (bei guter Bezahlung).

 

 

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2 responses to this post.

  1. Ich war selbst mal beim Dermatologen, wegen irgendeiner Kleinigkeit, die mich aber unglaublich beunruhigt hatte. Die Dermatologin musste sich mein Wehklagen anhören, natürlich hinterfragte ich alles entsetzlich genau, das Ganze zog sich in die Länge. Zum Abschied sagte sie mir: „Jetzt habe ich aber deutlich mehr Zeit in Sie investiert, als es mir eigentlich zusteht. Wir planen für jeden nur 5 Minuten ein.“ Da habe ich echt blöd geguckt. Soll ich das auch mal machen? Vielleicht Narkosezeit von vornherein auf 60 Minuten begrenzen? „Tut mir leid, dass sie jetzt Schmerzen haben, die Operation dauert noch etwa 15 Minuten, aber die Narkosezeit ist schon um.“

  2. Wie ist das zu verstehen Anna,
    wollten Sie damit sagen, das Verhalten der Dermatologin war medizinisch-ethisch ungenügend? Das Parallelbeispiel reduzierter Anästhesistenleistung wäre das ja.
    Die Dermatologin war ja immerhin so offen zu sagen „als mir!! zusteht“. Sie hat nur soundsoviel Zeit pro Mensch. Das heißt doch nicht, dass sie das so will! Sie erzeugt nur bei allen in der Wartezimmer-Warteschlange Aggressionen wegen der für alle dann verlängerten Überziehungszeiten.
    Lieber Geldgier, sie sehen ja, die Folgen der Unterbezahlung sind selbst bei Selbstausbeutung nicht mehr vom Patienten fern zu halten. Eigentlich müßten Sie es machen wie besagter Kollege es vorschlug. Kein Qualitätsschall. Nur witzigerweise sind die jetzt neu definierten Sonogeräte-Qualitätsgrenzen so eingestellt, dass jenes Altgerät des Kollegen nicht mehr abrechenbar ist. Die Daumenschrauben werden dabei immer weiter angedreht. Jeder kommt an seine Schmerzgrenze! Auch Sie. Und wenn Sie dann abends Ihrer Frau erzählt haben, dass sie das Gerät nun doch kaufen müssen und der geplante Urlaub dafür wegfallen muss, dann können Sie bei dem spitzen Spannungsgefühl das sich in Ihre Beziehung schleicht an Ihren Ex-Freund Rösler denken, der seiner Frau zuraunt: „ist mir schon klar dass es klamm zugeht in den Praxen aber Du wirst sehen, in 1 Jahr ist alles vergessen und ich werde weiterkommen in der Karriere! Hast Du schon den Urlaub für uns rausgesucht Liebes?“

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