Atomkatastrophe in Japan – werden wir diesmal besser informiert?


Ich erinnere mich noch gut an den April 1986, wenige Tage vor meinem Abitur, als ich bei der Abivorbereitung für Chemie gerade Kernchemie lernte und von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erfuhr.

Da kann ich mich noch – als wär es gestern gewesen – an die beschwichtigenden Worte des damaligen Innenministers Zimmermann erinnern. Sinngemäß hieß es, für Deutschland bestünde keinerlei Bedrohung durch die freigesetzte Radioaktivität. „Eine Gefährdung bestehe nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern“

Schon damals als kleiner Abiturient wußte ich, dass das nicht stimmen konnte. Wie viele Kranke und Tote hat dieser Minister auf seinem Gewissen? Nie wurde er dafür „verantwortlich“ gemacht.

Und heute: wieder heißt es von Seiten der Bundesregierung „keine Gefahr für Deutschland“. Der Unterschied ist nur, dass der „Verantwortliche“ nun der Bundesumweltminister Röttgen ist. Dieses Amt ist erst durch Tschernobyl im Juni 1986 entstanden. Sonst hat sich leider durch Tschernobyl, wie vor allem die Japaner nun schmerzlich spüren werden, nichts geändert.

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17 responses to this post.

  1. Wahre Worte!

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  2. Im Augenblick ist noch nicht viel passiert. Der englische Begriff für Kernschmelze ist der meltdown und die offizielle Seite für entsprechende Meldungen ist http://www.iaea.org/ resp. hier http://www.iaea.org/newscenter/news/tsunamiupdate01.html.

    Und das iaea weiß noch nichts von einem meltdown während die Presse teilweise bei uns schon drei Systeme in diesem Zustand sieht. Der Störfalllevel der japanische Systeme ist auf 4 festgelegt und der von Tschernobyl hatte den höchsten mit 7. Dazu habe ich aber bislang noch keinen Link gefunden/gesehen.

    Nach meinem dafürhalten haben die Systeme korrekt abgeschaltet und nur für die Nachkühlung war nicht genug Energie verfügbar. Also haben die die Kühlflüssigkeit abdampfen lassen und mit Meerwasser nachgefüllt. Da nun Kühlwasser verdampft, das direkt mit den Brennstäben Kontakt hat, entweicht in geringen Mengen Radioaktivität.

    Wenn das stimmt dann wird in den nächsten Tagen die entweichende Radioaktivität abnehmen – wenn die Stäbe entsprechend herunter gekühlt sind.

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  3. Ich habe auch immer wieder deja-vu-Erlebnisse an Tschernobyl und bin skeptisch, wenn immer wieder darauf Bezug gemacht, daß die japanischen Reaktoren nicht mit dem von Tschernobyl sondern mit dem von Harrisburg vergleichbar seien. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.

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  4. Aus Hans Scheibner: „Das mach doch nix“

    Im Kernkraftwerk, wie ärgerlich, ging gestern etwa schief,
    so daß ein bischen Oho! entwich, und der Direktor rief:
    Hauptsache, es quatscht hier nicht einer:
    Das macht doch nichts, das merkt doch keiner.

    Ein Englein kam zu Gott dem Herrn, und rang vor Schreck nach Luft:
    „Die Erde, Herr, dein schöner Stern, hat sich grad selbst verpufft.“
    Da lächelte Gott. „Ach, mein kleiner:
    Das macht doch nichts, das merkt doch keiner

    Antwort

  5. Ich denke, man kann, so schwer es auch fällt, nur abwarten, dass sich die Situation klärt. Die Informationslage scheint ausgesprochen dürftig, die Situation selbst scheint allerdings auch sehr verworren. Ebenfalls sehr verworren, teilweise grob fahrlässig, ist die Berichterstattung. Solange Dosis und Dosileistung munter durcheinandergeschmssen werden und aus Millisievert Sievert und umgekehrt gemacht werden, ist alles nur pure Spekulation. An ERNSTHAFTEN nuklearen Folgen steht bisher offenbar fest, dass 5 (mittlerweile wohl 6) Männer mehr als 250 Millisievert abbekommen haben, und sich damit deren Erkrankungsrisiko wohl deutlich erhöht hat. Alles andere ist wohl mehr oder weniger Kaffesatzleserei. Es wird wohl noch Wochen dauern, bis halbwegs feststeht, was, wo und wieviel freigesetzt wurde, und wo das gelandet ist. DANN kann man auch Risikoabschätzungen machen.
    Ich glaube die Bevölkerung ist im Moment mehr durch die unmittelbaren Auswirkungen des Bebens und des Tsunamis gebeutelt als durch die havarierten Reaktoren, was nicht heißen soll, dass das dicke Ende nicht noch kommen kann.

    Ich hab meine 3,3GBq Iod131 bisher ganz gut vertragen, ich wollte sie ja auch haben. Ich weiß, damit sollte man nicht scherzen.

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  6. Posted by Christof Bieker on 1. April 2011 at 5:51 pm

    Hallo
    ist es nicht so das Menschen die die Atommeiler eingesetz und aktiviert haben selber den „Dreck“um und in den Meilern wegschaffrn
    müssten anstelle der „Helden“ von Japan und zwar vertragsmässig
    gebunden!
    ChBieker

    Antwort

  7. „… sinngemäß hieß es, für Deutschland bestünde keinerlei Bedrohung durch die freigesetzte Radioaktivität (…) Schon damals als kleiner Abiturient wußte ich, dass das nicht stimmen konnte. Wie viele Kranke und Tote hat dieser Minister auf seinem Gewissen? Nie wurde er dafür „verantwortlich“ gemacht …“

    Hüstel … sonst alles klar?

    Ich denke, dass wir gut ohne Atomenergie auskommen könnten, wegen der Risiken, wegen der ungelösten Endlagerfrage usw. Aber dieses derzeit allerorten anzutreffende indolente Gewimmer, jenseits aller Tatsachen, aber die Katastrophe anderer für die eigenen Ziele ausnutzend finde ich absolut abstossend. Darüber ist es dem Ausstieg absolut nicht dienlich.

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  8. „Atomkatastrophe in Japan – werden wir diesmal besser informiert?“ also zumindest wusten wir von anfang an über die Havarie bescheid (die Schwere sei dahin gestellt)

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  9. Lieber Kollege Geldgier,
    wenn ich mir Ihre Bogfrequenz ansehe, dann komme ich zu dem Schluss, der Mann hat die Faxen dicke und wandert aus! Ich glaube, Sie haben vor lauter Planungsarbeit kaum noch Zeit für Ihr Bloghobby. Bald werden Sie uns aus der Schweiz was schreiben. Hab ich recht?

    Antwort

  10. Posted by Anne on 22. Juli 2011 at 11:10 am

    Lieber DrGeldgier

    Ich würde Sie gerne mit einer E-Mail kontaktieren, wenn möglich?
    Vielen Dank wenn Sie den ersten Schritt machen könnten – leider finde ich keine wirkliche Kontaktmöglichkeit hier.

    Herzlichen Dank und freundliche Grüsse

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  11. Ich finde es fragwürdig die Verantwortung bei Röttgen zu suchen.

    Soll der den Notstand ausrufen und alle Menschen evakuieren lassen??

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  12. Meine Meinung dazu:

    Der Atomausstieg ist ´ne feine Sache, aber es wird leider nicht ausreichen, nur den “Aus” Schalter zu drücken. Allein die Kosten für den fachgerechten Rückbau, Entsorgung und Lagerung jeder einzelnen halbwegs kontaminierten Schraube, Betonteilchen oder Wischlappens (von der letzten Revision) der AKW´s wird für uns Bürger und Steuerzahler noch eine böse Überraschung geben.Völlig ungeklärt ist immer noch die Endlagerung des radioaktiven Abfalls. Bei Halbwertszeiten beim Zerfall der radioaktiven Stoffe von mehreren tausenden oder gar millionen Jahren eine absurde Vorstellung, einen sicheren und geologisch störungsfreien Ort zu finden, an dem der strahlende Müll bis in alle Zeiten parken kann. Vielleicht entsteht an der Stelle in dem Salzstock, in dem die Giftmüllfässer lagern, in 500.000 Jahren ein neues Meer? Vielleicht sogar ein Vulkan, der die strahlenden Fässer wieder aus- und uns um die Ohren spuckt? Jedenfalls scheint man zu versuchen, die Lösung des Problems in eine Zeit zu verlagern (durch herumschieben des strahlenden Mülls von einem Zwischenlager ins Nächste), in der es keinen Menschen mehr juckt, weil es uns bis dahin sowieso nicht mehr gibt.
    http://karicartoons.wordpress.com/2011/08/18/atomausstieg/

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