Archive for the ‘"Lösungen" und Visionen’ Category

Nervenheinis – alles Psycho oder was? Teil 1: Der Neurologe

Ja, lange ist es her, dass ich Monsterdoc zu Weihnachten 2009 (!) versprochen hatte, ihn in die höheren Weihen der Psycho-Neuro-Heinis einzuführen. Aus verschiedensten Gründen, vor allem Faulheit, habe ich es immer wieder aufgeschoben. Nach erneuter Aufforderung durch Cheffe werde ich nun aber meine Schulden begleichen:

1) Der Neurologe:
Der Neurologe ist einer der sich mit den körperlichen Krankheiten des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven und der Muskulatur beschäftigt. Da diese Krankheiten und vor allem die betroffenen Organe ziemlich kompliziert gebaut sind – zumindest die meisten Gehirne 😉 – ist der Neurologe so ein bisschen der Sherlock-Holmes oder der Wallander unter den Docs. Berühmtester Neurologe der Neuzeit: Dr. House (gleich gefolgt von Dr. Geldgier)

Bis vor wenigen Jahren hatte der Neurologe den Ruf des perfekten Diagnostikers, der nach Diagnosestellung dann aber nix machen kann, da viele neurologische Krankheiten wie Schlaganfall, Epilepsie, Parkinson oder Multiple Sklerose als unbehandelbar und unheilbar galten. In den letzten 10 Jahren konnten erfreulicherweise aber für viele dieser Erkrankungen spezifische und oft hochwirksame Therapien entwickelt werden, so dass der Neurologe nun – zumindest über den Rezeptblock – richtig effektiv behandeln kann. Sehr zum Leidwesen der Krankenkassen, denn die meisten der neuen Neuro-Medis sind schwe….teuer. Da gibt es Infusionen die locker mal eben 2000 Euro und mehr kosten.

Von Doppelnamen und Selbstbeweihräucherung
Neurologen sind eitel
, weshalb sie sich gerne gegenseitig in Krankheitsbezeichnungen verewigen. Hört sich also eine Krankheit wie der Nachname einer grünen Müsli-Karriere-Politikerin oder einer gelb-blauen Justizministerin an, dann ist das meist was Neurologisches:
Morbus Alzheimer, Bourneville-Pringle, Parkinson, Creutzfeld-Jakob, von-Hippel-Lindau, Kleine-Levin-Syndrom, Binswanger, Sturge-Weber-Krabbe,  …
Mittlerweile finden sowas moderne Neurologen schon wieder peinlich, weshalb zum Beispiel die Hallervorden-Spatz-Krankheit nun der Einfachheit halber Pantothenat-Kinase-assoziierte Neurodegeneration (PKAN) heisst.

So jung und schon vom Aussterben bedroht
Neurologen gab es nicht schon immer – früher gab es einfach Ärzte und Chirurgen (wohlgemerkt – Chirurgen galten früher nicht als Ärzte – ja, ja, die gute alte Zeit).

Die Neurologie entwickelte sich einerseits aus der Inneren Medizin, andererseits aber auch aus dem Gebiet der Psychiatrie. Letztere hat ja auch das Gehirn als Ursprungsorgan mit vielen neurologischen Krankheiten gemeinsam. Um heute Neurologe zu werden muss man deshalb mindestens 4 Jahre in einer Neurologischen Abteilung und 1 Jahr in der Psychiatrie gearbeitet haben. In Amerika, wo die Neurologie rein somatisch gesehen wird, bleibt einem die Psychiatrie erspart – oder umgekehrt.

Erstmals spaltete sich die Neurologie 1906 mit Gründung der „Gesellschaft Deutscher Nervenärzte“ von der Inneren Medizin ab. 1935 – zu Beginn des tausendjährigen Reiches – wurde diese Gesellschaft jedoch zur Auflösung gezwungen und die Neurologen mussten sich den Psychiatern in der „Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater“ angliedern.  

Die „moderne“ (kranke) Gesundheitspolitik hat erkannt, dass neurologische Krankheiten wie Demenz, Parkinson und Schlaganfall aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung auf dem Vormarsch sind. Wenn es nun aber viele Neurologen gibt, die sich dieser Kranken annehmen und diese auch noch teuer und effektiv behandeln, dann wird das ziemlich viel Euronen kosten. Da ist es doch schlau, die Neurologen auf der Honorarskala möglichst weit nach unten zu drücken, damit kein halbwegs intelligenter Mensch in Deutschland mehr auf die Idee kommt Neurologe zu werden. Die Patienten selbst, sind ja meistens so krank, dass sie sich gegen ihre Mangelversorgung dann eh nicht wehren können. Oder habt Ihr schon mal was vom Aufstand der Demenzkranken im Altenheim gehört?
Ihr glaubt jetzt sicher, das sei wieder so was Paranoides vom Jammerlappen Dr. Geldgier. Aber warum glaubt Ihr hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologe die „Jungen Neurologen“ entdeckt? Das ist der Kuschelzoo zum Erhalt aussterbender Arten! Zu meiner Studentenzeit war es nicht selten so, dass sich mancher kostenlos in einer Uniklinik verdingte, nur um eine Neuro-Ausbildungsstelle zu erhalten. Heute wirst Du überall mit Handkuss genommen.

Was sind denn nun aber Nervenärzte und Psychiater im Gegensatz zu Neurologen? Was machen die und sind das auch aussterbende Arten?

Davon mehr in Teil 2 …

Mitgehört …

… an einem herrlich-sonnigem Sonntagnachmittag auf einer bayerischen Bergalm in 1100m Höhe:

„Na, wie hast Du die Woche rum ‚bracht“

„Ich hab a gemütliche Drei-Tage-Woche gmacht“

Na wie?“

„Na Donnerstag und Freitag bin i nimma ganga. Des is bequem, für zwoa Tag brauchst kein Schein und hast a superlanges Wochenende“

„Ah so geht des, bist schon a Hund!*“

*die zwei kerngesunden Mittdreißiger prosten sich schmunzelnd zu.

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*Anmerkung: der „Hund“ gilt im Bayerischen als Metapher für einen besonders schlauen und gerissenen Menschen; Steigerung: „Wia da Hund auf der Schelln-Sau“ – ein Hund, der sich auch noch auf einem rasenden Schwein hält ist ein besonders zäher Erfolgsmensch – „Hunde“ benötigen in solchem Zustand normalerweise keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung 

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Flotter Zweier
Passend hierzu eine Aussage aus einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Personalabteilung eines größeren mittelständigen Betriebs:
„Es ist schon auffällig, wenn man betrachtet, wie viele Mitarbeiter meist mehrmals im Jahr nacheinander 2 Tage oft im Verbund mit dem Wochenende fehlen. Etwa jeder zweite Mitarbeiter kommt so im Jahr auf mindestens 10 Fehltage. „

Skandallösung
Sinnvolle Lösung – aber nie durchsetzbar, weil politischem Selbstmord gleichkommend:
– keine Lohnfortzahlung in den ersten beiden Tagen einer Erkrankung
– die eingesparte Lohnfortzahlung fließt den Krankenkassen zu, die im Umkehrschluss den Beitragssatz senken müssen
– dauert die Krankheit drei oder mehr Tage: obligator. ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Lohnfortzahlung ab dem 3. Tag an den Erkrankten
– sollte ein Arbeitnehmer mehrmals wegen ein und derselben Erkrankung erkranken wird ihm nur an den ersten beiden Krankheitstagen keine Lohnfortzahlung gewährt – ärztliche AU vorausgesetzt

Es würde zu einem Aufschrei der Bergalmbetreiber, Kneipenwirte, Schwimmbad-Kiosk-Besitzer etc. … kommen.

Offener Brief an Rösler – Pausenfüller

Ein verfilmter offener Brief von der „Aktionistin“ Renate Hartwig an unseren Noch-Minister.

Rhetorisch sicherlich verbesserungswürdig – inhaltlich aber beachtlich. Mal nicht aus der Ärzteecke. (Quelle: www.patient-informiert-sich.de )

Ich konnte es mir im „off“ nicht verkneifen.

Abwesenheitsnotiz

Der Autor wird voraussichtlich bis November hier nichts mehr veröffentlichen. Auch Kommentare werden bis dahin nicht mehr moderiert.

Südtirol und der Alkohol

In Südtirol gestrandet

Südtirol und gerade Bozen ist bekannt für seinen leckeren Wein (v.a. St. Magdalener und Lagrein). Da ist es kein Wunder, dass auch dort viele Patienten wegen Trunkenheit ärztlich und auch im Krankenhaus behandelt werden müssen. Auf meinem Weg zu Süditaliens Nobelstränden erlitt nun mein Yacht-Anhänger aufgrund der von Euch schon vermuteten goldenen Rettungsringe einen Achsbruch, so dass ich dort hängen blieb.

Betrunkene werden zur Kasse gebeten
Ab 01.08. – so las ich es vor wenigen Tagen in einer Südtiroler Zeitung – muss nun jeder Patient, der mit 1,5 Promille oder mehr im Krankenhaus landet 200€ „Eigentbeteiligung“ für seine Behandlung bezahlen. Wenn ein Patient die Blutentnahme zur Alkoholbestimmung verweigert, so muss der Arzt entscheiden, ob „erhebliche Trunkenheit“ vorliegt. Dann sind die 200 Euronen auch fällig.

Der Arzt als „Petze“
Prinzipiell kann ich es nur unterstützen, dass hier mehr Eigenverantwortung ins Spiel kommt. Warum soll auch die Allgemeinheit für die Alkoholeskapaden des Einzelnen bezahlen? Aber vielleicht traut sich der ein oder andere den Rettungsdienst nicht mehr so schnell zu alarmieren, aus Angst vor den 200€? Und bei verweigerter Blutentnahme hat der Artz wieder mal den schwarzen Peter, den Patienten quasi zu „verpetzen“.

Wiederbelebung der DDR – echte Lösungsvorschläge

Endlich mal was Konstruktives

Am Rande der Gesundheitsministerkonferenz schlug die Ministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), vor, man solle bundesweit Gemeindeschwestern einsetzen, um so den Ärztemangel zu entschärfen.

Zur Erinnerung: Gemeindeschwestern entstammen der Staatsmedizin der DDR

Ärztliche Aufgaben
Schwesig weiß auch gleich, was die Schwestern da so machen sollen:
„…Die Gemeindeschwester fährt zu Patienten aufs Land. Dort misst sie zum Beispiel den Blutdruck und schaut, ob die Arzneimittel ordentlich eingenommen werden, erklärte Schwesig.“ (Quelle: abendblatt.de)

Momentan fahren ja tausende von Ärzten übers Land, messen Blutdruck und schaun, ob die Medikamente eingenommen werden.

Betrachtet man den Lebenslauf der Politikerin, dann ist einem klar, woher hier der Sachverstand kommt:

– 1992-2000 Mitarbeitern des Finanzamtes Frankfurt/Oder und Studium an der FH für Finanzen in Königs Wusterhausen (1995 Abschluss als Diplom-Finanzwirtin (FH)

– 2000-2002 Steuerfahnderin im Finanzamt Schwerin

– ab 2002 Mitarbeit im Finanzministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern

– seit Oktober 2008 Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern

Aus dieser beeindruckenden Karriere erschließt es sich ja von selbst, dass die Dame genau weiß, wie das Leben von niedergelassenen Ärzten auf dem Lande so von statten geht.

Eben: v.a. wohl Blutdruckmessen und zuschaun wie Tante Käthe die roten Pillen schluckt, oder?

Meine Frau wird sich freuen, wenn endlich die Schwielen an meinen Händen vom vielen Blutdruckmessen verschwinden.

Der kleine Unterschied

Der Unterschied zwischen Picasso und Ihrem Arzt?

Der wahre Wert Picassos wurde offensichtlich erst nach dessen Tod erkannt (zu spät für ihn).

Den wahren Wert Ihres Arztes werden Sie unter Umständen erst nach Ihrem eignen Tod erkennen (zu spät für Sie!)

Ok, der Vergleich hinkt, denn Picasso war schon zu Lebzeiten geschätzt. Ärzte selten.