Posts Tagged ‘Bayern’

Intelligenzfreiheit fordert Niederlassungsfreiheit

April, April, die Politik, die tut was sie will…

Heute mal wieder ein Brüller aus der CSU-Ideenschmiede zum Thema Ärztemangel:

CSU will Ärztezulassung freigeben

So so, da will die CSU also die Niederlassungssperre freigeben. Also die Regelung, dass sich in einem bestimmten Planungsbereich, nur eine bestimmte Anzahl der jeweiligen Fachrichtung als Kassenarzt niederlassen darf. „Attraktive“ Gegenden sind deshalb derzeit „gesperrt“.

Das soll dann dazu führen, dass sich mehr Ärzte in den Regionen niederlassen, die derzeit Ärztemangel haben, das heisst, Regionen, die momentan ohnehin nicht „gesperrt“ sind, also wo es auch heute schon Niederlassungsfreiheit gibt. 

Ihr kapiert das nicht? Ich auch nicht!

Seitdem die 100W-Glühbirne ein Auslaufmodell ist, haben wohl viele auch die eigene Birne auf 60W und weniger heruntergedimmt, nur so kann man sich solch geniale Vorschläge erklären. Denn Starkbierzeit, Fasching und 1. April, das war ja alles schon.

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Hochdeutsch als Krankheit

Gerade eben die Tochter einer schwer an Parkinson und Demenz erkrankten:

„Sie spricht plötzlich nach der Schrift, das ist sonst nie so, das kann doch nicht normal sein …“

Stimmt, sie hat eine Psychose im Rahmen der Demenz oder von meinen Parkinsonmedikamenten. Und überhaupt ist Bayerisch halt schöner 😉

ach übrigens – ja ich bin noch am Leben …

Das „Arzt-Ho(h)norar“oder „Umsatteln zum Tierarzt?“

Was ist der Gesellschaft der Mensch und seine Gesundheit wert?
Vor wenigen Tagen verglich ein neurologischer Kollege seine aktuell Tierarztrechnung für sein Meerschweinchen mit seiner „Honorierung“:

Meerschweinchen Gianni im Oktober 2009
klinische Untersuchung plus Sono Blase plus Rö Bäuchlein plus Medizin ins Mäulchen: 64 €; 2 Tage später klinische Untersuchung bei Verschlechterung: 23 €; weitere Arztbesuche: ein jeder wird bezahlt.

Neurologischer Patient in der Praxis:
RLV Neurologie/Mensch/Quartal/Bayern, egal, wie viele Arztbesuche: ca. 42 € tutto completo

Wir rekapitulieren:

Kleintier : 87 €

Mensch : 42 € („flatrate“)

——————

Mehrwert Tierchen in dem Fall: mindestens 45 €

Danke, rot-schwarz-grün!

____

Dem ist meinerseits heute nichts mehr hinzuzufügen.

Zweiklassenmedizin Teil 6 – AOK- oder nicht AOK?

In Bayern gehen die Uhren anders. Das ist ein geflügeltes Wort. Aber was hier seit einem knappen Jahr los ist, ist ganz anders:

Der AOK-Hausarztvertrag – auf gehts zur Zweiklassen-Kassenmedizin
In Bayern herrscht aber seit 2009 auch eine neue Hierarchie der GKV-Patienten. Für Hausärzte die am AOK-Hausarzttarif Bayerns teilnehmen, ist es ein Riesenunterschied, ob ein gesetzlich (GKV) Versicherter bei der AOK oder nicht bei der AOK versichert ist. Ist ein Patient bei der AOK-versichert UND schreibt sich in das Hausarztmodell ein, dann bekommt der Arzt eine deutliche bessere Honorierung für seine Leistungen, als für andere GKV-Patienten. Da sind schnell mal gut 80€ beisammen, während für den „normalen“ GKV-Patienten nur ca. 40€ erreicht werden.

Die Patienten müssen sich allerdings eben einschreiben lassen und sich zu einigen Dingen verpflichten:
– Sie dürfen nur noch zu eben diesem Hausarzt gehen und sind 12 Monate daran gebunden.
– Sie dürfen zum Facharzt  ausschließlich nur dann, wenn sie von dem Hausarzt überwiesen wurden (der sie dann für ca. 20-50 € untersucht und dem Hausarzt auch noch brav berichtet)
– Sie dürfen auch ins Krankenhaus nur dann, wenn sie vorher den Hausarzt oder dessen erklärte Vertretung aufgesucht haben.

Damit ein Patient sich diese Daumenschrauben anlegt, bekommt er natürlich auch „Zuckerl“:
– nur einmal pro Jahr 10€ anstatt 40€ Praxisgebühr
– einmal wöchentlich eine Abendsprechstunde bis 19 Uhr
– jährlicher Gesundheits-Check-up ab 35 J.
Hilfe des Hausarztes bei Vermittlung eines raschen Facharzttermins

Verständlicherweise haben die Hausärzte aus pekuniären Gründen ein hohes Interesse daran, dass sie viele AOK-Patienten und da wieder viele „Eingeschriebene“ haben.

Zu was führt dies nun?
1) Patienten werden zum Teil bedrängt die Kasse zu wechseln
2) Weigert sich ein Hausarzt zum Facharzt zu schicken, kann der Pat. definitiv nur auf eigene Kosten zum Facharzt (es gibt sie, die Facharztverweigerer unter den Hausärzten)
3) Werden aus der Abendsprechstunde nun alle nicht-eingeschriebenen, nicht-AOK-Patienten rausgeworfen?
4) Bemüht sich ein Hausarzt beim Facharzt um einen dringenden Termin nur bei seinen AOK-Eingeschriebenen?

Der ganze Vertrag hat meines Erachtens nur eine weitere Zersplitterung der Ärzteschaft zum Ziel. Zudem will die o.g. Kasse offensichtlich massiv an Marktmacht gewinnen. Sie wird die Hausarztpreise sobald sie eine Monopolstellung gewonnen hat diktieren. Und die werden dann wohl nicht nach oben gehen.

Unverschämt finde ich auch, dass die Hausärzte rasche Facharzttermine versprechen, damit sie mehr Geld bekommen, uns Fachärzte aber nicht mal fragen, ob wir mit so einem Verfahren einverstanden sind. Außerdem: ein guter Hausarzt nahm in dringenden Fällen auch bisher ohnehin direkt Kontakt mit dem Facharzt auf.

Mich erinnert das sehr an „verkaufte Seelen“.

 

Post von der KV Bayern – es sieht schlecht aus

Wahlversprechen oder  was schert mich der Schnee von gestern?
Ganz abgelenkt von der Sau, die derzeit von allen durchs Dorf getrieben wird und ihre Viren verteilt, habe ich vergangene Woche lange übersehen, dass noch viel unangenehmere Post von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns die Stimmung verseuchte. Es werden in einer Woche gleich zwei Hiobsbotschaften verkündet:

1) Söders Wahlversprechen hielt nur 1 Quartal und nicht ein Jahr:
Die KVB kündigte an, dass die vom Bayerischen Gesundheitsminister Söder zugesagte „5%-Verlustregelung“ nur für das 1. Quartal 2009 eingehalten werden könne. Für die darauffolgenden Quartale (die Verlustbegrenzungsregelung war eigentlich für das ganze Jahr 2009 versprochen) habe mit den Kassen keine Einigung erreicht werden können. So bleibt es dabei, dass die Konvergenzregelung in 2009 in den Quartalen 2, 3 und 4 2009 jeweils den Verlust nur auf 15% (Umsatzminus!) begrenzt. was 2010 dann passiert steht in den Sternen.

2) Honorarbescheide erst fast 8 Monate nach Quartalsende und nicht wie früher nach 3 Monaten:
Gleichzeitig wurde angekündigt, dass das Honorar für die Monate April-Juni2009 endgültig erst im Februar 2010 (!) berechnet sei! (Vor Ullas letzter Chaosreform hatten wir wenigstens immer Ende September die Daten für das 2. Quartal und somit etwas Planungssicherheit).

3) Abstaffelungsregelung in „überversorgten“ Bereichen:
Die KV kündigte in einem Schreiben vom 11.11.09 die drohende Einführung von Vergütungsabschlägen bei „rechnerischer Überversorgung“ an. Dies kann dazu führen, dass Ärzte in vielen Regionen Bayerns einen weiteren Honorarabschlag von bis zu 18% hinnehmen müssen.

Im Klartext:
2008   100%
2009  – 15%  –> 95%
-2016: -18% –> 69,7%  (entspricht also einem Umsatzminus von 30%)

Bei einem Unkostenanteil von 50% entspricht ein Umsatzminus von 30% einen Gewinnrückgang von 60%. D.h. der Kassenarzt wird aus seiner Kassenarzttätigkeit nur noch 40% des Gewinns von 2008 haben.

Das würde ich mit meiner Einzelpraxis definitiv durch keine noch so radikale Umstrukturierungsmaßnahme überleben. Mein Gewinn vor Steuern läge dann weit unter dem Bruttoeinkommen eines Assistenzartes, was die Situation komplett ad absurdum führt.

Die neue Regierung und insbesondere die FDP muss schnell handeln, damit dieser Wahnsinn ein Ende hat.

Sprechstunde im Dorfgasthof (Das Zitat der Woche)

Der Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer Dr. M. Kaplan hat auch schon bemerkt, dass es selbst in Bayern knapp werden könnten mit den niedergelassenen Ärzten und hat auch prompt eine ganz dolle Idee:

Zitat (05.10.09 Pressekonferenz in München):
„…Und wenn es nicht anders geht, dann muss eben im Nebenraum des Dorfgasthofs zweimal die Woche der Hausarzt Sprechstunde halten.“

 

Prost Mahlzeit !!!

Ärztemangel – wir tun was – Teil 2

Gestern traf ich einen pensionierten HNO-Kollegen. Er berichtete, dass er nun wieder mit seinen knapp 70 Jahren zu arbeiten begonnen habe.

Er arbeite in einer Praxis in einer nicht allzuweit entfernten Stadt mit ca. 25 000 Einwohnern. Der dort allein tätige HNO-Arzt war vor knapp einem Jahr unter mysteriösen Umständen bei einem Unfall ums Leben gekommen.

Der Praxissitz in dieser Stadt ist seitdem nicht mehr  zu besetzen. KEIN junger HNO-Arzt möchte sich dort niederlassen, wo er praktisch konkurrenzlos tätig sein könnte. Und das mitten in Bayern, wo ja angeblich Milch und Honig fließen.

Der Kollege hat nun in seinem hohen Alter wieder den Praxissitz erhalten und diesen dann – drei Mal dürft Ihr raten – an ein MVZ verkauft, das von einem Radiologen geleitet wird. Er ist jetzt Angestellter und sieht das gelassen, weil er längst seine Schäfchen im Trockenen hat.

Der „Markt“ wird also gemäß der Lauterbachschen Maxime schon verteilt.

Der HNO-Kollege hatte übrigens noch die goldenen Zeiten erlebt, deretwegen uns heute immer noch der Ruf der Super-Reichen anhaftet. Als ich vor 5 Jahren meine Praxis eröffnete, wollte er mich beraten, wie ich Grunderwerbssteuer sparen könnte. Als ich ihn entgeistert anblickte, war es ihm dann doch etwas peinlich. Als er in Pension ging, erzählte er mir, wie froh er sei, aufhören zu können. Vor 25 Jahren habe er pro Patient etwa das Dreifache erhalten, wie heute. Aber gewehrt habe er sich nie gegen den Preisverfall seiner Leistung. (Wahrscheinlich waren Häuser und Praxis längst abbezahlt)