Posts Tagged ‘Facharzt’

Fatto!!! Strike!!!

Dr. Geldgier erhielt heute das Recht,

die Facharztbezeichnung

„Facharzt für Nervenheilkunde“

zu führen.

Leute, Leute, das hat mich Nerven gekostet, aber davon später. Jedenfalls werd ich Euch ab jetzt ab und zu wieder nerven.

Aber heute ist Feiern und Abhängen angesagt.

Servus

Euer Dr. G.

Rationierung mit Pfiff – und keiner merkts

Gerade eben wieder in der Praxis:

Junge Dame mit Kopf- und Gesichtsschmerzen. War schon im Februar zwei Mal bei einem anderen Kollegen am Nachbarort, weil bei mir so schnell nix frei war.

Die zweite Meinung
Nachdem der Kollege aber – bei medizinisch völlig korrektem Vorgehen – nix fand und nicht sehr freundlich war, wollte die Dame nun eine zweite Meinung und wurde deshalb vom Hausarzt zu mir überwiesen.

So weit so gut. Ich habe befragt und untersucht wie immer und bin zu einem ähnlichen Ergebnis wie der Vorkollege gekommen.

Da ich wohl etwas freundlicher war, ging die junge Dame samt Mutter auch zufrieden aus meiner Praxis.

Warum ich das erzähle?

Bestrafung für Ärztehopping
Nun ja. In Deutschland gehen die Patienten doch viel zu oft zum Arzt. Innerhalb eines Quartals zu zwei verschiedenen Fachärzten der gleichen Fachrichtung zu gehen ist böse, ganz böse, auch wenn manchmal menschlich verständlich.
Deshalb hat sich „das System“ auch eine Strafe einfallen lassen: 
der zweite Facharzt erhält nur noch die Hälfte der Fallpauschale, also für mich waren es nun 23 anstatt 46 €, obwohl ich Leistungen im „Katalogwert“ von ca. 80€ erbracht habe. Toll gell?

Bloß nicht Patienten bestrafen, sondern die bösen Ärzte. Damit sie beim Sehen eines Patienten so finster dreinblicken, dass dieser gleich zum dritten Mal zu einem anderen Facharzt läuft.

Wieder ein Arschtritt für Deutschlands Ärzte Richtung Ausland. Sorry für den unfeinen Ausdruck, aber was Treffenderes fiel mir gerade im ersten Ärger nicht ein.

Fassungslos… (Teil 2)

Ich bin heut früh wieder mit jenem Gefühl erwacht, wie vor einem Jahr, als das Gesundheitsreform-Chaos ausgebrochen war. Meine Frau möchte, dass ich aufgebe, mit der Praxis aufhöre, so heute ihr Kommentar beim Frühstück…

Tausende Fragen schwirren in meinem Kopf.

Wie geht es bei mir weiter?

Werde ich und meine Praxis das überleben?

Warum habe ich Depp mich hier einzeln auf dem Land niedergelassen?

Warum bin ich nicht in eine Großstadt gegangen, wo es ein Mehrfaches an Privatpatienten gibt?

Warum habe ich nun mehr als ein Jahr für unsere gemeinsame Sache gekämpft?

Warum habe ich nicht meine eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht?

Warum habe ich meine Zeit hier im Blog vergeudet, anstatt mich um ein Ärztenetz zu kümmern?

Zurück zur Hiobsbotschaft:
Nun also, die AOK Bayern hat am 13.01. bekannt gegeben dass mit bestimmten ausgewählten Ärztenetzen für Dermatologen, Orthopäden, Neurologen, Nervenärzten und HNO-Ärzten Selektivverträge nach §140 SGBV (Integrierte Versorgung) abgeschlossen wurden.

Die Vergütung liege für die o.g. Fachgruppen deutlich, z.T. bis zum Doppelten über den aktuellen Fallwerten. Ich habe mittlerweile aus Berufsverbandskreisen erfahren, dass nun beispielsweise ein Neurologe in München 75€ pro Quartal für die Versorgung eines AOK-Patienten bekommen soll. Momentan sind es für mich etwa 45€. Was noch grotesker ist: Das Amberger Ärztenetz soll „nur 60 € ausgehandelt haben. Und das alles, ohne, dass dadurch die Versorgung des Patienten wirklich besser wird …

Hier verteilt die AOK Geld nach Gutdünken. Und plötzlich scheint das Geld da zu sein. Es scheint aber nur da zu sein, denn diese Verträge sind „bereinigungsfähig“. Und genau das wird mein Tod sein … (Fortsetzung folgt)

[Es tut mir leid, aber in 10min beginnt mein Praxisalltag – heut wird es mir nicht leicht fallen nett zu sein]

Fassungslos… (Teil1)

Sensation: Hausarzt selig gesprochen – Priestermangel beseitigt

Rom – München 20.10.2009

Zu einem Novum in der Geschichte der Seligsprechungsprozesse ist es überraschenderweise in Rom gekommen. Erstmals wurde eine noch lebende Person vom Papst im Eilverfahren selig gesprochen.

 Der Oberhausarzt aus Bayern Dr. W.Z.*, der es durch geschickte Verhandlungstaktik geschafft hat, dass eine der größten Krankenkassen Bayerns plötzlich fast das Doppelte an die Hausärzte pro Patient bezahlt (wir berichteten), wurde in Rom selig gesprochen.

In seiner Laudatio begründete der Oberhirte die Seligsprechung zum einen damit, dass dadurch endlich erkannt worden sei, wie wichtig es sei, auch bei Gesunden Patienten schwere Krankheiten zu verschlüsseln, damit die große Krankenkasse ganz viel Geld aus dem Gesundheitsfonds bekomme.


Schwerter zu Pflugscharen – Fachärzte lösen den Priestermangel

Viel wichtiger sei es jedoch, dass durch diesen Schritt erreicht werde, dass diese Kasse an Fachärzte zukünftig weniger als die Hälfte des Hausarztlohns auszahle. Dadurch komme es zu einem politisch gewollten und von der Kirche unterstützen Aushungern der Fachärzte. Diese könnten dann, da sie es nun ja gewohnt seien für Gottes Lohn zu arbeiten, als Spätberufene in die Kirche integriert werden und nach einem Schnellkurs die Priesterweihe empfangen.
Somit wäre nicht nur der horrende Überfluss an Ärzten in Deutschland beseitigt, sondern zugleich auch die Problematik des Priestermangels.

Seelenheil gerettet
Vor allem wäre aber das Seelenheil der Fachärzte, die ja vor allem durch Raffgier, Betrug, überflüssige Untersuchungen und Geldgeilheit bekannt geworden seien, gerettet und allein dafür hätte Dr. W.Z. die Würde der Seligsprechung verdient.

Das Verfahren der Heiligsprechung soll, wie aus Rom zu vernehmen war, auch beschleunigt auf den Weg gebracht werden.

_____________

*Name von der Redaktion geändert

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich, wie im gesamten Blog, selbstverständlich um, zum Zwecke der Satire, frei erfundende Ereignisse. Bitte also noch nicht den Flug nach Rom buchen.

Arme Patientin – Zwei Jahre verloren

Heute morgen in der Praxis:

Als ich der Patientin die Hand schüttle, weiß ich, dass ich Sie schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ich kannte das Gesicht noch, aber weder ihren Namen noch die genaue Krankengeschichte.

Kein Wunder, denn ich hatte Frau D. (Name geändert) zuletzt vor gut zwei Jahren gesehen. Damals zur Abklärung einer leichten Vergesslichkeit. Es war noch nicht schlimm damals, weshalb ich eine Kontrolle in drei Monaten vorgeschlagen hatte, was nicht geschah.

In einer Fachklinik war im Herbst 2007 dann bereits eine beginnende Alzheimer-Demenz diagnostiziert worden. Ein Medikament wurde verordnet, das den Krankheitsprozess wenigstens verzögern sollte. Der Hausarzt verordnete das mit 8mg täglích begonnene Medikament R* (ich mach hier keine Werbung) zwar brav weiter, hat es jedoch nie erhöht und auch nie eine erneute fachärztliche Kontrolle veranlasst.

Heute sitzt eine schwer demente Patientin vor mir, die immer noch 8mg R* schluckt. Eine völlig unwirksame Dosis dieses teuren Medikamentes. Sie hätte möglichst 24mg, aber mindestens 16mg täglich einnehmen müssen. 8mg war die Startdosis, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Ich weiß nicht, ob es der Hausarzt nicht wußte oder sich aus Kostengründen gegen eine Erhöhung entschied. Für diese Patientin ist nun definitiv der Zug abgefahren. Sie ist phasenweise verwirrt, verläuft sich und ist praktisch rund um die Uhr auf die Hilfe ihrer Angehörigen angewiesen.

Ich weiß auch nicht, ob das Medikament R* bei ihr so gut angeschlagen hätte und wie der Zustand bei korrekter Therapie nun wäre – wahre Wundermittel stehen uns bis heute bei Alzheimer weiß Gott nicht zur Verfügung – aber ich hätte der Patientin diese Chance gerne gegönnt.

Was noch schlimmer ist: dies ist leider der Alltag der Demenzversorgung und nicht die Ausnahme. Und wenn die ambulanten Fachärzte, wie politisch gewollt, auf dem Land weg sind, …

… wird es kaum besser werden. Armes Deutschland!

Hier auch ein sehr gelungender Videobeitrag – für Leute mit schwarzem Humor